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Einsparpotenziale

Schweinefütterung: Futterverluste reduzieren

BLW_Mastschweine-Kurztrog
Prof. Stephan Schneider, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Dr. Wolfgang Preißinger, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
am Mittwoch, 02.03.2022 - 11:52

Futterverluste sind ein unterschätzter Faktor. In der Praxis gelten sie oft als unvermeidbar, doch viele Betriebe haben noch Einsparpotenzial. Diese Möglichkeiten gibt es, um sie zu kontrollieren und zu verringern.

Die Futterkosten beeinflussen maßgeblich die variablen Kosten in der Ferkelerzeugung und Schweinemast. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre betrug ihr Anteil an den gesamten variablen Kosten ca. 58 % in der Ferkelerzeugung (Aufzucht bis 30 kg Lebendmasse) und 40 % in der Mast. Die Düngegesetzgebung rückt die Fütterung weiter in den Fokus. Der Futterzukauf macht bei schweinehaltenden Betrieben den Großteil des Nährstoff-Inputs aus – neben dem Zukauf von Tieren, Dünger und Saatgut sowie der Stickstoffbindung durch Leguminosen. In einem mehrjährigen LfL-Projekt lag der Anteil des N-Inputs über Futter am Gesamt-N-Input bei durchschnittlich 57 %.

Futteraufwand bestimmen

BLW_4-Edelstahlplatte-Abrufstation

Da die Futteraufnahme in der Praxis und im praktischen Versuchsbetrieb nicht gemessen wird, erfasst man in der Regel den Futterverbrauch als Summe von Futteraufnahme und -verlusten. In diesem Zusammenhang sollte vom Futteraufwand (Futter-Input pro kg Zuwachs) und nicht von Futterverwertung gesprochen werden. Das KTBL (2012) gibt für Futterverluste einen Kalkulationswert von 3 %mit einer Spanne von 2 bis 5 % für Sauen und Ferkel beziehungsweise 2 bis 4 % in der Mast an. Allerdings basieren die Werte größtenteils auf alten Aufzeichnungen. Neue, optimierte Trogformen, die Futterverluste senken, werden nicht berücksichtigt.

In einem am Staatsgut Schwarzenau durchgeführten Projekt wurden die Futterverluste über mehrere Jahre untersucht. Die Futterrationen wurden sowohl über Abrufstationen trocken (tragende Sauen) und flüssig (Mast, Ferkelaufzucht) als auch über Breifutterautomaten (Ferkelaufzucht) verabreicht. Hauptkomponenten der Rationen waren Getreide (Winterweizen, Wintergerste), Sojaextraktionsschrot sowie Mineralfutter.

BLW_3-Gummimatte-Kurztrog

Eine Fragestellung war, wie viel Futter bei verschiedenen Futtertrogformen und -größen sowie Tiergruppen im Güllekanal landet. Um das herauszufinden, wurde in einem Mastabteil das Futter aufgefangen, das durch die Spalten fiel. Hierzu konstruierten die Wissenschaftler einen Holzrahmen mit einem robusten Netz (Siloabdeckgitter), den sie mit Gewindestangen unter Trog und Spaltenelementen aufhängten. Wasser läuft durch die feinen Maschen des Netzes fast vollständig ab, während Futter hängen bleibt und durch die Abteillüftung wie in einem Trockenschrank trocknet, sodass es letztendlich einen Trockenmassegehalt von fast 88 % aufweist. Das Netz wurde während eines Mastdurchganges mehrmals geleert. Im Abteil mit Kurztrog und Sensor betrug der Futterverlust 3,02 % der Vorlagemenge.

In einem weiteren Mastabteil wurden ebenfalls Netze unter zwei Kurztrögen mit seitlich angebrachten Tränken eingebaut. Eine Gummimatte um einen der beiden Tröge half herauszufinden, ob auf den Boden gefallenes Futter gefressen wird oder im Güllekeller landet (mittleres Foto).

