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Fleisch aus der Retorte

Synthesefleisch rückt näher

Biotechnologie
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 23.03.2021 - 08:39

Am 18. März fand eine große Investorenrunde für Start-ups in dem Bereich statt. Die Veranstalter sprechen von einem Gigantentreffen.

Biotechnologie

Berlin / Lausanne - Wie sieht industrielle Fleischerzeugung aus? Tier- und Umweltschützer kritisieren heute bereits die Landwirtschaft für eine angebliche industrielle Fleischerzeugung. Wie diese zu definieren ist, bleibt aber weitgehend offen. Nun könnte tatsächlich das Tor zu einer industriellen Fleischerzeugung aufgestoßen werden. Die Rede ist von Fleisch aus der Retorte, Labor- oder Synthesefleisch, das in einem biotechnologischen Verfahren hergestellt wird. Die Befürworter benutzen auch gerne den Begriff "kultiviertes" Fleisch. Wer will kann dann seine eigenen Kreationen im 3-D-Drucker fertigen.

Das hört sich futuristisch an, liegt aber näher als man glaubt. So schrieb das Magazin Tech & Nature bereits im Januar 2020: "Zuletzt steckte beispielsweise eine illustre Runde aus unter anderem Microsoft-Milliardär Bill Gates und Virgin-Milliardär Richard Branson stolze 161 Millionen Dollar in das kleine kalifornische Unternehmen Memphis Meats. Zu den Investoren zählen auch zwei der größten Konzerne im Bereich Tier-Protein und -Futter, Cargill und Tyson Foods." Das zeigt, in welche Richtung die Entwicklung laufen könnte.

Bislang sind die Verfahren, aus einigen Tierzellen, die auf einer Nährlösung sich vermehren, Fleisch zu erzeugen, noch relativ teuer. Aber Geld, um das Ganze in größerem Rahmen zu automatisieren, steht bereit. Dazu diente unter anderem die Veranstaltung New Food Invest. Sie sollte Start-ups und Investoren zusammenbringen. Die Start-ups versprechen Fleischgenuss ohne Tiertod - ein Geschäftsmodell von dem sich die Investoren gute Renditen erhoffen.

Geschäft für kapitalträchtige Investoren

"Giganten der nachhaltigen Lebensmittelindustrie versammelten sich am Donnerstag, dem 18. März, beim ersten New Food Invest", so zogen die Veranstalter ProVeg International und Beyond Animal Bilanz. „Das heutige Programm hat unsere Erwartungen völlig übertroffen. Rund 400 Teilnehmer der aufregendsten Food-Start-ups der Welt treffen sich in einem Raum mit den zukunftsorientiertesten Investoren der Welt. So verändern sie das globale Nahrungsmittelsystem“, sagte Jens Tuider, Internationaler Direktor von ProVeg International. Und Claire Smith, Mitbegründerin Beyond Animal meinte: "Wir werden die Früchte dieses legendären Matchmaking in den kommenden Jahren im Bereich alternativer Proteine ​​sehen.“

New Food Invest ist die weltweit erste globale Online-Konferenz, die sich ausschließlich darauf konzentriert, internationale Startups für pflanzliche und kultivierte Lebensmittel mit Investoren und Risikokapitalgebern zusammenzubringen. Wie weit dieser Sektor mittlerweile gediehen ist, zeigt das Messekonzept. Das 3-in-1-Format der Konferenz bot drei Segmente, die sich an asiatischen, europäischen und amerikanischen Möglichkeiten orientierten.

Diese Namen sollte man sich merken

Zu den Start-ups zählten:

  • drei pflanzliche Fleischunternehmen aus China, Hao Foods, YouKuai Food und HERO Protein
  • drei zelluläre Landwirtschaftsunternehmen mit Gaia Foods, die in Singapur rotes Fleisch anbauen, 3D-Druck von pflanzlichen oder zellbasierten tierischen Proteinanaloga durch Spaniens Cocuus und Gelatex 'pflanzliches nanofasriges 3D-Gerüst für Kulturfleisch. nachhaltiges städtisches Protein von Sophie's Bionutrients aus Singapur
  • natürliche Farbstoffe aus Rote Beete und Algen von Phytolon in Israel und Back of the Yards Algenwissenschaften in Chicago, ebenfalls der Schöpfer eines Algenhäms für Burger auf pflanzlicher Basis
  • Lebensmittelsicherheit und Zertifizierung von Swiss DeCode
  • veganes Omega-3 aus Algen von SIMRIS
  • Innovatoren pflanzlicher und gesunder Snacks The Nu Company aus Deutschland
  • Schokolade auf pflanzlicher Basis und aus biologischem Anbau von Fellow Creatures aus Großbritannien
  • US-amerikanische Unternehmen, die Fleisch, Milch und Fisch auf pflanzlicher Basis, No Evil Foods, Spinning Wheel Brands und Kuleana sowie die europäische Gourmet-Käsealternative Les Nouveaux Affineurs herstellen