Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Planen und Bauen

Stallumbau: Neuer Stall als Wohlfühloase

Anbindehaltung zu Laufstall
Max Riesberg
Max Riesberg
am Montag, 21.03.2022 - 15:10

Familie Häringer hat von Anbinde- auf Laufstall umgestellt. Nun läuft der Nebenerwerb rund und Mensch und Tier fühlen sich wohl.

Stallbau

Ein gutes Beispiel dafür, wie schnell und wie nachhaltig sich die Situation hinsichtlich der Lage einer Hofstelle ändern kann, ist der Betrieb Häringer in Murnau-Weindorf (Lks: Garmisch-Partenkirchen). „Als wir 1965 noch am äußersten Ortsrand lagen und mit dem Milchviehstall quasi von einer Straßenseite auf die andere Straßenseite umsiedelten, konnte sich niemand vorstellen, dass wir 30 Jahre später regelrecht von Wohnhäusern umzingelt sind, mit all den Folgen für unsere Landwirtschaft“, berichtet Martin Häringer, Jungbauer vom Semerhansenhof.

Häringers Großvater hatte früher schon die für die Region typischen Murnau-Werdenfelser-Kühe gemolken. Dann wurde sukzessive auf Fleckvieh umgestellt. Sein Vater Andreas melkte noch bis 1992, bevor er wiederum auf Mutterkühe umstellte. Und Martins Initiative ist es zu verdanken, dass im Jahr 2008 wieder das erste Murnau-Werdenfelser-Rind beim Semerhans Einzug hielt – ganz nach dem Motto „Zurück zu den Wurzeln“.

Es musste etwas passieren

Der alte Anbindestall mit urigem Holzfangfressgitter, Mittellang-Stand und Festmistrinne bot Platz für zehn Kühe. „Immerhin Gummimatten haben wir unseren Damen schon gegönnt und während der Weidesaison waren sie ohnehin Tag und Nacht draußen“, berichtet Martin und erinnert sich auch zurück, dass er den Mist der Tiere immer mit dem Seilbagger auflegen musste. Außerdem war die Futterwerbung, -lagerung sowie der Transport inzwischen Mitten im Ort immer schwieriger geworden.

„Es musste über kurz oder lang ohnehin etwas geschehen – Verbot der Anbindehaltung hin oder her. Der Platz wurde immer enger. Das alte Gebäude hätte komplett wegmüssen. Die Konflikte mit den Nachbarn waren vorprogrammiert. Zudem seien die Bodenrichtwerte enorm gestiegen“, auch das verschweigt Martin Häringer nicht. Eine zukunftsgerichtete Lösung für den Familienbetrieb, der weiterhin Bio-zertifiziert im Nebenerwerb geführt werden sollte, war gefragt. Denn gemeinsam mit seiner Frau Silvia, seiner Tochter Vreni, seinen Eltern und Schwiegereltern war man sich einig, dass man trotz der zunehmend urbanen Struktur rund um die Marktgemeinde Murnau nicht aus der Tierhaltung aussteigen und sich sogar auf neue Pfade begeben will.

Drei Trümpfe zum Ausspielen

Kran

„Dabei schwebten uns drei Gedanken immer im Kopf herum, nämlich: Regionalität, Transparenz und Überschaubarkeit. Diese drei Trümpfe für eine nachhaltige Landwirtschaft und Tierhaltung wollen wir künftig ausspielen“, schildert der 33-jährige Betriebsleiter die Pläne der Familie Häringer und konkretisiert diese noch: „Unsere Tiere sollen weitgehend von unseren Flächen satt werden, der Futterzulauf also so gering wie möglich gehalten werden und arbeitswirtschaftlich soll es einfach rund laufen, trotz Job, Familienleben und flexiblerer Freizeitgestaltung.“
Schon 2012 startete Martin Häringer im Rahmen des Bila-Kurses die ersten Unternehmungen zur Planung eines neuen Stalls.

Auch ein Bauberater wurde in der Zwischenzeit involviert. Doch der Plan musste erst reifen, wie der Mutterkuhhalter einräumt. „Von Seiten der Behörden wurde die Rentabilität unseres Vorhabens in Frage gestellt, auch wenn man meinen müsste, dass unser Weg genau derjenige ist, den man für die Landwirtschaft in unserer Region in Zukunft möchte“, sagt er rückblickend und mit etwas Groll im Magen. „Man wollte auch nicht, dass wir aufhören. Aber für größere Investitionen sah man wohl keine Zukunft. Was soll man da machen“, meint Häringer weiter und schüttelt den Kopf.

Familie lies sich nicht beirren

Stall

Zum Glück haben sich seine Familie und er nicht beirren lassen. Mit dem Berater Konrad Knoll konnte schließlich eine stimmige Stallskizze zu Papier gebracht werden. Der Plan wurde eingereicht. Doch aufgrund des ewigen Hin und Her zog Häringer den Förderantrag schließlich zurück und sein eigenes Ding durch. „Die Bergehalle im Anschluss an den Tiefstreustall war der Knackpunkt. Hier ging schließlich keiner mehr mit in punkto Rentabilität, aber arbeitswirtschaftlich wäre es blanker Wahnsinn gewesen, diesen Schritt im Rahmen der aktuellen Investitionen nicht mitzugehen.“

Im Frühjahr 2021 folgte dann der erste Spatenstich für das 20 x 33,5 m große Gebäude in freundlicher Holzbauweise. Bereits nach einer Bauzeit von sechs Monaten konnte die Murnau-Werdenfelser der Familie Häringer direkt von den umliegenden Weiden in den neuen Laufstall einziehen. 27 Fressplätze stehen den Tieren dort zur Verfügung. Die Herde ist in drei Gruppen aufgeteilt bzw. in Buchten mit einem reichlich eingestreuten Liegebereich untergebracht.

Familie gewährt gerne Einblick

'Kuhbürste

Die Lauffläche zum Futtertisch hin ist mit Betonspalten als Antritt konzipiert und von einem Güllekanal unterkellert. Die Beschickung mit Futter und Einstreu (hauptsächlich von den Streuwiesen aus dem Murnauer Moos) erfolgt über den Heukran aus der angeschlossenen Bergehalle.

„Es ist einfach kein Vergleich zu vorher und eine wahre Wohlfühloase für Tier und Mensch“, sind sich Silvia und Martin Häringer einig. Sie sind zudem froh, sich ihren Traum vom neuen Stall verwirklicht zu haben, trotz aller Irrungen und Wirrungen. „Wir geben jedem gerne Einblick in unsere nachhaltige Landwirtschaft mit unseren urigen Mutterkühen unseren fleißigen Legehennen in ihren Mobilställen. Interessierte Nachbarn haben ebenso wie Feriengäste regelmäßig die Chance, sich selbst ein Bild zu machen. Diese Imagearbeit für die Landwirtschaft macht uns Spaß“, sagt die Landwirtin Silvia zufrieden.