Schweinemarkt

Selbstbewusste Schweinehalter

Schweine im Maststall
Wolfgang Piller
Wolfgang Piller
am Dienstag, 14.09.2021 - 12:51

Die VEZG will eine Marktlösung mit Bekenntnis zur deutschen Landwirtschaft und fordert diese auch konsequent umzusetzen! Dabei wollen die Schweinefleischerzeuger nicht weniger als eine Zeitenwende am Schweinemarkt einläuten.

Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) ruft die deutsche Erzeugungskette für Schweinefleisch zu einer klaren Neupositionierung auf. Die rund 15000 in der VEZG organisierten Schweineerzeuger haben für ihren Marktaufruf die Mitgliederversammlung in Herrieden (Lks. Ansbach) genutzt. In einem Positionspapier hat man folgende Forderungen an die Politik, den Handel und alle weiteren Marktteilnehmer erarbeitet:

1. Die deutsche Fleischerzeugung hat ursächlich mit dem Beginn der Doppelkrise durch die Corona-Pandemie und die Afrikanische Schweinepest signifikant an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verloren. Die Preise für Ferkel und Schlachtschweine bewegen sich im globalen Vergleich auf dem niedrigsten Niveau der Nachkriegsgeschichte. Die ökonomische Schieflage beruht aber auch auf den überzogenen kostenintensiven Vorgaben der Politik, die die heimische Produktion derart verteuert, dass deutsche Erzeuger brutal aus dem Markt gedrängt werden. Die deutsche Gesetzgebung hat im Zuge der o. g. Krisen allen Kettenmitgliedern der Fleischerzeugungsstufe kostenträchtige Auflagen verordnet, die zahlreiche Existenzen vernichtet und massiv Produktionsanteile ins Ausland verlagert.

2. Wenn die Gesellschaft und die Politik einen Wandel in der Nutztierhaltung wünschen, darf sich das nicht nur einseitig auf die hiesigen Produzenten erstrecken. Der Lebensmittelhandel (LEH), der Großhandel, die Gastronomie einschließlich der Kantinen sowie die Verarbeitungsstufe müssen sich folgerichtig aus Gründen der Nachhaltigkeit klar und unmissverständlich zur deutschen Herkunft bekennen. Daher darf sich das vom LEH entwickelte System der Initiative Tierwohl (ITW) nicht nur auf den kleineren Frischfleischmarkt beschränken, welcher hierzulande einen Marktanteil von 20 bis 30 Prozent ausmacht, sondern muss auch die Verarbeitungsware, die größtenteils aus dem Ausland kommt, mit integrieren.

Billigeinfuhren aus Drittländern, die die Ziele der deutschen Tierschutzgesetzgebung unterlaufen, müssen komplett unterbunden werden. Branchenübergreifend muss daher ein Bekenntnis zu höheren Tierschutzstandards beispielsweise nach dem Vorbild Österreichs abgegeben werden. Hier ist das System der AgrarMarkt Austria (AMA) richtungsweisend.

3. In größter Notlage befindet sich aktuell die deutschen Ferkelerzeuger- und Zuchtstufe, dem Rückgrat der deutschen Schweineproduktion. Daher ist nach Auffassung der VEZG die Einführung einer 5*D-Erzeugungsstrategie zielführend. Die fünf Stufen der Geburt, Aufzucht, Mast, Schlachtung sowie Zerlegung und Verarbeitung müssen sich stufenübergreifend zu qualitätssichernden Garantieerklärungen bekennen. Eine Austauschbarkeit mit Waren, die nicht nach deutschen Standards produziert worden sind, muss im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung des LEHs und des Großhandels ausgeschlossen werden.

4. Am Ende des Prozesses muss es gelingen, dass mit einer in Deutschland verringerten Fleischerzeugung auf allen Stufen der Fleischerzeugungskette eine höhere Wertschöpfung erzielt wird. Der Wettbewerb alleine über Preisführerschaft und Mengenmaximierung wird nicht mehr als nachhaltig angesehen.

Die VEZG ist eine Vereinigung von Erzeugergemeinschaften, die mit ihren Mitgliedern rund 15.000 überwiegend bäuerliche Familienbetriebe vertritt. Aktuell werden in der Vermarktung rund 200.000 Schlachtrinder, 9,5 Mio. Ferkel und 14,4 Mio. Schlachtschweine gebündelt. Der Marktanteil am deutschen Schlachtschweinemarkt beträgt rund 27 Prozent.