Geflügel

Sauberes Wasser in der Tränke

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Adrian Donnert, Ferdinand Schmitt, Tiergesundheitsdienst Bayern
am Freitag, 09.10.2020 - 10:41

Algen und Würmer im Tränkewasser fürs Geflügel? Darf nicht sein, muss es auch nicht.

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Nicht nur die Verfügbarkeit von Wasser ist wichtig, sondern auch die Qualität, da hohe Keimbelastungen des Wassers im schlimmsten Fall zu Durchfallerkrankungen führen können. Hohe Hygiene beim Tränkewasser gehört deswegen zu den Grundlagen dauerhaft guter Tiergesundheit.

Die Problematik in der Geflügelhaltung ergibt sich in den meisten Betrieben durch die bauliche Wasserversorgung mit Stichleitungen. Hierbei steht das Wasser nach Befüllung in den Leitungen, einziger Abfluss sind die Nippel- oder Cuptränken, über die die Tiere ihren Bedarf stillen können. Obwohl diese Art der Tränke, im Vergleich zu Stülp- oder Plassontränken, einen höheren hygienischen Standard für das Einzeltier bedeutet, können selbst in diesem Tränkesystem hohe Keimbelastungen vorliegen. Dies haben Untersuchungen unter anderem des Geflügelgesundheitsdientes ergeben.

Sowohl durch den Kontakt der Tiere mit den Nippeln, als auch durch unzureichend gereinigte Druckbehälter oder offene Vorlaufbehälter können Keime in das Tränkesystem eingetragen werden. Dazu kommen die hohen Temperaturen in den Tierställen, besonders in den Sommermonaten, die die Vermehrung der Keime befördern.

Optimale Bedingungen für Keime und Bakterien

Zusätzlich werden Nahrungsergänzungsmittel, wie Aminosäuren und Vitamine sowie Pro- und Präbiotika über das Trinkwasser verabreicht und dienen potenziell krankmachenden Organsimen als Nahrungsgrundlage. Pathogene Keime wie verschiedene Enterobacteriaceae, z.B. Escherichia coli und Salmonellen oder Campylobacter, genauso aber verschiede Hefen oder Schimmelpilze finden ideale Bedingungen.

Die Wirkung von Tageslicht auf Wassertanks, oft unvermeidbar in Mobilställen, kann die Lage durch zusätzliches Algenwachstum verschärfen. Latente bis schwere Darmerkrankungen können die Folge sein und die Leistung der Tiere beeinträchtigen. Eine regelmäßige Überprüfung der mikrobiologischen Qualität im Rahmen einer bakteriologischen Wasseruntersuchung wird daher dringend empfohlen.

Maßnahmen zur Reduzierung der Keime

Neben einer engmaschigen Kontrolle der Wasserqualität, sollten Maßnahmen zur Reduzierung des Keimgehaltes im Tränkewasser getroffen werden.

Reinigung und Desinfektion in der Serviceperiode:

  • Zunächst sollte die Serviceperiode zwischen einzelnen Durchgängen effektiv genutzt werden, um Vorlaufbehälter, Leitungen und Tränken zu reinigen und zu desinfizieren.
  • Folgendes Schema hat sich bewährt: Zunächst wird die Tränkeleitung mit klarem Wasser gespült und anschließend ein saures Reinigungsmittel in die Leitung gegeben. Danach wird diese gut gespült und mit einem basischen Mittel die Reinigung abgeschlossen. Nach erneuter Spülung mit klarem Wasser folgt die Desinfektion mit Wasserstoffperoxid oder Chlor in zugelassenen Dosen.
  • Bei der chemischen Desinfektion der Leitungen kommen häufig Wasserstoffperoxid oder Chlor zum Einsatz. Je nach Art der Anwendung und verwendetem Desinfektionsmittel erfolgt die Dosierung manuell durch Anmischung im Vorlaufbehälter oder automatisch über den Dosatron. Bei Chlor müssen bei der Entsorgung des Abwassers Grenzwerte eingehalten werden.

Hygienisierung während des Durchgangs:

  • Automatische Spüleinrichtungen entfernen mit einem Druck zwischen 1,5 bis 2 bar in regelmäßigen Abständen die Rohrleitungen von Biofilmen (einem Gemisch aus Keimen und Stoffwechselprodukten von Bakterien sowie Kalk). Ein zeitgesteuertes Magnetventil reguliert den Zulauf, am Ende der Tränkelinie dient ein Spülablauf als Abfluss.
  • Effektiv, jedoch kostenintensiver in der Anschaffung, sind kontinuierliche Wasserdesinfektionsanlagen wie Ultraschallsysteme und/oder UV-Bestrahlung (Vorsicht! Je nach Wasserherkunft kann Algenwachstum die Folge sein).
  • Zur Wasserdesinfektion geben Vollvakuum-Chlorgasdosierer für den Organismus verträgliche Mengen Chlor ins Tränkewasser.

Man muss bedenken, dass Nahrungsergänzungsmittel, Impfungen oder Medikamente durch Spüleinrichtungen oder Desinfektionsverfahren beeinträchtigt bis unwirksam werden können. Ein entsprechendes Management der Betriebsabläufe der Anlagen ist hier unabdingbar.

TGD-Projekt zur Wasserqualität

Der TGD Bayern bietet ein Projekt zur Überprüfung der Wasserqualität an. Hierbei werden sensorische, chemische und bakteriologische Parameter an verschiedenen Stellen des Tränkesystems erfasst, bewertet und hierzu eine Beratung angeboten. Bei Interesse können sich Geflügelhalter an die Tierärzte des Geflügelgesundheitsdiensts wenden. Weitere Anlaufstellen sind Fachpraxen für Wirtschaftsgeflügel, wasserhygienische Labore und Servicefirmen für Stallreinigung und -desinfektion.

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