Abferkelbuchten

Sauenhaltung: Schwachstellen aufgedeckt

Sauenhaltung
Kai Gevers, Georg-August-Universität Göttingen
am Mittwoch, 06.11.2019 - 13:37

Bewegungsbuchten und Gruppenhaltung: Bei neuen Abferkelsystemen hat ein Praxistest erhebliche Unterschiede und auch generelle Problemstellen aufgezeigt. Es gibt also noch großes Verbesserungspotenzial.

Zwei unterschiedliche Bewegungsbuchten, eine Gruppenhaltung – in einem praxisnahen Leistungstest mussten sich neue Stallsysteme für Zuchtsauen auf den Prüfstand stellen. Den Versuchsrahmen beschreibt der Kasten unten. In den Bewegungsbuchten wurden die Sauen zwei Tage vor bis fünf Tage nach dem Abferkeln fixiert. In der Gruppenhaltung wurden die Sauen zwei Tage vor bis fünf Tage nach der Geburt einzeln gehalten.

Die Sauen wurden beim Ein- und Ausstallen bezüglich 

  • Schwellungen am Hinterbein, 
  • genereller Haut- sowie 
  • Schulterläsionen mit Hilfe eines KTBL-Leitfadens bonitiert. Die Ferkel wurden am 5. Lebenstag und zum Absetzen untersucht. Dabei wurden
  • Ohrverletzungen, 
  • Hautverletzungen am Kopf und an den Karpalgelenken sowie 
  • generelle Hautverletzungen betrachtet.

Ein großes Problem sind Schulterverletzungen

Abferkelbuchten

Die Bonitierung der Schwellungen am Hinterbein der Sauen zeigte keine großen Unterschiede zwischen der Haltung mit dem Ferkelschutzkorb (= Kontrollgruppe) und den zwei Bewegungsbuchten. Generelle Hautläsionen bei der Sau waren in den genannten Abferkelsystemen zu 100 % verheilt. Die Einzelhaltung der Sau in der Abferkelung ist deshalb diesbezüglich als vorteilhaft anzusehen.

Schulterläsionen sind ein großes Problem im Abferkelbereich. In den Bewegungsbuchten verschlechterten sich Schulterläsionen um über 50 %. Besonders problematisch sind offene Wunden an Schultern, sie traten bei 20 % der Sauen im Ferkelschutzkorb und bei 25 bzw. 29 % in den Bewegungsbuchten auf. Die Sauen in der Gruppenhaltung hatten keine offenen Wunden.

Als Ursachen können im Versuchszeitraum wahrnehmbar schlechte Futteraufnahme der Tiere im Ferkelschutzkorb und in den Bewegungsbuchten vermutet werden. Eine anhaltende Hitzeperiode hatte für Stress und Fressunlust gesorgt.

Mehr Rangkämpfe bei Ferkeln in Gruppenhaltung

Die Bonitierung der Ferkel zeigte bei den Ohrverletzungen keine großen Unterschiede zwischen der Haltung in Ferkelschutzkörben und den Bewegungsbuchten (Verletzungs­anteile zwischen 20 % und 32 %). Bei den meisten Ferkeln gab es keine Veränderungen während des Untersuchungszeitraums. In der Gruppenhaltung gab es durch immer wiederkehrende Rangkämpfe während der Säugeperiode am Ende erhöhte Ohrverletzungen (41 %).
Im Ferkelschutzkorb und in den Bewegungsbuchten wiesen zwischen 71 und 81 % der Ferkel Kopfverletzungen auf. In der Gruppenhaltung lagen die Verletzungsanteile mit 97 % (Tag 5) und 83 % (Absetzen) noch höher. 

Bei der Bonitierung der Karpalgelenke zeigten sich sowohl beim Ferkelschutzkorb als auch in den Bewegungsbuchten starke Verschlechterungen. Die Gruppenhaltung wies von Beginn an Verletzungsanteile von 79 % auf, die dann auf 91 % anstiegen. Als Ursache ist dabei der Betonboden zu nennen. 

Das Auftreten von generellen Hautläsionen bei Ferkeln war tendenziell gering, wobei die Gruppenhaltung aufgrund von Rangkämpfen mehr Verletzungen aufwies als die übrigen Systeme. 

Festzuhalten bleibt, dass die Bonitierungsergebnisse Unterschiede zwischen den Systemen und generelle Problemstellen aufzeigten. Offene Wunden an den Schultern bei den Sauen sind als negativ zu bewerten und die Verletzungsanteile bei den Ferkeln sollten geringer sein. Hierfür sind Systemanpassungen notwendig.

Bessere Leistungen bei Ferkeln mit mehr Platz

Im Rahmen der Masterarbeit wurden auch Leistungsparameter bei Sauen und Ferkeln erfasst. Sie sind in der Tabelle unten aufgeführt. Die Bewegungsbuchten zeigten – wie schon ähnlich in anderen Untersuchungen – erhöhte Tendenzen bei den Saugferkelverlusten. Zu untersuchen gilt, welche Bedeutung das Platzangebot für die Entwicklung der Ferkel hat. Im Versuch wurden bessere Leistungen bei erhöhtem Platzangebot erzielt, dies kann aber aufgrund der begrenzten Tierzahl statistisch nicht abgesichert werden.

Die Gruppenhaltung mit einer freien Abferkelung kann in der aktuellen Form nicht als positiv betrachtet werden, da die Ferkelverluste zu hoch sind. Die Bewegungsbuchten mit der zeitweisen Fixierung stellen damit einen Kompromiss dar.