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Sauenhaltung

Sauenfruchtbarkeit: Keine saisonalen Einflüsse

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Ludwig Holly
am Dienstag, 12.10.2021 - 14:37

Das Sommerloch bei der Sauenfruchtbarkeit zu vermeiden und die nadellose Impfung waren zwei Themen bei der Landwirte-Akademie. Für die Fruchtbarkeit wichtig ist eine ausreichende Wasserversorgung und eine gute Lüftung.

Wertvolle Tipps, wie es in der warmen Jahreszeit mit der Fruchtbarkeit klappen kann, damit die Ferkelzahlen auch im Herbst stimmen, gab Matthias Otto, Fachberater Schwein bei MSD Tiergesundheit, in einem Online-Seminar im Rahmen der Landwirte-Akademie. Der Einfluss auf die Sauenfruchtbarkeit hängt natürlich nicht nur vom Wetter ab, sondern es gibt eine Reihe weiterer Faktoren, wie Infektionserreger, Art der Aufstallung und Haltung, Alter, Umwelt, Futter und Wasser etc. „Der größte Faktor ist eigentlich der Mensch. Konkreten Einfluss hat man über das Besamungsmanagement“, erklärte Otto. In komplexen Regelkreisen kommt es durch den Einfluss von verschiedenen Hormonen und Substanzen zur Ausbildung und Reifung der Follikel, die man durch verschiedene Wirkstoffe beeinflussen kann.

Kranke Sauen stoßen Föten ab

Fruchtbarkeitsstörungen können durch Infektionen oder andere Faktoren ausgelöst werden. Dabei erinnerte der Referent an den Grundsatz der Natur: Alle Infektionen während der Trächtigkeit rufen eine uralte immunologische Abwehrreaktion hervor und es wird in erster Linie die Gesundheit des Muttertieres geschützt.
„Im Zweifelsfall werden immer zuerst die Föten abgestoßen oder es werden sich nicht so viele einnisten und entwickeln können. Die Sau hat also das oberste Primat. Deshalb müssen wir die Sau bestmöglich schützen“, betonte Fachberater Otto.
Es gibt auch zahlreiche nicht infektiöse Fruchtbarkeitsstörungen, wie fehlerhafte Belegungen und Besamungstechniken, zu viel Stress, Toxine, schlechte Futter- und Wasser- qualität, ungesundes Stallklima, ungenügendes Management und schlechte Spermaqualität, von denen man einige beeinflussen kann, andere dagegen nicht. Die möglichen Folgen dieser nicht infektiösen Fruchtbarkeitsstörungen sind zahlreich:
  • verlängertes Intervall vom Absetzen bis zum Brunsteintritt,
  • herabgesetzter Anteil brünstiger Sauen und stärkere Streuung des Brunstverlaufes (Östrusbeginn, -dauer und -intensität),
  • erhöhte Umrauscherquote bzw. Nichtträchtigkeitsrate (mehr azyklische Umrauscher sowie „leere“ Sauen ohne Brunstanzeichen),
  • höhere Abortrate (vornehmlich im Frühsommer bis Frühherbst),
  • Zunahme der Mumien und tot geborener Ferkel,
  • niedrigere Wurfleistungen (Anzahl und Qualität der Ferkel).

Kühl und sauber

„Bestimmte Dinge können wir relativ einfach machen, zum Beispiel alles, was mit Kühlung zu tun hat. Ordnung und Sauberkeit sind immer oberstes Primat“, so Otto. Beim Sommerloch denkt man zuerst vor allem an den Temperatureinfluss, der natürlich sehr groß sein kann. Es kann zu vielen Beeinträchtigungen bei den Sauen kommen: zu einer erhöhten Temperaturregulation, zu Störungen des Kreislaufes, des Wasserhaushaltes und des Säure-Basen-Gleichgewichtes, zu einer reduzierten Futteraufnahme (vor allem bei Sauen im zweiten Wurf) und zu einer verringerten Gonadotropinsekretion (Anm.: Trophische Sexualhormone).

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, um den saisonalen Einflüssen entgegenzuwirken. In erster Linie ist auf eine gute Versorgung mit Wasser in ausreichender Menge und guter Qualität zu achten.
Um den Ferkelabsatz kontinuierlich sicherzustellen, empfahl der Referent eine Reihe von Maßnahmen, zum Beispiel:
  • mehr Jungsauen vorhalten,
  • Impfungen etablieren (z. B. gegen Leptospiren),
  • Lüftung rechtzeitig prüfen und anpassen,
  • Fenster eventuell abschirmen und beschatten,
  • zeitnahe Dokumentation im Sauenplaner,
  • Zusatzbelegungen prüfen,
  • Arbeitsspitzen durch gute Personalplanung vermeiden,
  • Spermalagerung überprüfen.

Die nadellose Impfung fördert Wohlbefinden

„Jetzt hört man viel von nadellosen Impfsystemen. Ich finde es gut, dass sich so viele diesem Thema widmen. Wir setzen seit 20 Jahren darauf“, sagte Fachberater Otto, als er zum Schluss seiner Ausführungen ein kurzes Update zur intradermalen Impfung gab und die Geräte 2G und 3G aus der Idal-Serie vorstellte. Mit den Geräten werden die speziell für diese Anwendung entwickelten Impfstoffe gegen die vier wichtigsten Erreger bei den Ferkeln, nämlich PPRS, PCV2, Mykoplasmen/Mhyo und Lawsonien, injiziert.
MSD Tiergesundheit setzt auf die Impfung in die Haut, weil man Vorteile in der Hygiene (keine Erregerverschleppung, niedrigeres Dosisvolumen, einfache Verabreichung, variable Injektionsstelle) und im Wohlbefinden der Tiere (weniger Stress und Schmerzen) sieht. Die Impfstoffe werden mit etwa 46 bar und einer Geschwindigkeit von rund 400 km/h in einer Dosis von 0,2 ml injiziert. „Studien belegen, dass die intradermale Impfung mit einem nadellosen Gerät eine starke humorale und zelluläre Immunantwort hervorrufen kann, die vergleichbar ist mit der intramuskulären Impfung“, sagte Otto.