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Tiergesundheit

Trächtigkeit und Gesundheit im Blick

Helga Gebendorfer
am Mittwoch, 25.05.2022 - 10:00

Schafe: Fachtierarzt Henrik Wagner beleuchtet Gesundheitsprobleme während der Trächtigkeit.

Trächtigkeit Schafe 1

Gesunde Lämmer sind auch eine Frage des Managements. Angefangen von der Trächtigkeitsuntersuchung per Ultraschall über die angepasste Kraftfuttermenge und Hygienemaßnahmen kann der Schafhalter einiges tun.

Mögliche Gesundheitsprobleme in der Trächtigkeit beleuchtete Henrik Wagner, Fachtierarzt für kleine Wiederkäuer an der Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz der Justus-Liebig-Universität Gießen im Rahmen einer monatlichen Webinar-Reihe – organisiert von der MSD-Tiergesundheit.

„Als Tierhalter sollten Sie den Trächtigkeitsstatus ihrer Tiere kennen. Nutzen Sie die Ultraschalldiagnostik, um tragende und nicht tragende Tiere zu identifizieren. Denn das ist wichtig für notwendige Behandlungen bzw. Prophylaxe-Maßnahmen“, stellte er fest. In diesem Zusammenhang machte der Tierarzt darauf aufmerksam, dass die Lämmer verstärkt nach dem 100. Trächtigkeitstag wachsen. Das bedeutet eine Einengung des Pansens, vor allem bei Zwillingsgravidität, und eine Erhöhung des Energieverbrauches. „Die Energiezufuhr muss erhöht werden und es besteht die Gefahr einer Trächtigkeitsketose“, erklärte er und ging im Folgenden auf die wichtigsten Probleme während der Trächtigkeit ein.

Wurde bei der Ultraschalluntersuchung festgestellt, wie viele Lämmer das Schaf bekommt, dann soll das Muttertier dementsprechend gefüttert werden. Wer Zwillinge oder Drillinge bekommt, darf auch mehr Kraftfutter fressen. Allerdings muss man dabei beachten, dass nicht jede Rasse gleich viel Kraftfutter verträgt. Eine Landrasse braucht weniger als eine Mastrasse, ein großes Muttertier wie Merinolandschaf mehr als ein kleines wie Skudden.

Ketose entsteht durch eine Überbeanspruchung des Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsels. So wird Körperfett abgebaut, um den Energiemangel auszugleichen, welches in der Leber vermehrt angeflutet und umgebaut wird. Das belastet die Leber und klinische Symptome wie Apathie, Fressunlust/Dehydrierung, Zähneknirschen, Absonderung von der Herde, Schwäche/Festliegen/Krampfanfälle treten auf.

Trächtig oder krank?

Man muss wissen, ob das betroffene Tier trächtig ist, denn viele dieser Symptome treten auch bei anderen Krankheiten auf. Auch darf einem hochträchtigen Tier kein Cortison gespritzt werden, weil das die Geburt auslösen kann. Vielmehr hilft hier eine Glukose-Infusion zur Energieversorgung. Am besten ist es, durch prophylaktische Maßnahmen eine Ketose zu vermeiden. Das heißt, Erhöhung der Kraftfutterration ab etwa dem 100. Trächtigkeitstag unter Berücksichtigung der Rasse, Vermeidung von Störungseinflüssen wie Treiben durch Hunde und unnötige Umstallung sowie Minimierung der Parasitenbelastung.

  • Hypokalzämische Gebärparese (Kalziummangel) kann zu einer Wehenschwäche während der Geburt führen. Das Mutterschaf kann festliegen. Für die Behandlung ist wiederum die Kenntnis einer Trächtigkeit entscheidend.
  • Tritt einige Tage bzw. Wochen vor der Geburt Scheidengewebe nach außen, kann das zu Verschmutzung und Infektionen führen. Die Folge kann ein Scheiden- und Gebärmuttervorfall nach der Geburt sein, durch das beim Scheidenvorfall geschwächte Gewebe. Hier muss unverzüglich der Tierarzt gerufen werden, der die nötigen Schritte unternimmt. In solchen Fällen stellt sich die Frage nach einem weiteren Zuchteinsatz. „Durch Selektion kann diese Erkrankung verringert werden“, meinte Wagner.
  • Es gibt mehrere Formen von Wehenschwäche, wobei den Mineralstoffen, z. B. Kalzium, Phosphor, Selen, Magnesium, Kupfer, Eisen, Kobalt und Zink eine große Bedeutung zukommt. „Ein Mineralstoffmangel ist häufig latent vorhanden“, erklärte der Tierarzt.
  • Bei Euterentzündungen während der Trächtigkeit sollten eine systemische antibiotische Behandlung in Rücksprache mit dem Hoftierarzt eingeleitet werden.
  • Ein Abort kann mehrere Ursachen haben. Neben infektiösen Gründen wie Bakterien, Viren oder Parasiten gibt es auch Folgen von Management (Entwurmung, Impfungen, Medikamente, Stress) und Fütterung (Giftpflanzen, Energiemangel, Mineralstoffmangel).

Gesunde Lämmer durch Impfen

Gegen eine Reihe von Krankheitserregern können Schafe geimpft werden. „Dadurch werden eine sichere Trächtigkeit und gesunde Lämmer erzielt“, erklärte der Referent und empfahl die Leitlinie zur Impfung von Rindern und kleinen Wiederkäuern der ständigen Impfkommission Veterinärmedizin am Friedrich-Loeffler-Institut. Diese gibt Auskunft, gegen welche Krankheiten in Zucht- und Mastbetrieben geimpft werden kann.

Die Impfung von tragenden Schafen ist wichtig, weil die Schutzstoffe nicht über die Gebärmutter übertragen, sondern über das Kolostrum von den Lämmern aufgenommen werden. Dabei ist darauf zu achten, wie der Impfstoff gelagert wird, dass die Kanülen gerade und scharf sind, den richtigen Kanülendurchmesser haben und gewechselt werden.

Schließlich machte der Fachtierarzt noch auf weitere oft vergessene Maßnahmen aufmerksam. Dazu gehören: tägliche Kontrolle und Reinigung der Tränkevorrichtungen sowie Beachtung einer guten Einstreu- (Mykotoxine) und Futterqualität.

„Kenntnisse zum Trächtigkeitsstand sind wichtig – zum einen weiß der Schafhalter, wann die Lammzeit beginnt und endet und zum anderen können bei auftretenden Erkrankungen die richtigen Maßnahmen ergriffen werden“, fasste Dr. Henrik Wagner zusammen und erklärte, dass auch richtige Selektion hilft, Erkrankungen zu vermeiden. Außerdem gilt es, die Rationsgestaltung und Hygienebedingungen im Blick zu haben und sich rechtzeitig mit dem Hoftierarzt abzustimmen.