Tierseuche

Schweinepest: Weiße Zone in Brandenburg geplant

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 09.04.2021 - 08:39

Brandenburg will nun auf deutscher Seite eine Weiße Zone gegen die Afrikanische Schweinepest einrichten. Noch diskutiert man aber nur. Ostdeutsche Schweinehalter sind stinksauer.

Wildschweinzaun-Dänemark

Beim Besuch des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesagrarministerium, Uwe Feiler, hat Brandenburg angeregt, auf deutschem Boden eine Sicherheitszone als Alternative zu einer gemeinsamen Weißen Zone mit Polen zu errichten. Denn die Verhandlungen über die notwendige Zone zu Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zwischen Deutschland und Polen stocken seit Monaten. 

Anna Heyer-Stuffer, Leiterin des Krisenstabs zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP), ist klar, dass die Sorgen vor Ort groß sind. "Es ist wichtig, dass wir weiter im Dialog bleiben", so die brandenburgische Staatssekretärin.

Feiler: Rechtliche Fragen noch zu klären

Feiler betonte das Ziel, dass die Ausbrüche auf das jetzige Gebiet beschränkt bleibe und diese Tierseuche schnellstmöglich getilgt werde. "Nur gemeinsam können wir die Tierseuche bekämpfen. Wir unterstützen deshalb die betroffenen Bundesländer und stehen mit ihnen im ständigen Austausch, um sicher zu stellen, dass auftretende Probleme klar adressiert werden", versicherte der BMEL-Staatssekretär.

Laut Feiler müssen für die geplante "Weiße Zone" auf deutscher Seite noch offene fachliche und rechtliche Fragen geklärt und auch die Europäische Kommission eingebunden werden.

Brandenburg ist ASP Hot-Spot

Die Grenzländer, insbesondere Brandenburg, tragen die Hauptlast bei der Eindämmung der ASP in Deutschland und dem Ziel, die weitere Ausbreitung der Seuche nach Westen zu verhindern. Die Leiterin des Krisenstabs, Heyer-Stuffer, ist froh, dass die Bekämpfungsmaßnahmen fortschreiten. Das Errichten eines festen Zaunes entlang der brandenburgisch-polnischen Grenze sei fast abgeschlossen, über ein halbes Jahr nach dem ersten ASP-Fall in Brandenburg. Laut Heyer Stuffer ist das Seuchengeschehen stabil.

"Alle neuen Ausbrüche der vergangenen Wochen fanden innerhalb der Kerngebiete statt. Das gemeinsame Ziel bleibt, die Infektionsketten durch die getroffenen Maßnahmen zu unterbrechen", so die Krisenstableiterin. Brandenburg hat seit September 2020 inzwischen 846 betätigte ASP-Fälle. Die Zahl steigt wöchentlich an. Bundesweit sind es nun 944 Stück.

Ostdeutsche Schweinehalter kritisieren Maßnahmen

In einem Brandbrief an Bundeskanzlerin Angela Merkel beschweren sich fünf ostdeutsche Interessenverbände der Schweinehalter über die ASP-Bekämpfungsmaßnahmen, Die politischen Akteure in Brandenburg und Sachsen sind nach deren Ansicht bei der Bekämpfung der Tierseuche weitgehend erfolglos. Das bezeugen die neuen Kadaverfunde, die neuen Restriktionsgebiete sowie die nicht fertig werdenden Zäune. Von einer Seucheneradikation könne keine Rede sein, im Gegenteil: Die Katastrophe nehme unvermindert ihren Lauf.

"Weder wird die Ursache behoben noch werden die Auswirkungen angemessen beseitigt. Das Land Brandenburg unterbindet zum Entsetzen vieler Veterinäre und Tierseuchenexperten nicht einmal die für eine ASP-Virusübertragung auf Nutztierbestände gefahrvolle Freilandhaltung in den Restriktionsgebieten", werfen die Verbände den Verantworlichen vor.

 

Schleppender Zaunbau und fehlende Ausmerzung

Den schleppenden Zaunbau und die fehlende Eradikation (Ausmerzung der Wildschweine) mahnen die Schweinehalter nach eigenen Angaben seit Monaten an – vergeblich: Der Bund verweist an die Länder, die Länder verweisen an die Landkreise, die Kreisverwaltungen haben nicht die nötigen finanziellen Mittel, um mit professionellen Zaunbaufirmen schnell und gründlich Gebiete abzusperren. Bis heute sei kein schlüssiges Eradikationskonzept veröffentlicht worden, heißt es im Brandbrief an Merkel.

Deshalb hätten die Verbände ein solches entwickelt – allerdings seien sie damit bei den zuständigen Stellen auf taube Ohren gestoßen. Die Schweinehalter haben den Eindruck, die Seuche werde nicht grundlegend und mit der nötigen Durchsetzungskraft bekämpft, sondern in den Behörden nachlässig sowie rechts- und ermessensfehlerhaft verwaltet.