Tierhaltung

Studien zur Landwirtschaft liefern Bild von gestern

Wissenschaft
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Ulrich Graf
am Donnerstag, 08.08.2019 - 12:26

Viele wissenschaftliche Untersuchungen zur Landwirtschaft beruhen auf veraltetem Zahlenmaterial und spiegeln nur Klischees wider.

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Seit Inkrafttreten der Düngeverordnung im Jahr 2017 gibt es einen deutlichen Trend in der Tierhaltung in Bayern: Die Bestände sinken. Nach den vorläufigen Ergebnissen der Bestandserhebung schlägt für Schweine zum 3. Mai 2019 ein Minus von 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu Buche. Für Rinder weist die HIT-Datenbank ein Minus von 1,9 Prozent aus.

Diese Entwicklung wird die NEC-Richtlinie, so ist zu befürchten, weiter kräftig anheizen. Sie fordert, den Ammoniak-Ausstoß bis 2030 um 29 Prozent gegenüber 2005 zu reduzieren. Das haben die Politiker so beschlossen und das wollen sie auch, selbst wenn der ein oder andere unter ihnen bei drohenden Betriebsaufgaben noch einige Krokodilstränen vergießen sollte.

Das setzt die Nutztierhaltern unter Druck. Es gibt zwar eine Reihe von technischen Ansätzen zur Ausstoßminderung, sie werden aber nicht ausreichen. Der Rest wird dann wohl über einen Bestandsabbau den Landwirten aufs Auge gedrückt werden.

Umso unverständlicher erscheint deshalb, dass in der Öffentlichkeit und in den Medien immer noch die Meinung vorherrscht, die Bauern würden ständig noch mehr Tiere halten.

Eine zweifelhafte Rolle fällt hier mitunter den sogenannten Experten und Fachbeiräten zu, hinter denen sich die Politiker gerne verstecken und auf die sich Umweltverbände gerne berufen. Wenn als Ergebnis von Studien so Allgemeinplätze wie „zunehmende Intensivformen“ herauskommen, bringt das wenig Erkenntnisgewinn, suggeriert aber, dass Bauern Umwelt und Tier überstrapazieren würden.

Wenn diese Thesen dann noch auf angestaubten Zahlen beruhen, die wichtige Weichenstellungen, wie die Auswirkungen der Düngeverordnung, nicht berücksichtigen, so sind sie schlechte Ratgeber in aktuellen Fragen. Das hält die Meinungsmacher aber nicht davon ab, ihre zeitlich überholten Botschaften weiter lautstark herauszuposaunen.