Stallgestaltung

Schweinehaltung: Strukturen im Stall schaffen

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Barbara Keßler, LSZ Boxberg
am Montag, 29.11.2021 - 16:58

Mehr Struktur in Buchten zur Ferkelaufzucht und Schweinemast – das ist nicht immer einfach umzusetzen. Experten der baden-württembergischen Landesanstalt für Schweinezucht haben Erfahrungen gesammelt.

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Struktur in Buchten zu schaffen, ist das eine, das andere ist, dass die Tiere die Struktur auch annehmen. Damit die Strukturierung in den Buchten für die Ferkelaufzucht und Mast von den Tieren „gelebt“ wird, müssen sie die einzelnen Funktionsbereiche – liegen, fressen, trinken, koten, bewegen – klar erkennen und voneinander trennen können. Für all das spielen Gruppen- bzw. Buchtengröße, Positionierung und Gestaltung der einzelnen Elemente sowie Umweltfaktoren wie Temperatur und Licht eine große Rolle.

Bei Neubauten können diese Anforderungen gezielt berücksichtigt werden. Ebenso lassen sich Funktionsbereiche in Großbuchten räumlich sowie optisch deutlich voneinander abgrenzen. Doch wie kann eine gute Strukturierung auch in konventionellen, zwangsbelüfteten Ställen mit kleinen und mittelgroßen Gruppen funktionieren? Die Landesanstalt für Schweinezucht (LSZ) im baden-württembergischen Boxberg (Main-Tauber-Kreis) hat mit folgenden Ansätzen gute Erfahrungen gemacht.

