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Stallklima

Schweinestall: Für kühles Klima sorgen

Planen-Photovoltaik-Sonnenschutz
Andrea Tölle
Andrea Tölle
am Mittwoch, 08.07.2020 - 08:59

Hitzestress schlägt den Schweinen auf den Magen und mindert ihre Leistung. Das beschränkt sich nicht nur auf die aktuelle Situation, sondern wirkt sich auch auf die Folgewürfe aus. Den Tieren Kühlung zu verschaffen ist unerlässlich.

Auf einen Blick

  • Laut der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung müssen Haltungseinrichtungen so beschaffen sein, dass eine geeignete Vorrichtung vorhanden ist, die eine Verminderung der Wärmebelastung der Schweine bei hohen Temperaturen ermöglicht.
  • Leiden Schweine unter Hitzestress sinken die Leistungen und zwar über die aktuelle Situation hinausgehend.
  • Wichtig ist darauf zu achten, dass die Lüftung richtig eingestellt ist.
  • Bauliche Maßnahmen zur Vermeidung von Wärmeeinträgen sind Beschattung, Photovoltaik, Dach- und Wandbegrünung, helle Dacheindeckungen, Dämmung von Dach und Decke, niedrige U-Werte der Wandflächen sowie eine Beschattung von Zulufteinlässen.
  • Außerdem sind Zuluftführung und Himmelsrichtung, also der Dachüberstand, die Fensterfläche, Rolläden, Milchglasscheiben oder Verdunklungsfolien von Bedeutung.

Vorgaben durch Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung

Planen-Kühlturm

Über Maßnahmen zur Reduzierung von Hitzestress in Sauen- und Mastställen sprach Wilfried Brede vom Serviceteam Alsfeld bei der MSD-Landwirte-Akademie, die noch vor der Corona-Pandemie in Landshut-Essenbach stattfand. Laut der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung müssen Haltungseinrichtungen so beschaffen sein, dass eine geeignete Vorrichtung vorhanden ist, die eine Verminderung der Wärmebelastung der Schweine bei hohen Stalllufttemperaturen ermöglicht. Zunächst sollten alle begleitenden Faktoren optimiert werden wie:

  • Wasserversorgung,
  • Wärmedämmung,
  • Beschattung des Stalles,
  • Kühlung des Daches (Wasserverbrauch),
  • Luft in der Sommerluftate aus dem Zentralgang entnehmen.

Leiden Schweine unter Hitzestress, fressen sie weniger. Aufzuchtferkel und Mastschweine haben geringere tägliche Zunahmen, die Erdrückungsverluste steigen, die Tiere haben reduzierte Absetzgewichte und eine reduzierte Ovulation, die Sauen rauschen öfter um und bringen kleine Würfe. Dabei beschränkt sich das Problem nicht nur auf die aktuelle Situation, sondern wirkt sich auch auf die Folgewürfe aus. Bei Ebern sinkt die Spermaqualität.

Verhaltensänderungen treten bereits recht früh auf

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Verhaltensänderungen treten bereits recht früh auf, schon ab 16 °C beginnen Schweine sich zu suhlen und reduzieren die Haufenbildung, ab 18 °C liegen mehr Tiere auf Spaltenboden, ab 19 °C beginnen sie auf planbefestigter Fläche zu koten, ab 20 °C nimmt die Wasserdampfproduktion zu, ab 22 °C steigt die Atemfrequenz und die Wasseraufnahme, ab 25 °C sinkt die Futteraufnahme. „Man soll bezüglich möglicher Maßnahmen zur Vermeidung von Hitzestress nicht nur an die Kosten denken, sondern daran, was es bringt, wie viel höher die täglichen Zunahmen sind und wie viel mehr Ferkel man bekommt“, betonte Brede.

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Wichtig ist, dass die Lüftung richtig eingestellt ist. Denn sonst kann es zu Folgen kommen, mit denen man gar nicht rechnet. Brede berichtete von einem Landwirt, der sich wegen einer massiven Schwanzbeißproblematik an das Serviceteam Alsfeld gewandt hatte. Im Laufe der Ursachenforschung stellte man fest, dass die Lüftung falsch eingestellt war und es tägliche Temperaturschwankungen um 10 °C von 25 °C auf 35 °C gab. Nach der Korrektur besserte sich die Situation deutlich.

