Fütterung

Sauen: Mehr Futter rechnet sich

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Dr. Steffen Hoy, Uni Gießen
am Mittwoch, 28.04.2021 - 10:14

Säugende Sauen müssen viel fressen, damit sie genügend Milch geben, sich nicht aufliegen und hohe Absetzgewichte der Ferkel erzeugen. Bei hoher Temperatur wird das schwierig. Was kann der Sauenhalter tun?

Auf einen Blick

  • Die tägliche Futteraufnahme der Sauen nimmt während der Säugezeit langsam zu und erreicht am Ende der 4. Säugewoche etwa 8,1 kg (Jung-) bzw. 8,8 kg (Altsau).
  • Die Futteraufnahme ist bei hohen Temperaturen gegenüber niedrigen vermindert, wobei dieser Unterschied erst ab der 3. Säugewoche erkennbar ist und dann bis 1,6 kg pro Tag beträgt.
  • Mit einer dreimaligen Fütterung pro Tag, unmittelbar nach der Abferkelung beginnend, können der Gewichtsverlust der Sauen begrenzt und Folgewirkungen (z. B. höhere Umrauscherrate, unausgeglichene Geburtsgewichte innerhalb des nächsten Wurfes) verringert werden. Die Futtermenge ist dabei langsam zu steigern.

Säugende Sauen haben einen hohen Umsatz

Wenn ferkelführende Sauen zu wenig fressen, nehmen sie während der Säugezeit zu stark ab. Ist die Gewichtsabnahme zu hoch, nimmt die Umrauscherquote zu und im Folgewurf sinken Wurfgröße sowie Geburtsgewicht der Ferkel. Außerdem können Aufliegeschäden entstehen, wenn zu wenig Fettauflage vorhanden ist. Im Sommer können sich die Effekte verstärken, weil die Futteraufnahme zurückgeht. An der Uni Gießen wurde untersucht, wie man gegensteuern kann.

Die Futteraufnahme von Jung- und Altsauen unterschied sich in den ersten beiden Säugewochen kaum. Am 4. Tag vor der Abferkelung fraßen die Altsauen im Mittel 3,6 kg und die Jungsauen 3,1 kg Futter. Bis zur Geburt der Ferkel ging die Futteraufnahme zurück. Am Tag der Abferkelung lag die Futteraufnahme bei 0,83 kg – ohne Unterschied zwischen Jung- und Altsauen. In der ersten Säugewoche wurde die Futtermenge pro Tag um etwa 430 Gramm gesteigert. Bis zum 10./12. Säugetag hatten Jung- und Altsauen eine nahezu identische tägliche Futteraufnahme erreicht – etwa 5,9 kg (Abb. 1).

Fast doppelt so viel Futter in der zweiten Woche

In der Zusammenfassung von Jung- und Altsauen betrug die tägliche Futteraufnahme in der ersten Säugewoche 3,0 kg. Zur zweiten Woche hin verdoppelte sich die tägliche Futtermenge nahezu auf 5,6 kg. In der dritten und vierten Säugewoche fraßen die Sauen im Mittel 7,4 bzw. 8,2 kg pro Tag.

Sauenfütterung

Erst ab der dritten Säugewoche unterschied sich die tägliche Futteraufnahme von Jung- und Altsauen. In beiden Gruppen nahm nach dem zwölften Säugetag die pro Tag aufgenommene Futtermenge weiter zu. Die Altsauen fraßen am 26. Säugetag mit durchschnittlich 8,8 kg ein dreiviertel Kilogramm Futter pro Tag mehr als die Jungsauen mit 8,1 kg. In der dritten und vierten Säugewoche flachte sich die Futteraufnahme-Kurve deutlich ab (Abb. 1). In der Summe fraßen die Jungsauen vom 1. bis zum 26. Säugetag 142,5 kg Laktationsfutter. Bei den Altsauen waren es 154,4 kg. Bezogen auf den Säugetag nahmen die Jungsauen demzufolge 5,48 kg und die Altsauen 5,94 kg Futter auf. Durch das dreimal tägliche Füttern wird eine höhere Futteraufnahme bei den Sauen erreicht als in vielen Betrieben bei zweimaliger Fütterung pro Tag möglich ist.

Zusätzliche Wärme durch Futter

Bei über 930 Würfen wurde die tägliche Futteraufnahme der Sauen in verschiedenen Jahreszeiten ausgewertet. Im Herbst und Winter fraßen die Sauen während der Säugezeit durchschnittlich 6,0 kg Futter je Tag. Im Sommer bei hoher Außentemperatur sank die Futteraufnahme um fast ein Kilogramm auf täglich 5,2 kg (Abb. 2). Bis zum Ende der zweiten Säugewoche gab es keinen Unterschied in der täglichen Futteraufnahme zwischen hoher bzw. niedriger Außentemperatur. Erst ab der dritten Säugewoche nahmen die Sauen im Sommer deutlich weniger Futter auf als im Herbst bzw. Winter.
In der letzten Säugewoche stieg die Differenz zwischen Sommer und Winter auf bis zu 2 kg je Sau und Tag an. Diese Differenz kann durch die Wärmebildung nach der Futteraufnahme erklärt werden. Je mehr die Sauen fressen, desto mehr Wärme produzieren sie. Diese Wärmemenge müssen die Sauen an die Umgebung abgeben, damit es nicht zu einer Kreislaufbelastung kommt. Je höher die Temperatur ist, desto problematischer wird es, diese Wärmeenergie an die Umgebungsluft abzuleiten. Daher senken die Sauen bei höherer Temperatur die Futteraufnahme. Was dagegen getan werden kann, ist in der Übersicht zusammengestellt.

