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Hitzeschutz

Suhlen schützen vor der Hitze

Suhle mit Stroh
Rudolf Wiedemann
am Dienstag, 26.07.2022 - 13:15

Heiße Sommer belasten die Schweine. Für wirksame Entlastung sorgen fachmännisch angelegte und bewirtschaftete Suhlen. Mit Ausnahme von Abferkelställen sollten sie in keinem Schweinestall fehlen.

Suhle und innerer Mistgang

Schweine schwitzen nicht. Sie können es nicht, weshalb ihnen sommerliche Hitze schwer erträglich ist. Die in den letzten Jahrzehnten angestiegenen Leistungen der Tiere und die zunehmend wärmeren Sommer verschärfen die Situation zusehends. Doch welche Technik kommt für Kühlungseffekte in Betracht?

In Ställen mit freier Lüftung sind Nieder- oder Hochdruckvernebelung oder der Einsatz von Coolpads zwar oft üblich, aber eher nicht empfehlenswert. Es gibt eine andere Antwort auf diese Herausforderung: Suhlen. Im Rahmen des Projektes EIP-Schwein in Baden-Württemberg zur Entwicklung und Erprobung von innovativen Lösungen wurden in sechs EIP-Mastställen Suhlen eingebaut. Baulicher Aufwand für Bau und Pflege von Suhlen sind dabei unterschiedlich.

Suhlen mindern Stress

Nippel für Suhle

Tierhalter müssen laut Verordnung (§ 17 Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung) dafür sorgen, dass sich die Schweine abkühlen können. Die Tiere danken das: Bei hohen Außentemperaturen werden Suhlen häufig aufgesucht. Der Abfall der Körpertemperatur nach dem Suhlen beläuft sich auf bis zu ca. 2 °C. Deshalb sind Suhlen ein nicht verzichtbares Instrument zur Thermoregulation und sollte deshalb in keinem Stall bzw. Auslauf fehlen.

In Versuchen von Ingold und Kunz wurde die Atemfrequenz bei Sauen in Freilandhaltung bei Außentemperaturen von 26,5 °C gemessen mit dem Ergebnis, dass sich beim Einsatz von Suhlen die Atemfrequenz etwa im Normalbereich von ca. 18 Atemzügen je Minute bewegt, ohne Suhlen verdoppelt sie sich.

Keine Hygieneprobleme

Sehr effektiv sind Vertiefungen im Betonboden, die bei hochsommerlichen Temperaturen mit wenigen Zentimetern Wasser befüllt werden. Das Schwein als Bauchkühler kann sich dort weit wirkungsvoller abkühlen, als dies Vernebelungsanlagen leisten können. Aufgrund der Erfahrungen sind in Haltungsverfahren mit Suhlen die Tageszunahmen auch bei sehr hohen sommerlichen Außentemperaturen kaum beeinträchtigt. Darüber hinaus führen Suhlen zu weiteren positiven Effekten:

  • Die Tiere legen sich seltener in der Nähe von Tränken ab und hindern andere Tiere weniger am Trinken.
  • In Ställen mit Suhlen gibt es deutlich weniger mit Exkrementen verschmutzte Tiere; das mindert Emissionen.
  • Der geringere Hitzestress beugt auch Verhaltensstörungen wie Schwanzbeißen vor.
  • Aus Schlachtbefunden von Tieren aus Betrieben mit Suhlen lassen sich derzeit keine Hygieneprobleme ableiten, z. B. ein stärkerer Befall mit Salmonellen oder Spulwürmern.

So wirkungsvoll mit Wasser gefüllte Suhlen bei hohen Außentemperaturen sind, so nachteilig können sie außerhalb der Suhlzeit sein – falls sie händisch und nicht mechanisch im Rahmen der Auslaufentmistung gesäubert werden können. Denn das ist mindestens zweimal wöchentlich nötig. In vielen Ställen kann sowohl mit Quer- als auch mit der üblichen Längsentmistung des Auslaufes die Suhle gereinigt werden.

Vorteilhafter als Suhlen, die aus Vertiefungen im Betonboden bestehen oder auch Stauschwellen auf einer schiefen Ebene haben, sind deshalb Suhlen, deren Boden nur 1 % Gefälle zum Auslaufende aufweist. Durch diese Maßnahme sichert man beim Stallreinigen den Ablauf von Schmutzwasser, und das zum Suhlen zugesetzte Wasser läuft kaum ab. Voraussetzung sind aber der Einsatz von Stroh im Suhlbereich und die Zuteilung von Wasser in kleinen periodischen Gaben, was eine Zeitschaltuhr mit Magnetventil erfordert. Was gibt es außerdem zu beachten?

Weitere Voraussetzungen

  • Suhlen müssen überdacht bzw. sicher vor Sonne geschützt sein. Das liegt daran, dass suhlende Schweine auch bei größter Sonneneinstrahlung ziemlich sauber sind und ihnen deshalb die „Patina“ aus Schmutz fehlt.
  • Suhlen dürfen nicht am Ende eines Auslaufes sein. Da Schweine am Ende von Ausläufen ihren Kot und Harn absetzen, würde eine solche Suhle zu schnell stark verschmutzen. Der Kotbereich muss als solcher bei jeder Witterung erhalten bleiben und braucht Abstand zur Suhle. Aus diesem Grund werden Suhlen im Auslauf zwischen Kotbereich und Stallgebäude eingerichtet. Auch bei dieser Anordnung verschmutzt die Suhle, jedoch in vertretbarem Ausmaß, weshalb sie zweimal wöchentlich im Rahmen der Entmistung gereinigt werden muss. Suhlen werden am besten an der Stallaußenwand angelegt, sodass noch genügend Abstand zum Kotbereich im Auslauf ist.
  • Der Suhlbetrieb beginnt in der Regel erst am Nachmittag, sodass bei entsprechendem Wasserzufluss die Suhle am späten Abend wieder nahezu ausgetrocknet ist.
  • Falls dauerhaft Wasser in der Suhle angeboten wird, muss es alle zwei bis drei Tage gewechselt werden.
  • Am einfachsten gelangt das Wasser von oben über einen Tropfschlauch in die Suhle.
  • Die Suhle wird bei Mastschweinen unter 50 kg ab 20 °C und bei Mastschweinen über 50 kg ab 15 °C betrieben.
  • Während der Suhlzeit von ca. 120 Tagen im Jahr ist mit ca. 3 Litern Wasser je Tier und Tag zu rechnen.
  • Der Suhlbereich sollte so groß sein, dass gleichzeitig mindestens 10 % der Schweine darin Platz finden können.