Ergebnisse des Versuchs

BLW_1-Holzrahmen-Futterverluste

Tabelle 1 zeigt die Ergebnisse der vier untersuchten Trogformen und -gestaltungen:

  • Die seitliche Anbringung der Tränken am Futtertrog reduzierte die Futterverluste um mehr als 40 % (1,72 % versus 3,02 %). Das lässt sich dadurch erklären, dass die Schweine weniger Futter verschleppten.
  • Die Gummimatte reduzierte die Futterverluste nochmals deutlich auf 0,68 %.
  • Am geringsten waren die Verluste am Langtrog mit Sensor. Auch die Wiederholung in einem Mastdurchgang mit Jungebern zeigte mit unter 0,5 % sehr geringe Verluste. Hier wurden öfters Tiere beobachtet, die sich im Langtrog suhlten. Trotzdem war der Futterverlust in diesem Abteil mit Abstand am geringsten. Anscheinend reduzierte das ausgeglichene Tier/Fressplatz-Verhältnis die Futterverluste. Außerdem können die Schweine das Futter nicht seitlich aus dem Trog räumen, da die Buchtenabtrennung oder die Außenwand des Abteils ihn seitlich begrenzt. Auch Fressplatzteiler sind hier positiv zu bewerten.
In der Ferkelaufzucht und im Wartestall für tragende Sauen wurden ebenfalls Netze unter der Abrufstation installiert. In der Aufzucht punkteten Breifutterautomaten gegenüber Kurztrögen mit Sensoren (Spotmix; 1,9 % Verluste gegenüber 2,4 %). Die bauchige, runde Gestaltung der Breifutterschalen brachte den Vorteil der „Futtersicherung“, während die Ecken der länglichen Tröge Schwungraum und so gute Voraussetzungen zum Herausstoßen des Breis boten.
Die Lösung mit den gebrauchten Gummimatten ist einfach und günstig, die Haltbarkeit war allerdings auf zwei Mastdurchgänge beschränkt. In der Praxis haben sich Riffelbleche oder Edelstahlplatten bewährt (Foto rechts). Die Spaltenschlitze um den Trog zu schließen, wäre ebenfalls möglich. Ein Vorteil hierbei ist auch, dass die Betonspalten besser vor dem permanenten Säureangriff geschützt sind, der schon nach wenigen Jahren zu Schäden führen kann. Eine weitere Möglichkeit, um Futterverluste einzugrenzen, sind Tröge mit Fressplatzteilern oder Querstangen, die ein Herausschieben des Futters erschweren.

Beispielrechnung

Ein Beispiel verdeutlicht die Auswirkungen von Futterverlusten. Tabelle 2 zeigt die Grunddaten eines Beispielbetriebs. Die Kalkulation der Kosten und der benötigten Flächen zur Wirtschaftsdüngerausbringung zeigt, dass die Umrüstung der Tröge und die Anbringung der Gummimatten einen finanziellen Vorteil von 4419 € pro Jahr bringen (Tabelle 3).
Natürlich ist eine Umrüstung auch mit Kosten verbunden. Das ist in Zeiten hoher Flächenpreise allerdings relativ zu sehen, da sich mit der Installation 2,90 bzw. 1,98 ha Fläche für die Wirtschaftsdüngerausbringung einsparen lassen. Die spätestens zum 1. Januar 2023 in Kraft tretende novellierte Stoffstrombilanzverordnung wird die Bedeutung des Themas weiter verschärfen, da nicht gefressenes Futter den Nährstoff-Input in den Betrieb erhöht, ohne dass tierische Leistung (Zuwachs) erzielt wird.
In der Praxis gelten Futterverluste oft als unvermeidbar. Kalkuliert man aber Menge und Kosten der Futterverluste, wird deutlich, dass bei vielen Betrieben erhebliches Einsparpotenzial besteht. Es lohnt sich für jeden Betrieb, die täglichen Futterverluste zu prüfen und zu verringern. Das ist mit der täglichen Beobachtung der Reste im Trog und der Einstellung der Futterzuteilmengen ohne großen Zeitaufwand möglich. In allen Haltungsstufen hängen die Futterverluste von zahlreichen Faktoren ab.

Tab 1: Futterverluste in der Schweinemast

Tab 2: Grunddaten Schweinemastbetrieb

TAB 3: Kalkulation der Kosten und Bilanzen