Rinderzucht

Spermasexing: Nur noch Wunschkälber

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 01.10.2020 - 10:01

In der Schweiz geht der Einsatz des gesexten Spermas durch die Decke.

Rinderredakteur

Bei den reinrassigen Besamungen melden die Stationen schon einen Anteil von 30 bis 40 Prozent. In Deutschland waren es 2019 nur 2,2 Prozent, und das mit großen Unterschieden: Bei Jersey wurden 25,3 Prozent der Besamungen mit gesextem Sperma gemacht, bei Holstein waren es 3,5 Prozent, bei Brown Swiss 2,1 Prozent und bei Fleckvieh nur 0,2 Prozent. Je geringer der Nutzkälberpreis einer Rasse ist, desto mehr setzen die Bauern auch bei der Stierauswahl auf Spezialisierung: Die weniger guten Kühe werden mit dem Stier einer Fleischrasse besamt und die besseren reinrassig und immer öfter gesext.

In Bayern ist Boom wie in der Schweiz nicht zu erwarten

Bayern ist in erster Linie ein Fleckviehland, fast 77 Prozent aller MLP-Kühe gehören der Zweinutzungsrasse an. Schon deshalb wird es diesen Boom wie in der Schweiz bei uns nicht geben. Zwar steigen die Zahlen auch beim Fleckvieh, aber auf einem deutlich geringeren Niveau. Das Stierkalb hat auch reinrassig einen hohen Wert und deshalb ist Spezialisierung nicht so sehr notwendig.

Bei milchbetonten Rassen aber dürfte sie weiter zunehmen. Besamt der Bauer seine besten Kühe mit gesextem Sperma, dann bekommt er züchterisch interessante und wertvollere Kuhkälber. Und es gibt ihm den Freiraum, Kühe, von denen er keine Nachzucht möchte, mit einem fleischbetonten Stier zu belegen und so bessere Kälbererlöse zu erzielen.

Das ist nicht nur finanziell interessant, sondern auch eine Frage der Wertschätzung: Wer ein Kalb fürsorglich aufzieht, es täglich versorgt und pflegt, der möchte dafür auch angemessen honoriert werden. Das gelingt in der Doppelnutzung, und das könnte so auch bei milchbetonten Rassen für mehr Zufriedenheit beim Kälberverkauf sorgen. Durch das neue Labor im nahen Bad Waldsee wird das Angebot an guten, gesext verfügbaren Stieren auf jeden Fall weiter zunehmen.