Ferkelerzeugung

Sauenhalter: Für die Zukunft gerüstet

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Andrea Tölle
Andrea Tölle
am Mittwoch, 24.03.2021 - 05:39

In einen Stall für 420 Sauen mit 2300 Ferkelplätzen haben Bianca und Martin Baran kürzlich investiert. Trotz der derzeit schwierigen Bedingungen sehen sie auch Chancen, beispielsweise bei der Nachfrage nach bayerischen Ferkeln.

Auf einen Blick

  • Einen neuen Stall für 420 Sauen und mit 2300 Ferkelaufzuchtplätzen baute die Firma Weihmüller für Bianca und Martin Baran im niederbayerischen Obersunzing.
  • Bei der Planung war ihnen wichtig, dass die Arbeiten auch von Fremd-AK effizient erledigt werden können.
  • Außerdem wurde auf viel Tierwohl geachtet.
  • Kostentreiber sind die Anforderungen der AwSV, vor allem für die Maßnahmen der Leckageerkennung und die Verwendung geprüfter Bauteile.
  • Im neuen Stall wird im Wochenrhythmus gearbeitet, weil dann eine Fremd-AK an jedem Wochentag die gleiche Arbeit hat und man in kleineren Gruppen arbeiten kann.

Neubau wegen sich ändernden Vorschriften

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Bis vor kurzem hielten Bianca und Martin Baran170 Zuchtsauen auf ihrem Betrieb in Obersunzing im Landkreis Straubing-Bogen. „Aufgrund der höheren Platzanforderungen im Deckzentrum und der Vorschrift von Bewegungsbuchten hätten wir die Zahl unserer Sauen reduzieren müssen. Dann hätten wir aber nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können“, erklärt der 41-jährige Agraringenieur. Deshalb beschloss das Paar einen neuen Stall für 420 Sauen und mit 2300 Ferkelplätzen zu bauen. Mit dem Bau beauftragten sie die Firma Weihmüller Stalltechnik, weil die alles aus einer Hand zum Festpreis bot.

Flatdeck-Klima_DSC05982

Besonders wichtig war Martin Baran, dass die Arbeitswege im neuen Stall kurz sind. „Bei der Menge an Sauen muss man effizient sein, wir können die Ferkel einfach umtreiben und auch die Sauen lediglich mit einem Trenngitter am Gang entlang treiben“, berichtet der Niederbayer. Er wollte außerdem kein Milchtassensystem mehr. Damit arbeitete er zwar bisher. Aber weil bei der ausgesiedelten Anlage nicht ständig jemand vor Ort ist, der die Tassen kontrollieren, reinigen und nachfüllen kann, entschied sich Familie für die Aufzucht der überzähligen Ferkel mit natürlichen Ammen.

Wichtige Ziele: Tierwohl und Arbeitseffizienz

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Auch ein hohes Tierwohl und ein effizienter Einsatz von Fremd-Arbeitskräften waren Bianca und Martin Baran wichtig. Die Familie achtete darauf, dass die Tiere überall 20 % mehr Platz sowie teilweise Festflächen haben. Als organisches Beschäftigungsmaterial gibt es Holzspielzeug sowie Raufutter in Strohkörben und Heuraufen. Eine Stroh- und Heubeifütterung gibt es in allen Bereichen, auch in den Abferkelbuchten. Für die Ferkelaufzucht wurden Kleinklimazonen geschaffen: Dank einer Abdeckung haben es die Ferkel über der Heizplatte warm und fühlen sich geschützt.

Güllestöpsel_DSC05974

Für die Fremd-AK einfacher ist, dass die Ferkel wurfweise abgesetzt werden. Für jeden Wurf gibt es im Flatdeck eine extra Bucht. Neben der einfacheren Arbeit könnte das im Hinblick auf den Langschwanz von Vorteil sein. Denn kleine Gruppen sind übersichtlicher und man kann einfacher und schneller reagieren, falls ein Beißgeschehen auftritt.

