Vorsorge

Schweinepest: Stallhygiene sichern

Schweinehaltung
Frank Dautzenberg, TGD Bayern
am Montag, 09.12.2019 - 16:33

Versicherungen zahlen nur, wenn die entsprechenden Maßnahmen eingehalten wurden.

Auf einen Blick

  • Auf Biosicherheitsmaßnahmen im eigenen Betrieb sollte man höchste Aufmerksamkeit richten, um die Hausschweinebestände im Fall eines ASP-Ausbruchs bei Wildschweinen frei von der Seuche zu halten.
  • Der Erregereintrag durch belebte und unbelebte Vektoren muss vermieden werden.
  • Bei getrennten Ställen sollten für jeden Bereich eigene Arbeitsgeräte zur Verfügung stehen.
  • Der Hof muss sauber und ordentlich sein, um Wildtieren keinen Unterschlupf zu bieten.

Schwarz-Weiß-Prinzip

Bei Nichteinhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen nach der Schweinehaltungshygieneverordnung (SchHaltHygV), die von den einzelnen Versicherern nach Schadensersatzforderung geprüft werden, kann es zu starken Abzügen in der Versicherungsleistung kommen.

Gerade weil man in Deutschland, als großes Transitland in Europa, den Befall von ASP in der Wildschweinpopulation nicht gänzlich verhindern können wird, ist es wichtig, höchste Aufmerksamkeit auf die Biosicherheit im eigenen Betrieb zu richten, um die Hausschweinbestände frei von der Seuche zu halten. Im Vordergrund steht zunächst die äußere Biosicherheit, um die Einschleppung des Erregers in den Bestand zu unterbinden. Im weiteren Verlauf folgt die innere Biosicherheit, bei der die Übertragung von Erregern innerhalb des Bestandes verhindert und der Keimdruck in der Umgebung der Tiere gesenkt wird.

Als erstes sollte die Anwendung des sogenannten Schwarz-Weiß-Prinzips und damit die Trennung von „reiner und unreiner Seite“ im Betrieb erfolgen. Beim Zukauf von Tieren sollte der Gesundheitszustand des Lieferbetriebes bekannt sein oder es sollten Tiere aus Betrieben bezogen werden, die an einem Gesundheitskontrollprogramm teilnehmen.

Ferner sollten zugekaufte Tiere nach Möglichkeit über einen Quarantänestall eingegliedert werden. Das Mindeste ist jedoch, dass man kranke und verdächtige Tiere sofort behandelt und in einem Krankenstall absondert. Danach gilt es, den Eintrag von Erregern durch belebte Vektoren (Stallpersonal, Besucher, Schadnager, Vögel, Fliegen) und unbelebte Vektoren (Fahrzeuge, Gerätschaften, Spritzen, etc.) zu vermeiden.

Biosicherheit beginnt beim Betriebsleiter

Zu betonen ist hierbei, dass die Biosicherheit beim Betriebsleiter beginnt und nicht erst beim Besucher. Wichtig hierfür ist eine Hygieneschleuse bzw. ein Umkleideraum für Stallpersonal, Tierarzt, Ringberater, Handwerker etc., mit der Möglichkeit zum „Einduschen“ und dem Anlegen betriebseigener Kleidung.

Des Weiteren sollte der Betrieb über eine gesicherte Verladerampe verfügen und eine Anlieferung von Betriebsmitteln (z. B. KB-Sperma) über eine geregelte Wegführung außerhalb des Betriebsbereiches erfolgen. Kadaver sollten ebenfalls außerhalb des Betriebes in einem leicht zu reinigenden und leicht zu desinfizierenden und verschließbaren Behälter gelagert werden, der auf einer circa viermal so großen befestigten Fläche aufgestellt ist. Mist- und Güllelager sollten sich möglichst ebenfalls außerhalb des Betriebes befinden. Sämtliche Flächen sollten befestigt sein, um diese leicht reinigen und desinfizieren zu können. Hierbei ist zu beachten, dass Waschflüssigkeiten kontrolliert entsorgt werden können.

Es sollte eine planmäßige Schadnager- und Fliegenbekämpfung durchgeführt werden. Stalltüren sollten geschlossen gehalten und Fensteröffnungen gegen das Eindringen von Wildvögeln gesichert werden.  Bei getrennten Stallkomplexen in der Tierhaltung sollten für jeden Bereich eigene Arbeitsgeräte zur Verfügung stehen. Weiterhin ist auch die Hygiene bei zootechnischen Maßnahmen (Kastration, Schwanzkupieren) und Behandlungen (Impfungen) wichtig. Zudem ist dafür Sorge zu tragen, dass keine Speisereste an Schweine verfüttert werden.

Das Betriebsgelände sollte sauber und ordentlich gehalten werden, um Wildtieren keine Attraktionen oder Unterschlupfmöglichkeiten zu bieten. Gegebenenfalls muss das Betriebsgelände durch eine Umzäunung vor Wildtieren geschützt werden. Dies gilt auch für die Absicherung von Tierausläufen. Futtermittel sollten bezüglich Hygiene und Wildtieren ebenfalls sicher und geschützt gelagert werden.

Rinder und Schweine strikt trennen

Bei Tiertransporten ist besonders darauf zu achten, dass die Transporteure keinen Zutritt zu den Stallungen haben und bei ihrer Tätigkeit im Bereich der Verladerampe betriebseigene Kleidung tragen. Betriebe, die neben Schweinen auch Rinder halten, müssen diese beiden Wirtschaftszweige strikt voneinander trennen. Auch wenn das ASP-Virus für Rinder nicht gefährlich ist, könnte doch der Erreger verschleppt werden bzw. andere für das Rind schädliche Erreger eingetragen werden und umgekehrt. Dies sind einige wichtige Punkte von Biosicherheitsmaßnahmen nach Schweinehaltungshygieneverordnung. Auch wenn sich keine 100-prozentige Sicherheit schaffen lässt, sollte man stets bemüht sein, sich diesem Wert zu nähern.

Wer sich nicht im Klaren über den Status der Biosicherheit auf seinem Betrieb ist, kann und sollte sich an seinen Hoftierarzt oder an einen unabhängigen Berater des Tiergesundheitsdienstes wenden, um seinen Betrieb prüfen und sich beraten zu lassen. Bei solch einer Beratung eignet sich auch die gemeinsame Beurteilung des Betriebes durch die von der Universität Vechta entwickelte „Risikoampel“ zur ASP. Oberstes Ziel sollte sein, unsere Hausschweinbestände frei von Seuchen wie der ASP zu halten.