Tierseuche

Schweinepest: Deutschland pocht auf dritten Zaun

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 23.09.2021 - 13:51

Deutschland will einen dritten Zaun gegen die Afrikanische Schweinepest. Doch Polen stellt sich weiter quer.

Wildschwein-Zaun-Dänemark

Wie das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) mitteilt, habe die EU-Kommission das deutsche Schutzkonzept gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) begrüßt. BMEL-Staatssekretärin Beate Kasch hat diese Woche über das Konzept und weitere Vorgehen die stellvertretende Generaldirektorin Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Claire Bury und ihre polnischen sowie ihre tschechischen Amtskollegen informiert.

Ziel dieses Konzeptes ist die Unterbrechung der Infektionsausbreitung nach Westen. Im Sinne einer „weißen Zone“ soll der Korridor von zwei festen Zäunen begrenzt und darin die Wildschweinpopulation gegen Null reduziert werden. Dazu sind abgestufte Maßnahmen, wie die regelmäßige Fallwildsuche, verstärkte Bejagung mit Untersuchung und Entfernung der Kadaver vorgesehen. Die EU-Kommission hat das Konzept begrüßt.

Seit September 2020 wurden in Deutschland 2199 ASP-Fälle bestätigt, davon 1715 Fälle in Brandenburg und 484 Fälle in Sachsen.

Dritter Zaun auf polnischer Seite gefordert

Gleichzeitig ist der Infektionsdruck aus Polen weiterhin hoch. Beate Kasch machte in dem Gespräch daher nochmals deutlich, wie wichtig ein gemeinsames Vorgehen Deutschlands und Polens beim Bau von Wildschweinbarrieren im Grenzgebiet sei. Neben dem ASP-Schutzkorridor in Deutschland sei ein weiterer Korridor mit drittem Zaun auf polnischer Seite eine sinnvolle Ergänzung. Sie forderte ihren polnischen Amtskollegen auf, dies voranzubringen.

Leider sei die polnische Seite weiterhin nicht bereit, sich hier zu bewegen, so Kasch.  „Und das, obwohl Deutschland personelle, organisatorische und finanzielle Unterstützung zugesagt hatte. Wir werden hier weiter Gespräche führen und Überzeugungsarbeit leisten“, versicherte die Staatssekretärin. Die Bundesregierung engagiere sich deshalb massiv, damit die ASP in Deutschland getilgt werde und unterstütze die zuständigen Bundesländer mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln,“ so Kasch.

Brüssel soll auch Zaununterhalt unterstützen

Das BMEL hat bei der EU-Kommission bereits erfolgreich auf eine Mitfinanzierung erforderlicher Zaunbaumaßnahmen hingewirkt: Allein für Brandenburg und Sachsen betrug das mögliche Erstattungsvolumen über neun Millionen Euro. Bisher werden allerdings nur Kosten erstattet, die bei der unmittelbaren Tierseuchenbekämpfung entstehen. Deutschland hat deshalb die EU-Kommission gebeten, auch für den präventiven Zaunbau und den Unterhalt eine Finanzhilfe zu gewähren.

Auf Initiative von Bundesministerin Julia Klöckner wurde bereits im November des vergangenen Jahres dieses trilaterale Format – die sogenannte Tiergesundheits-Troika – etabliert. Denn das ASP-Geschehen in Brandenburg beschränkt sich auf Gebiete, die in Grenznähe zu Polen liegen. Die Ausbrüche in Sachsen sind teilweise nur etwa 40 Kilometer von Tschechien entfernt. Zudem hat die Sequenzierung des Virus-Typs durch das Friedrich-Loeffler-Institut ergeben, dass die Ausbrüche in Deutschland und Polen zusammenhängen, da es Wanderbewegungen von Wildschweinen zwischen Deutschland und Polen gibt.