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Auch auf die Energieeffizienz wurde viel Wert gelegt. So gibt es betonierte Außenwände mit einer Dicke von 25 cm sowie 12 cm Isolierung. Dadurch heizt sich der Stall im Sommer nicht so schnell auf und speichert im Winter Wärme. Durch energiesparende Ventilatoren und neueste Steuerungssysteme wird bei der Lüftung wenig Strom verbraucht. Da für die Beleuchtung LED-Lampen verwendet werden, wird hier ebenfalls weniger Energie verbraucht. Auch die Heizungsanlage und die Regelgeräte werden mit frequenzgesteuerten Pumpen energiesparend betrieben.

Fütterungstechnik_Flatdeck

Bereits 2017 begannen die Planungen, Baubeginn war im Mai 2020. Es wurden 1300 m³ Beton und rund 100 t Baustahl verbaut. Bereits im November 2020 konnte der Stall mit Jungsauen belegt werden. Trotz ständig steigender Baustoffpreise wurde das Objekt pünktlich im März 2021 zum vereinbarten Preis fertiggestellt.

Alleine das Genehmigungsverfahren hat 1,5 Jahre gedauert, obwohl schon viele Unterlagen wie der landschaftspflegerische Begleitplan und ein Immissionsschutzgutachten zu Beginn mit eingereicht wurden. Als große Herausforderung hat sich die neu zu erfüllende Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) entpuppt, weil hier lange viele Unklarheiten darüber herrschten, nach welchen Kriterien die Gülleleitungen, die Güllegrube und die erforderliche Leckageerkennung genehmigt werden können. Die Güllegrube, die von der Firma Wolf erstellt wurde, hat ein Volumen von 3376 m³ – das reicht für etwa zehn Monate Lagerkapazität aus.

Größeres Gebäude wegen den hohen Anforderungen

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Aufgrund der immer höheren Anforderungen bezüglich der Bewegungsmöglichkeiten für die Sauen musste das Gebäude sehr groß konzipiert werden. Schlussendlich wurde es bei 2,60 m Raumhöhe 118 m lang und 32,24 m breit. Das 3804 m² große Gebäude hat eine Dachfläche von knapp 4000 m² und bietet Platz für 100 Bewegungsbuchten, 340 Deck-/Warteplätze und 2300 Ferkelaufzuchtplätze. „Richtige Kostentreiber sind die Anforderungen der AwSV, vor allem die Maßnahmen für die Leckageerkennung und für Sachverständige“, erklärt Martin Baran. Weitere Mehrkosten entstanden, weil durch höhere Anforderungen mehr Baustahl erforderlich wurde und mittlerweile nur noch zugelassene Baustoffe verwendet werden dürfen.

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Obwohl Familie Baran bei ihrem Stall viel Wert auf Tierwohl legt, bekamen sie keine Förderung, weil sie keinen Gülleschieber einbauen wollten. Damit ist die Familie nicht allein. „2020 hat kein Zuchtsauenhalter in Bayern eine Förderung bekommen“, weiß Baran.

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Geld sparen konnte Familie Baran mit der kostengünstigen Trockenfütterung, bei der wenig Technik nötig ist und das Futter in Außensilos gelagert wird. Doch sogar die Silos führten zu Diskussionen mit der Unteren Naturschutzbehörde. Diese bemängelte anfangs die weiße Farbe der Silos. Man hätte sich wegen des Landschaftsbilds grüne gewünscht.

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In den fünf Abferkelabteilen waren ursprünglich jeweils 24 Abferkelbuchten geplant. Als dann am 3. Juli 2020 die siebte Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung beschlossen wurde und damit zukünftig jede Abferkelbucht mindestens 6,5 m² Nettobuchtenfläche aufweisen muss, konnten pro Abteil nur noch 20 Abferkelbuchten installiert werden. Die Bewegungsbuchten sind jetzt 6,7 m² groß und es ist noch Platz für überzählige Ferkel vorhanden, wenn man das sogenannte Split- Suckling praktizieren will.

Bei den Abferkelbuchten wählte Martin Baran die Bewegungsbucht BeFree von Schauer aus. „Hier haben wir uns für ein etwas größeres Maß entschieden, um auf der sicheren Seite bezüglich der Bewegungsfläche für die Sauen zu sein“, erklärt Weihmüller, denn in der Planungsphase war noch nicht klar, was der Gesetzgeber fordern wird. Hier waren sogar mal 5 m² Bewegungsfläche pro Sau im Gespräch. Dies bot nur die BeFree.