Höhere Futteraufnahme bei größeren Würfen

In der Tendenz erhöhte sich mit einer größeren Zahl abgesetzter Ferkel je Wurf die Futteraufnahme pro Tag im Mittel der Säugezeit. Sauen, die bis zu elf Ferkel aufzogen, fraßen im Mittel mit 5,7 kg pro Tag am wenigsten. Sauen mit 12 bis 14 abgesetzten Ferkeln hatten eine um 100 Gramm höhere tägliche Futteraufnahme. Zur Aufzucht eines größeren Wurfes ist eine höhere Milchmenge erforderlich, der Energiebedarf steigt und deshalb fressen die Sauen mehr.
Um herauszufinden, welche Gewichtszunahme oder -abnahme Sauen in Abhängigkeit von der täglichen Futteraufnahme während der Säugezeit haben, wurden vier Kategorien an säugenden Sauen gebildet:
  • bis 5,4 kg Futteraufnahme pro Säugetag (im Mittel 4,9 kg/d),
  • 5,4 bis 5,9 kg (im Mittel 5,7 kg),
  • 5,9 bis 6,3 kg (im Mittel 6,1 kg) und
  • über 6,3 kg (im Mittel 6,6 kg).
Im Mittel nahmen die Sauen zwischen dem 3. und dem 26. Säugetag 7,3 kg ab (netto, also ohne Berücksichtigung von Wurfgewicht, Gewicht der Nachgeburt und Fruchtwasser). Wenn die Sauen weniger als 5 kg pro Säugetag fraßen, verloren sie 17,5 kg an Gewicht. Nahmen sie jedoch 6,6 kg Laktationsfutter je Tag auf, verringerte sich ihr Gewicht lediglich um 1,2 kg. Wiederum gab es in den ersten zehn bis zwölf Tagen der Säugezeit keinen Unterschied in der täglichen Futteraufnahme zwischen den Gewichtskategorien. Die Sauen mit dem größten Gewichtsverlust verringerten zuerst die Futteraufnahme (etwa ab 12./13. Säugetag).
Die Sauen müssen nicht während der Säugezeit zunehmen. Fressen sie jedoch zu wenig Futter, schmelzen sie Körperfett ein, um Energie für die Milchbildung bereitzustellen. Somit verlieren die Sauen an Gewicht. Prinzipiell ist das ein normaler physiologischer Vorgang, der bei vielen Säugetieren nach der Geburt auftritt.

Abgesäugte Sauen haben weniger Ferkel

Verlieren die Sauen allerdings zu viel Gewicht, hat das mehrere Auswirkungen. So wurden bei den abgesäugten Sauen bis zu 0,7 Absetz-Beleg-Tage mehr und 0,5 lebend geborene Ferkel je Wurf weniger als bei Sauen mit nur geringem Gewichtsverlust nachgewiesen. Zwischen Sauen mit der niedrigsten und der höchsten täglichen Futteraufnahme liegt ein Unterschied von 1,7 kg/Tag bzw. 44,2 kg Laktationsfutter über die Säugezeit. Bei einem mittleren Preis von etwa 25 €/dt für Säugefutter bedeutet das 11 € höhere Futterkosten bei einer Sau mit hoher Futteraufnahme. Hat die Sau im Folgewurf nur 0,3 Ferkel mehr, rechnet sich diese höhere Futteraufnahme bereits – ohne Berücksichtigung einer eventuell niedrigeren Umrauscherrate.

So fressen Sauen im Sommer mehr

  • Konditionsfütterung tragender Sauen durchführen (31 bzw. 35 MJ ME je Tag bis 85. Trächtigkeitstag – JS/AS – und in der Hochträchtigkeit nach dem 85. Trächtigkeitstag 39 bzw. 43 MJ ME je Tag) nach DLG-/GfE-Empfehlung,
  • Säugefutter nach Futterkurve (tägl. Mengenkorrektur mit Sensor oder nach Trogbonitur),
  • keine Futterreste im Trog stehen lassen,
  • kein Futterwechsel während der Säugezeit,
  • möglichst dreimal täglich füttern,
  • Wasserversorgung beachten – säugende Altsauen trinken ab der dritten Säugewoche täglich über 50 Liter Wasser,
  • auf gute Gesundheit achten – MMA-Fällen vorbeugen,
  • Frischluft direkt in den Kopfbereich leiten bzw. zusätzliche Lüfter installieren zur Erhöhung der Luftgeschwindigkeit (Effekt wie bei Hochleistungskühen),
  • Ställe im Sommer nach Sommerluftrate lüften und ggf. kühlen (Versprühen von Wasser, aber Achtung: kein starker Anstieg der Luftfeuchte wegen Schwüle).