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Eurotier 2022

Tierärztepräsident: Tierische Erzeugung wird per Gesetz abgeschafft

Der Präsident des Bundesverbands praktischer Tierärzte (BpT) Dr. Siegfried Moder.
Markus Pahlke
am Freitag, 18.11.2022 - 12:00

Auf der Eröffnung des Kongresses des Bundesverbands praktischer Tierärzte (bpt) kritisierte dessen Präsident Dr. Siegfried Moder die Regierungskoalition für ihr Vorgehen im Tiergesundheitsbereich.

Bei der Verleihung des Animal Welfare Awards fand BpT-Präsident Dr. Siegfried Moder deutliche Worte für die Bundesregierung. Hier zu sehen die Verleihung des Awards an die Firma Siliconform GmbH & Co. KG (v.l.n.r.: Prof. Dr. Heinz Bernhardt, Valentin Maier, Wilfried Hatzack, Jakob Maier, Philipp Schulze Esking, Dr. Siegfried Moder)

Im Rahmen des International Animal Health Events am gestrigen Donnerstagabend, bei dem auch der gleichzeitig mit der Eurotier stattfindende bpt-Kongress eröffnet wurde, kritisierte der Präsident des Bundesverbands der praktischen Tierärzte, Dr. Siegfried Moder, das Bundeslandwirtschaftsministerium, als auch die Ampelparteien teilweise scharf.

So waren zur Eröffnung weder Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir noch eine seiner drei Staatssekretärinnen gekommen. Moder sagte: „Eine Wertschätzung der Politik gegenüber unserer immensen Leistung ist dies mit Sicherheit nicht.“ So hätten sich die Koalitionäre vor einem Jahr noch dick auf die Fahnen geschrieben, dass sie in den Bereichen Tiergesundheit und Tierschutz neue Akzente setzen wollen. Wörtlich sagte Moder: „Tierärzt:innen spielen für die Ampel wohl keine große Rolle!“

bpt-Präsident: Ampel solle Antrag zum Tierarzneimittelgesetz zurückziehen

Der Tierärztepräsident mahnte an, dass die integrierte tierärztliche Bestandsbetreuung immer noch nicht im nationalen Recht verankert und umgesetzt sei.

Moder kritisierte auch den Plan, das Tierarzneimittelgesetz über die EU-Vorgaben hinaus zu verschärfen. Die Bundesregierung diktiere und verbiete, anstatt konstruktivem Dialog und Akzeptanz der fachlichen tierärztlichen Expertise. Wenn die Regierung wolle, dass der Antibiotikaeinsatz weiter reduziert werden soll, dann müsse sie selbstkritisch sein und erst einmal ihre Hausaufgaben machen. Dazu gehörten klare Vorgaben bei den Haltungseinrichtungen, Planungssicherheit für die Landwirte und ein Erkennen, dass neben der Haltung, das Tiergesundheitsmanagement mit gesetzlich implementierter tierärztlicher Bestandsbetreuung essentiell seien, so Moder. Er forderte die Ampel auf, den geplanten Antrag zum Tierarzneimittelgesetz zurückzuziehen.

Fassungslos über durchgepeitschte Änderungsanträge

Moder zeigte sich fassungslos, dass der nach der Expertenanhörung sogar noch verschärfte Änderungsantrag in der nächsten Woche in einer Sondersitzung des Agrar-Ausschusses beraten und abgestimmt und danach bislang ohne Debatte vom Plenum durchgepeitscht werden solle. „Man hat den Eindruck, dass die Produktion wertvoller tierischer Lebensmittel in Deutschland durch solche Gesetze und den daraus resultierenden Folgen, abgeschafft werden soll“, sagte der der BpT-Präsident.