Strukturen in den Schweinebuchten schaffen

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  1. Format: Damit Funktionsbereiche angenommen werden, empfehlen sich kurze Wege. Rechteckige Buchten mit einer langen und einer kurzen Seite sind quadratischen Buchten vorzuziehen. Als Orientierungswert gilt 1:2, besser noch 1:3. Aufzuchtferkel und Mastläufer verändern schnell Körpergröße, Gewicht und Bedürfnisse. Das muss bei der Gestaltung der Buchten beachtet werden. Um den Kot-/Aktivitäts-/Fressbereich und die Wasserstellen erreichen zu können, sollte der Liegebereich nicht durchquert werden müssen.
  2. Platzierung Futterstelle: Die Futterstelle sollte sich je nach Platzverhältnissen und Futtertrog gegenüber des Liegebereichs oder mittig der Bucht befinden. Für die Sauberkeit sind unnötige Ecken, etwa durch Trennwände, in kleineren Gruppengrößen (bis ca. 40 Tieren) nach Möglichkeit zu vermeiden. In größeren Gruppen bieten sie jedoch einzelnen Tieren Schutz und Rückzugsmöglichkeiten.
  3. Liegebereich:Der Liegebereich ist so zu gestalten, dass alle Tiere gleichzeitig und ungestört liegen können. Dafür sollten für Aufzuchtferkel 0,2 m² und für Mastschweine 0,6 m² eingeplant werden. In der Aufzucht tragen beheizbare Abdeckungen, bzw. eine beheizbare Fläche unter einer Abdeckung zur Strukturierung bei. Als Erfahrungswerte für das Platzangebot unter der Abdeckung gelten 0,13 m²/Aufzuchtferkel, 1 m tief und 0,7 m hoch.
    Grundsätzlich sollten Abdeckungen einseitig, an der langen Buchtenseite wandständig angebracht werden. Lamellen, die nicht auf den Boden reichen, halten einerseits die Temperaturen unter der Abdeckung, sorgen aber dennoch für genügend Luftaustausch. Zudem sollten die Abdeckungen klappbar sein für eine einfache Tierkontrolle und Reinigung.
  4. Temperaturkontrolle:Eine regelmäßige Kontrolle der Temperaturen und des Liegeverhaltens ist unabdingbar, um zu hohe Temperaturen und demnach die Gefahr der Verschmutzung zu vermeiden. Die Zieltemperatur im Mikroklimabereich liegt je nach Aufzuchtwoche bei 27 bis 22 °C. Die Vorlauftemperaturen müssen täglich kontrolliert und bei Bedarf angepasst werden. Auf eine weitere Heizung im Abteil kann auch im Winter verzichtet werden.
    In der Schweinemast kann ebenso eine Fußbodenheizung im Liegebereich eingesetzt werden. Eine zusätzliche Abdeckung ist dann jedoch nicht nötig. Eine andere Möglichkeit für Mastschweine ist eine nicht beheizbare Abdeckung. Auch unter ihr sollte genügend Platz zur Verfügung stehen (mindestens 0,2 m²/Tier). Bei beiden Varianten kann die Solltemperatur um 3 bis 5 °C im Abteil abgesenkt werden. Gekühlte Flächen beeinflussen das Liegeverhalten und tragen zudem zum Tierwohl bei. In der Mast reichen im Sommer Vorlauftemperaturen in einer Fußbodenkühlung von 18 bis 20 °C bereits aus, um überschüssige Wärme der Schweine beim Liegen aufzunehmen und abzutransportieren und damit die Akzeptanz des Liegebereichs zu erhöhen.
  5. Kotbereich: Der Kotbereich sollte ausreichend breit sein (Aufzucht mindestens 1 m, Mast min. 1,5 m) und sich über die gesamte Tiefe der Bucht erstrecken. Bei schmaleren Kotbereichen kann Kot von den Tieren mit in den Liegebereich getragen werden. Weiterhin kann der Kotbereich optisch durch ein anderes Material abgegrenzt werden. Dreikantroste mit ausreichender Auftrittsbreite und rutschfester Oberfläche (wellenförmig) bieten den Schweinen einen trittsicheren Untergrund. Aufgrund des erhöhten Schlitzanteils wird der Kot gut durchgetreten.
    Ein Sicht- oder Kontaktgitter im Kotbereich zur Nachbarbucht fördert das Abkoten hier zusätzlich. Eine Mikrosuhle oder Schweinedusche bringt Abkühlung, befeuchtet gleichzeitig den Kotbereich und grenzt ihn ab vom trockenen Liegebereich. Bereiche an den Stallaußenwänden werden vermutlich aufgrund des Temperaturunterschieds häufiger zum Koten angenommen. Daher sollte dort kein Liege- oder Fressbereich sein.
  6. Füttern und Tränken:Die Platzierung des Troges hängt von der Futterdarreichungsform und der Bodengestaltung ab. Trockenfutterautomaten können mittig in der Bucht, auch auf einer Festfläche, integriert werden. Brei- oder Nassfütterungen brauchen Flächen, auf denen Flüssigkeit ablaufen kann. Der Kontakt zum Wasser während des Fressens animiert die Schweine zum Urinieren. Bei heißen Temperaturen versuchen sich die Tiere mit Wasser oder auch mit nassem Futter abzukühlen. Bewährt hat sich hier eine seitliche Platzierung des Futtertroges. Dies öffnet jedoch den Liegebereich zu einer großen, offenen Fläche, die den Ferkeln die Annahme dieses Bereiches zum Ruhen erschwert. Hier empfiehlt sich zusätzlich, den Ferkeln nach dem Einstallen eine Abdeckung und damit eine Rückzugsmöglichkeit anzubieten.
    Ausreichend Wasserstellen, mehr als gesetzlich vorgeschrieben, werden gerne angenommen. Diese müssen so angeordnet werden, dass sie nicht verschmutzen und für alle Schweine zu jeder Zeit gut zu erreichen sind. Tränkeinseln mit Beckentränken, vorzugsweise links und rechts an der Grenze zur Liegefläche, haben sich bewährt. Wandständige Beckentränken im Kotbereich werden zu oft verschmutzt. Zusätzlich können dort Beißnippel angeboten werden. Tränken mit offener Wasserfläche führen zu einer höheren Wasseraufnahme. Hier muss stets auf Sauberkeit und Hygiene geachtet werden.
  7. Aktivität: Der Ort des Beschäftigens bzw. der Aktivität muss gut ausgewählt werden. Hier empfehlen sich Bereiche, die als Laufwege dienen. Zum Wühlen eignen sich Wühltürme mit organischem Beschäftigungsmaterial. Die Schweine müssen sich frisches Material „erarbeiten“. Von der Decke herunterhängende Seile, Weichhölzer und Heukörbe sind von mehreren Tieren gleichzeitig gut erreichbar. Eine Platzierung im Kotbereich verringert die Akzeptanz des angebotenen Beschäftigungsmaterials. Beschäftigungsautomaten sollten niemals in Buchtenabtrennungen stehen, da dort das Verschmutzungsrisiko wegen dem Revierverhalten zu groß ist.
  8. Boden:Je nach Funktionsbereich können unterschiedliche Bodenelemente genutzt werden. Dies erleichtert den Tieren die Unterscheidung der Bereiche. Auf alle Fälle müssen die Materialen rutschfest und trittsicher sein, dürfen nicht zu Gelenks- oder Klauenverletzungen führen und sollten je nach Bereich unterschiedliche Perforationsgrade aufweisen. Bei Untersuchungen der LSZ Boxberg haben sich beheizbare/kühlbare Betonelemente als planbefestigter Boden im Liegebereich bewährt. Hier kann nach Bedarf auch Minimaleinstreu eingesetzt werden.
  9. Licht zur Steuerung:Schweine orientieren sich an unterschiedlichen Lichtverhältnissen. So bevorzugen sie als Kotplatz hellere Bereiche, zum Ruhen und Schlafen dunklere Zonen. Durch das Anbringen von Lichtspots kann die Annahme des Kotbereiches unterstützt werden. Zur Vermeidung von punktueller Hitze sollte zwingend eine direkte Sonneneinstrahlung im Abteil vermieden werden. Fenster können durch Jalousien oder eine Bepflanzung beschattet werden.