Tierseuche

Schweinepest: Klöckner mahnt fehlende Kontrollen der Länder an

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 20.07.2021 - 11:46

Bundesagrarministerin fordert Brandenburg zu stärkeren Kontrollen der Aufstallungspflicht auf. Unterstützung kommt vom Berufsstand.

Freilandschwein

Weil inzwischen die Afrikanischen Schweinepest (ASP) in den Hausschweinbestand von drei Betrieben in Brandenburg eingeschleppt wurde, erwartet die Bundesagrarministerin Julia Klöckner, dass die betroffenen Bundesländer die Hausschweinbestände konsequent schützen.

Es müsse sichergestellt sein, dass die angeordnete Aufstallung umgesetzt und zum Beispiel von Brandenburg, wo das Virus in den Hausschweinbestand eingedrungen ist, wirksam kontrolliert werde. Nur so könnten Betriebe mit Freilandhaltung oder Auslaufhaltung bestmöglich nach außen abgeschottet werden, sodass eine Übertragung von ASP über Kontakt zu Wildschweinen, durch den Eintrag durch Vögel oder durch von anderen Tieren eingeschleppte, kontaminierte Kadaverteile oder Lebensmittel ausgeschlossen werden kann.

Klöckner: Kleisntbetriebe stärker kontrollieren

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte dazu bei dem nationalen Referenzlabor für Tierseuchen, dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), eine fachliche Einschätzung beauftragt. Das klare Ergebnis: Für Schweine in Auslauf- und Freilandhaltung, die in Restriktionsgebieten liegen, wird eine Aufstallung empfohlen.

Laut Klöckner ist die Empfehlung des nationalen Referenzlabors eindeutig. Die Bundesländer müssten alles dafür tun, ihre Hausschweinbestände zu schützen. Dazu gehört nach Klöckners Auffassung, dass die zuständigen Behörden in den Bundesländern die Aufstallung in den betroffenen Gebieten nicht nur anordnen, sondern auch kontrollieren – nicht nur bei Freilandhaltung, sondern auch bei Auslaufhaltungen. "Darauf habe ich die Länder früh und wiederholt aufmerksam gemacht,“ weist die CDU-Ministerin jede Schuld für die Einschleppung in Hausschweinebestand von sich.

Daneben sei die Biosicherheit von Schweinebetrieben entscheidend dafür, dass der ASP-Erreger nicht indirekt in Schweinebestände gelange. Gerade bei Kleinstbetrieben ist die Gefahr von Mängeln groß. Auch hier fordert Bundesminister Klöckner die Länder auf, die Biosicherheitsmaßnahmen verstärkt zu kontrollieren.

 

Verband verlangt effektivere Maßnahmen

Auch der Berufsstand ist  unzufrieden mit der ASP-Bekämpung in den ostdeutschen Bundesländern. Nach dem Auftreten eines dritten Falles der Afrikanischen Schweinepest bei Hausschweinen am vergangenen Samstag erneuert Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des DBV-Fachausschusses Schweinefleisch und Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes seine Forderung nach einer verstärkten Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest in Brandenburg und Sachsen.

„Angesichts der sich stetig weiter ausbreitenden Tierseuche müssen die bisherigen Krisenstrukturen und die dort getroffenen Entscheidungen offensichtlich deutlich verbessert werden. Die Entwicklung zeigt, dass wir wirkungsvollere Maßnahmen in den betroffenen Bundesländern benötigen, um die Seuche zu stoppen und zurückzudrängen,“ macht Beringmeier deutlich. Gefragt seien eine höhere Schnelligkeit, eine bessere Einheitlichkeit und eine stärkere Konsequenz in der Bekämpfung.

Beringmeier fordert zweiten Schutzzaun, und zwar schnell

Wichtigste Elemente seien eine koordinierte und konsequente Entnahme von Wildschweinen entlang der polnischen Grenze und der unverzügliche Aufbau eines zweiten Schutzzaunes. Angesichts des enormen, dauerhaft zu erwartenden Seuchendrucks von polnischer Seite sollte allen Verantwortlichen in den betroffenen Bundesländern klar sein, dass die getroffenen Bekämpfungsmaßnahmen über Jahre hinweg mit entsprechendem personellen und finanziellen Umfang sowie Ausdauer installiert werden müssen.

Alle Schweinehalter seien darüber hinaus angehalten, ihre Biosicherheitsmaßnahmen regelmäßig zu überprüfen. Tierhaltungen von Kleinsttierhaltern müssten gegebenenfalls gegen Entschädigung beendet werden. Ferner sei es dringend erforderlich, angemessene Vermarktungsmöglichkeiten für Schweinehalter in den Restriktionszonen zu finden oder adäquate Entschädigungsregelungen vorzusehen, so Beringmeier.