Tierseuche

Schweinepest: Tiergesundheits-Troika gestartet

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 11.11.2020 - 10:32

Polen, Tschechien und Deutschland wollen bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest noch enger zusammenarbeiten. Zeit wird es.

Wildschwein-tot-Brandenburg

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat ihren polnischen Amtskollegen, Grzegorz Puda, und ihren tschechischen Amtskollegen, Miroslav Toman, gestern zu einer Videokonferenz eingeladen, um das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) abzustimmen.

Die bisherigen Fälle von ASP bei Wildschweinen in Brandenburg sind auf Gebiete in unmittelbarer Grenznähe zu Polen beschränkt. Der Ausbruch in Sachsen ist von Tschechien nur gute 60 Kilometer entfernt.

Deshalb, so betonte Bundesministerin Klöckner, sei es so wichtig, die Situation gemeinsam im Auge zu behalten und grenzübergreifend die ASP zu bekämpfen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ist bereits seit Dezember 2019 mit dem polnischen Landwirtschaftsministerium in ständigem Austausch zum Thema ASP. Bilaterale Beratungen auf Fachebene, insbesondere der Chefveterinäre, zur Abstimmung von Präventionsmaßnahmen gegen die ASP im deutsch-polnischen Grenzgebiet finden regelmäßig statt.
 

Gemeinsam jagen und Kadaver suchen

Laut Klöckner erklärte, gehe es jetzt darum, mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung zu verhindern, dass sich die ASP weiter ausbreitet. Dafür seien vielfältige und abgestimmte Maßnahmen nötig. Die Länder haben gegenseitige Unterstützung vereinbart –  sowohl materiell als auch durch fachliche Expertise. Bei der Bekämpfung der ASP sind Deutschland, Polen und Tschechien aufeinander angewiesen. "Auch wenn sich die Situation in jedem Land etwas anders darstellt, profitieren alle von einer engen Abstimmung,“ so Klöckner.

Einig war man sich, dass die Koordinierung und ein regelmäßiger Austausch aller drei Länder wichtig und notwendig seien. So wurde vereinbart, dieses trilaterale Format fortzusetzen und als „Tiergesundheits-Troika“ zu verstetigen – sowohl auf Ebene der Landwirtschaftsminister, als auch auf Ebene der Chef-Veterinäre von Deutschland Polen und Tschechien.

Darüber hinaus soll durch bessere Abstimmung der Maßnahmen verhindert werden, dass sich die ASP weiterverbreitet. Dabei könnte eine verstärke Kadaversuche helfen, aber auch abgestimmte Bejagung in den Grenzgebieten, damit keine Tiere aufgescheucht und die Seuche so – auch über Grenzen – verschleppt wird. 

Bereits im Dezember wollen sich die drei Minister wieder über ASP austauschen. Ein Treffen soll beim Agrarrat im Dezember in Brüssel stattfinden.

Abschusserleichterung für Weiße Zone

Damit die zuständigen Behörden vor Ort rechtssicher anordnen können, den Wildschweinbestand in der „weißen Zone“ entsprechend zu reduzieren, hat Bundesagrarministerin Julia Klöckner mit einer Änderung der Schweinepest-Verordnung kurzfristig die hierfür erforderliche Ermächtigung geschaffen. Wegen Gefahr in Verzug wurde sie als Dringlichkeitsverordnung erlassen, die am gestrigen 9. November im Bundesanzeiger verkündet wurde. Damit ist sei gestern, 10. November, in Kraft. 

Brandenburg kann somit wie geplant ab Mitte November mit den Maßnahmen zur Bestandsreduzierung der Wildschweinepopulation in der „weißen Zone“ beginnen. Auch aus Sicht des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist das eine wirksame und sinnvolle Maßnahme, um eine Verschleppung der ASP zu verhindern.

Weiße Zone ist noch im Aufbau

Nach dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen in Brandenburg kommt das Bundesland der Empfehlung des EU Veterinärnotfallteams (EU Veterinary Emergency Team EUVET) nach, eine so genannte „weiße Zone“ einzurichten.

Die „weiße Zone“ wird derzeit um das Kerngebiet des Ausbruchsgeschehens eingerichtet, teilt das Bundesagrarministerium mit. Konkret handelt es sich um einen etwa fünf Kilometer breiten Streifen, der das Kerngebiet wie einen Halbkreis bis an die Grenze zu Polen umschließt. Sie soll mit zwei festen Drahtzaun-Reihen – einem äußeren und einem inneren Zaun – gesichert werden.

Der Bau der äußeren Zaunreihe hat bereits begonnen. Sobald beide Zaunreihen fertiggestellt sind, soll der Wildschweinbestand im Zwischenraum, also der „weißen Zone“, möglichst vollständig erlegt werden. Ziel ist ein wildschweinfreies Gebiet, um so das Risiko einer möglichen Weiterverbreitung des ASP-Virus in bisher ASP-freie Gebiete zu minimieren.