Sauenhaltung

Sauen: Wärme dämpft die Fruchtbarkeit

ferkel-abferkelbucht
Prof. Dr. Steffen Hoy, Uni Gießen, Birgitt Hameister, VzF Uelzen GmbH
am Freitag, 02.10.2020 - 08:21

Mit dem Sauenplaner kann seit kurzem die Außentemperatur am Tag der Besamung berücksichtigt werden. An der Uni Gießen wurde nun erforscht, welche Wirkung die Temperatur auf die Fruchtbarkeitsleistung hat.

Auf einen Blick

  • Steigen die Außentemperaturen am Tag der Belegung deutlich über 15 °C im Durchschnitt an, verringern sich die Fruchtbarkeitsparameter wie Abferkelquote, Wurfgröße und Ferkelindex.
  • Im db-Sauenplaner (db.Swin) wird für den Belegungstag die mittlere Außentemperatur an der nächstgelegenen Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes angezeigt.

Hohe Temperaturen können die Leistungen beim Schwein senken – das ist seit langem bekannt. Bei Sauen kann es zum verzögerten Eintritt der Brunst nach dem Absetzen, zu einer Reduzierung der Trächtigkeitsrate und zu einer geringeren Wurfgröße kommen. Auch bei säugenden Sauen sind Auswirkungen möglich:

  • Kreislaufbelastung,
  • Verringerung der Futteraufnahme,
  • Senkung der Milchleistung und
  • Zunahme der Häufigkeit von MMA (Mastitis, Metritis, Agalaktie).

Hohe Temperaturen haben aber nicht nur Effekte auf Sauen. Auch Besamungseber haben bei Hitze Probleme. Wenn die Temperatur von 27 auf 34 °C ansteigt, kommt es zum Rückgang der Spermamenge, zur Verringerung der Spermienkonzentration, zur Verminderung der Vorwärtsbeweglichkeit der Spermien und zum Anstieg des Anteils pathologisch veränderter Spermien.

Belegungen in 70 Betrieben ausgewertet

Im db-Sauenplaner werden seit kurzem die Außentemperaturwerte der nächstgelegenen Wetterstation eingepflegt. An der Universität Gießen hat man darauf hin den Einfluss der Temperatur auf verschiedene Parameter der Fruchtbarkeitsleistung bei Sauen geprüft.

Mit Hilfe des Sauenplaners wurden die Daten von 70 Ferkelerzeuger- bzw. Zuchtbetrieben mit 91 151 Belegungen und 77 885 Abferkelungen im Zeitraum eines Jahres (April 2018 bis März 2019) analysiert. Für jeden Tag der ersten Belegung wurde die mittlere Tagestemperatur (24 h-Mittel des Wetterdienstes, Außentemperatur an der Wetterstation) erfasst. Für die Auswertung wurden folgende Temperaturklassen zusammengefasst:
  • < 6 °C,
  • 6-10 °C,
  • 11-15 °C,
  • 16-20 °C,
  • 21-25 °C,
  • > 25 °C.
Aussentemperatur

Für alle pro Betrieb in diesen Klassen durchgeführten Belegungen wurde auch die Zahl der Abferkelungen erfasst und daraus die Abferkelquote (AFQ) berechnet. In der Zusammenfassung der 70 Betriebe ergab sich eine Abferkelquote von 85,4 %. In jeder Temperaturklasse wurde dann die mittlere Wurfgröße lebend geborener Ferkel (WG lgF) ermittelt. Aus der Abferkelrate und der mittleren Wurfgröße ließ sich dann der Ferkelindex berechnen (AFQ mal WG lgF).

Für ausgewählte Betriebe mit einer Mindestzahl von etwa 50 Belegungen je Temperaturklasse wurde die größte Differenz zwischen den einzelnen Temperaturklassen für Abferkelquote, Wurfgröße und Ferkelindex berechnet, um das Ausmaß der Temperaturwirkung in diesen Betrieben deutlich zu machen. Alle Daten stammten aus dem Internet-Sauenplaner db.Swin.

Kein Geld bei der Besamung verschenken

Außentemperatur

Im Mittel von mehr als 91 000 Belegungen in 70 Betrieben wurde die höchste Abferkelquote (86,1 %) bei Außentemperaturwerten am Tag der ersten Belegung unter 10 °C erzielt. Deutlich wurde der Leistungsrückgang bei Tagesmittelwerten von 21 bis 25 °C – die AFQ nahm um rund zwei Prozent ab. Stieg die Außentemperatur am Tag der ersten Belegung auf über 25 °C, sank die Abferkelquote auf 81,9 %, also um mehr als vier Prozent (siehe Abb. 1). Bei der Abferkelquote von 85,4 % über alle Belegungen ist durchaus noch „Luft nach oben“ – eine Steigerung um zwei Prozent ist möglich. Betriebe mit einer geringeren AFQ als der Durchschnitt sollten unbedingt die Durchführung der Besamungen kontrollieren. Eine weniger erfolgreiche Besamung bedeutet verschenktes Geld.