Eine gute Dämmung ist die wichtigste Kühlung

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Bauliche Maßnahmen zur Vermeidung von Wärmeeinträgen sind Beschattung, Photovoltaik, Dach- und Wandbegrünung, helle Dacheindeckungen, Dämmung von Dach und Decke, niedrige U-Werte der Wandflächen sowie die Beschattung von Zulufteinlässen. „Eine gute Dämmung ist die wichtigste Kühlung, die ich bauen kann“, meinte Brede. Denn unter einem ungedämmten Dach kann es bis 70 ° C heiß werden. Brede empfiehlt statt Polyurethan Zellulose als Dämmstoff zu verwenden. Die Zellulose-Fasern werden aus Altpapier gewonnen und mit Brandschutz-Zusätzen wie Borsalz versehen. Das Borsalz verhindert zudem, dass sich Schadnager ansiedeln.

Außerdem sind Zuluftführung und Himmelsrichtung, also der Dachüberstand, die Fensterfläche, Rollläden, Milchglasscheiben oder Verdunklungsfolien von Bedeutung. „Wenn es irgendwie geht, sollte man beim Sauenstall auf die Ausrichtung achten, die Abferkelung im Norden und das Deckzentrum im Süden bauen“, ergänzte Brede. Für jeden Betrieb sollte individuell ein Kühlsystem geplant und kalkuliert werden.

Zum Kühlen Wasser in den Stall bringen

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Es gibt auch aktive Kühlsysteme zur Befeuchtung. Mit technischen Systemen, die Wasser in den Stall bringen, können beispielsweise zusätzliche Präparate in den Stall ausgebracht und Staub gebunden werden. Das ist vor allem wichtig für Leute, die den ganzen Tag im Stall arbeiten. Nieder- und Mitteldrucksysteme sind preiswert, haben einen vergleichsweise hohen Wasserverbrauch, bringen aber hohe Feuchtigkeit in den Stall, sodass die Tiere nass werden. Bei Hochdruck wird die Verdunstungskälte genutzt. Das System ist mit einem Klimacomputer vernetzt, hat hohe Anforderungen an die Wasserqualität und ist bis 80 % relative Außenluftfeuchte begrenzt. Es wird vor allem in Tschechien eingesetzt. Das Zerstäuben ist technisch ein einfaches System, hat hohe Ansprüche an die Wasserqualität, die aber geringer als bei HD-Verneblung sind. Es gibt vielmals keine Vernetzung mit dem Klimacomputer, sie ist nicht überall einsetzbar und bis 80 % relative Außenluftfeuchte begrenzt. Die Hochdruckkühlung funktioniert nur, wenn man eine öffentliche Wasserversorgung nutzt. Denn bei eigenem Brunnen enthält das Wasser oft zu viel Eisen und Mangan. Brede empfahl darauf achten, wie die Untersuchungen bei Analysen durchgeführt werden.

Schweinestall

Ein Kühlturm bietet eine gute Kühlmöglichkeit. Damit kann man die Temperatur um 10 °C kühlen. Sämtliche Luft, die in den Stall geht, muss durch die Porenziegel. Der Turm muss immer im Norden stehen. Ab 1500 Mastschweinen kann es sein, dass die Behörde verlangt, dass man das Wasser regelmäßig auf Legionellen untersuchen lässt. „Dieser VDI-Richtlinie entkommt man, wenn man das Wasser weglaufen lässt und keine Kreislaufwirtschaft hat“, erklärte der Experte.

Im Sommer kühl, im Winter warm

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Erdwärmetauscher sind technisch gesehen ziemlich aufwändig. Sie funktionieren gut, aber man sollte sie wegen der Rückverfestigung besser neben statt unter dem Stall bauen. Sie können nicht nur im Sommer kühlen sondern auch im Winter wärmen. Zudem haben sie einen sehr guten Wirkungsgrad. Man muss allerdings die Tiefe der Rohre beachten. Sie dienen der Zuluftanwärmung im Winter und sind in der Regel nicht nachrüstbar. Brede empfahl auf den den Energieaufwand zu achten. Kühlpads (Coolpads) sind ein einfaches System und auch einfach nachzurüsten. Fußbodenkühlungen sind wie Fußbodenheizungen. Hier bringt man Kälte bzw. Wärme direkt ans Tier.

Unterflurzuluft hat bei ausreichender Dimensionierung einen guten Wirkungsgrad aber hohe Investitionskosten. Sie ist nur bei Neubau oder umfassender Rekonstruktion möglich. Das Problem bei der Unterflurlüftung ist, dass oft zu viele Kompromisse bei der Planung gemacht und dann zu kleine Querschnitte eingeplant werden. Ein Grundwasser-Luft-Tauscher ist einfach nachzurüsten, bietet eventuell eine Heizmöglichkeit, hat aber einen sehr hohen Wasserbedarf. Eine Kühldecke ist einfach nachzurüsten und hat ebenfalls einen sehr hoher Wasserbedarf.