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Angepasste Fütterung

Schweinefütterung: Klimaschutz mit Nebenprodukten

Mischfutter
Helga Gebendorfer
am Donnerstag, 05.05.2022 - 14:38

Mehrphasige und N- sowie P-reduzierte Fütterung haben in der Schweinefütterung zu deutlich geringeren Ausscheidungen geführt.

In den letzten 20 Jahren wurden in der Schweinefütterung erhebliche Fortschritte bei der Einsparung von Proteinträgern wie Soja erreicht und die Nährstoffausscheidung reduziert. Darauf wies Georg Riewenherm von der Deutschen Tiernahrung Cremer GmbH & Co. KG Düsseldorf bei der BAT-Tagung hin.

Dabei spielte die Umstellung auf mehrphasige Fütterungssysteme und die sehr stark N- und P-reduzierte Fütterung ebenso eine Rolle wie die Züchtung, der Einsatz weiterer, freier Aminosäuren, die Veredelung von Rohstoffen und den Zusatz von Enzymen wie z. B. Phytase und NSP-Enzymen, etc.

Nebenprodukte mit besserer CO2-Bilanz

Laut Riewenherm sind Nebenprodukte im Hinblick auf die CO2-Bilanz besser, was teilweise im geringen CO2-„Rucksack“ durch die Allokation (Zuweisung von Ressourcen) der CO2-Fracht begründet liegt. Der Einsatz von Nebenprodukten ist allerdings durch die Begrenzung der Phosphorgehalte in der Gesamtmischung begrenzt. Um abzuschätzen, welche Reserven im Bereich der Schweinefütterung zur Senkung des CO2-Footprints durch die Komponentenwahl noch angegangen werden können, ist laut Riewenherm eine einheitliche Datenbasis essenziell.

Hierfür steht die Datenbasis des GFLI (Global Feed Life Cycle Analysis Institute) zur Verfügung, das öffentlich zur Verfügung stehende Lebenszyklusanalysen von Futtermitteln für die Tierernährung entwickelt. Beteiligt sind Verbände aus der ganzen Welt. „Damit steht eine internationale Datenbasis zur Verfügung, die einen Vergleich der Futtermittel erlaubt und verlässlich den Unterschied zwischen Fütterungssystemen darstellbar macht.

Trockene Nebenprodukte senken den CO2-Foodprint

„Beim Einsatz von Nebenprodukten muss nochmal differenziert werden, da hier der Produktionsprozess entscheidend ist“, gab der Unternehmensvertreter zu bedenken. Fallen beispielsweise die Nebenprodukte in der Produktion „trocken“ an und müssen nicht energieintensiv getrocknet werden, so sind diese Produkte in der Mischfutterindustrie sehr gut geeignet, um einerseits die Kreislaufwirtschaft sicherzustellen, aber andererseits auch, um den CO2-Footprint zu senken. Dies trifft z. B. auf Kleien zu.

Entsteht das Nebenprodukt flüssig und es kann nicht mit Abwärme aus dem Prozess oder einer Biogasanlage getrocknet werden, ist eine Verwertung in einer Flüssigfütterung direkt im Landwirtschaftlichen Betrieb ohne Trocknung oft ökologisch sinnvoller, z. B. bei Kartoffeldampfschalen.

Nebenprodukte nicht ungenutzt wegwerfen

„Zu berücksichtigen ist bei den Nebenprodukten aus der Lebensmittelproduktion auch, dass das Ausgangsprodukt angebaut wird, um Nahrungsmittel für die Humanernährung zu produzieren“, fügte Riewenherm hinzu.

So ist beispielsweise bei Kleie das Weizenmehl das gewünschte Produkt, die Kleie fällt zwangsläufig an und damit ist der Aufwand für die Düngung etc. schon entstanden. „Das Nebenprodukt sollte daher nicht einfach ungenutzt weggeworfen werden“, meinte er. Bei der Aufteilung des CO2-Footprints wird dies durch die Allokation berücksichtigt. Die CO2-Fracht wird z. B. nach dem Verkaufserlös auf das Brotmehl und die Kleie aufgeteilt. Durch die Allokation stehen für die Fütterung Nebenprodukte mit einem geringen CO2-Footprint zur Verfügung.

Pelletierung rechnet sich

Den Vergleich von pelletiertem Futter mit Mehlfutter führte der Referent als anderes Beispiel an. Der Energieaufwand für die Pelletierung von Futtermitteln rechnet sich durch die bessere Futterverwertung nicht nur finanziell, sondern auch in der Umweltbilanz, da die Futterverwertung durch die Aufschlusseffekte deutlich verbessert wird. „Es ist in diesem Fall also sinnvoll, Energie aufzuwenden und damit den Footprint vom Futter zu verschlechtern. In der Gesamtbilanz wird letztendlich ein geringer Footprint erreicht“, führte er vor Augen. Sinn macht für ihn auch der Einsatz von Leguminosen, denn sie haben künftig das Potenzial, den CO2-Footprint weiter zu senken.

Um jedoch im Bereich der Schweinefleischproduktion Klimaneutralität zu erreichen, muss die unvermeidlich in der Produktion entstehende CO2-Fracht in der Bilanz durch Maßnahmen im Ackerbau oder die eigene Nutzung von Energie aus erneuerbaren Energiequellen, wie Biogas oder Photovoltaik, kompensiert werden.