Eine ähnliche Tendenz der Temperaturwirkung wie bei der AFQ war auch bei der Wurfgröße lebend geborener Ferkel (lgF) festzustellen. Bei Außentemperaturen von weniger als 10 °C wurden mit 16,9 bzw. 17,0 lgF je Wurf die größten Würfe bei den fast 78 000 Würfen erreicht. Stieg die Außentemperatur auf über 20 °C, ging die Wurfgröße auf 16,4 lgF je Wurf zurück (siehe Abb. 2).

Aus Abferkelquote mal Wurfgröße wird der Ferkelindex berechnet. Er drückt aus, wie viele lebend geborene Ferkel je 100 belegte Sauen erzielt werden. Kleine Differenzen in Abferkelquote und Wurfgröße können sich zu großen Unterschieden im Ferkelindex multiplizieren. Der höchste Ferkelindex mit 1456 bzw. 1461 wurde bei Außentemperaturen unter 10 °C nachgewiesen. Mit steigender Temperatur ging der FI danach immer weiter zurück. Bei hohen Tagesmittelwerten über 25 °C erreichte der Ferkelindex nur noch den Wert von 1341 lebend geborenen Ferkeln je 100 belegte Sauen. Das bedeutet über ein Ferkel weniger je besamte Sau als bei niedrigen Außentemperaturen (siehe Abb. 3).

Betriebe unterscheiden sich deutlich

Temperatur

In einigen Betrieben sind die leistungsdepressiven Effekte hoher Außentemperaturen noch viel größer als im Mittel der Betriebe. Für fünf größere Ferkelerzeuger mit über 1000 Belegungen im Auswertungszeitraum wurde die jeweils größte Differenz zwischen den einzelnen Temperaturklassen bei Abferkelquote, Wurfgröße und Ferkelindex berechnet (siehe Tab.).

Im Betrieb A war die AFQ um bis zu 10,8 % niedriger, wenn die Temperatur hoch war, im Betrieb B um bis zu 8,2 %. Die größte Leistungsminderung bei der Wurfgröße durch die Wirkung der Temperatur wurde im Betrieb C nachgewiesen – hier betrug der Unterschied bis 2,6 lebend geborene Ferkel je Wurf zwischen den einzelnen Temperaturklassen. Auch im Betrieb B war der Leistungsrückgang bei hoher Außentemperatur mit durchschnittlich 2,3 Ferkeln beträchtlich.

Der Ferkelindex war bei hoher Temperatur in allen fünf Betrieben um über 200 Ferkel je 100 belegte Sauen niedriger als bei geringer Außentemperatur. Der stärkste leistungsdepressive Temperatureinfluss war mit –281 Ferkeln je 100 belegte Sauen im Betrieb A nachzuweisen.

Maßnahmen gegen die Wärmebelastung

Aussentemperatur

Die Hitzebelastung muss verringert werden, um die Leistungsdepression so gering wie möglich zu halten. Der Besamungsstall sollte nach der Sommerluftrate belüftet werden, um gleichzeitig die Luftgeschwindigkeit zu erhöhen (über 1 m/sec). Wenn möglich können Fenster und Türen zur besseren Durchspülung und zur Erhöhung der Luftgeschwindigkeit geöffnet werden. Allerdings ist darauf zu achten, dass die Wirkung der Zwangslüftung nicht gestört wird. Die Sauen müssen viel trinken können – säugende Altsauen saufen im Sommer 50 Liter pro Tag und mehr. Die Durchflussmenge der Tränken sollte bei Sauen mehr als 2 Liter pro Minute betragen.

Das Ansaugen der Zuluft aus dem Dachbereich ist zu vermeiden, da im Sommer dort Temperaturen > 40 °C herrschen. Bei einer Poren- oder Rieseldecke kann zusätzlich ein Ventilator unter die Decke gehängt werden, um die Luftgeschwindigkeit zu erhöhen und die Tiere damit abzukühlen. Durch die höhere Luftgeschwindigkeit können die Sauen Körperwärme besser abgeben, was als Kühlung wirkt. Zusätzlich kann Wasser im Intervall in die Zuluft versprüht werden. Ebenso könnte eine Einweichanlage bzw. Niederdruck-Befeuchtungsanlage genutzt werden, um Wasser zu verspritzen. Bei der Verdunstung von Wasser wird der Umgebung Wärme entzogen, das wirkt auch wie eine Kühlung. Dabei ist zu beachten, dass sich die Luftfeuchte nicht zu stark erhöhen darf, denn dann erhöht sich die Wärme-Belastung (Schwüle!). Natürlich müssen die Luftansaugöffnungen der Ventilatoren sauber sein.