Nachdem Baran sich einige dieser Buchten angeschaut hatte, entschied er sich für die BeFree 3. „Hier steht die Sau schräg, das hat Vorteile bezüglich der Erdrückungsverluste und man kann auch den Geburtsverlauf besser überwachen“, erklärt er. Für die Geburtshilfe ist hinter der Sau ein relativ großer Freibereich. Außerdem stehen die Sauen bei der BeFree 3 mit dem Kopf zum Gang, was für eventuelle Behandlungen von Vorteil ist.

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Wird die Bucht geöffnet, sorgen Kunststoffroste mit eingelassenen Betonelementen für eine passive Fixierung der Sau, die sich lieber auf dem kühleren Beton ablegt. In dieser Bewegungsbucht kann man die Sau bei Bedarf relativ einfach fixieren. Dann lässt sie sich besser behandeln und die Ferkel lassen sich leichter einfangen. Der Futtertrog für die Sau, ein Edelstahl-Kipptrog, ist leicht zu reinigen. Von Vorteil ist auch, dass man die Ferkel mit einem Handgriff ins Ferkelnest sperren kann.

Im Flatdeck den Ringelschwanz eingeplant

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Die Ferkel aus einer Abferkelbucht sollen anschließend auch in eine separate Bucht ins Flatdeck kommen, ohne dass nochmal gemischt wird. Das bedeutet weniger Stress und ist somit auch für die Haltung mit Ringelschwanz von Vorteil. Im Deckzentrum gibt es Fress-/Liegebuchten mit 2,20 m Länge und 0,78 m Breite. Zudem sollen pro Sau 5 m² zur Verfügung stehen. Im Wartebereich gibt es pro Sau 2,8 m².

Ebenfalls auf die Arbeit mit Fremd-AK ist der Wochenrhythmus abgestimmt. Die Sauen wurden in 21 Gruppen mit jeweils 20 Schweinen aufgeteilt. „Wir haben uns bewusst für den Wochenrhythmus entschieden, dann hat eine Fremd-AK jeden Wochentag die gleiche Arbeit und man hat kleinere Gruppen“, erklärt Baran. Die 20 Buchten kann man in drei bis vier Stunden waschen. Ab April ferkeln die ersten Sauen. Im alten Stall fährt die Familie noch den 5-Wochen-Rhythmus.

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Auch der Stall an der Hofstelle soll mit 150 Zuchtsauen weitergeführt werden. Hier sind die Abferkelbuchten schon teilweise auf Bewegungsbuchten umgebaut, das Deckzentrum steht noch aus. Vermarktet werden die Ferkel über die Erzeugergemeinschaft Südostbayern. Bisher haben Barans an zwei Mäster geliefert, nun werden weitere zwei bis drei dazukommen. Keiner der Mäster ist weiter als 50 km entfernt.

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Martin Baran rechnet damit, dass das Angebot an Ferkeln in Deutschland und vor allem auch in Bayern spürbar zurückgehen und sich damit auch der Selbstversorgungsgrad weiter verringern wird – deshalb hat er gerade in diesen für Schweinehalter so schwierigen Zeiten in einen neuen Stall investiert. Und obwohl die Rahmenbedingungen hinsichtlich Tierwohl, Haltungsverordnung und gesellschaftlicher Akzeptanz nach wie vor äußerst schwierig sind, sieht er in der Ferkelerzeugung die meisten Möglichkeiten sein Betriebsergebnis positiv zu beeinflussen.

In der Ferkelerzeugung sind Bianca und Martin Baran top – das beweisen die hohen biologischen Leistungen mit 33,16 abgesetzten Ferkeln pro Sau und Jahr sowie nur 2,88 % Umrauschern. Der Betrieb ist auch ein anerkannter Ausbildungsbetrieb und kann interessierten Lehrlingen und Praktikanten einen modernen Ausbildungsplatz in der spezialisierten Ferkelerzeugung bieten.

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