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Schweinefütterung

Auch Roggen rechnet sich

Dr. Eckhard Meyer
am Montag, 16.05.2022 - 10:30

An hohen Futterkosten haben Schweinehalter immer wieder zu knabbern. Wir stellen Alternativen zum teuren Weizen vor.

Niedrige Erzeugerpreise und zugleich hohe Futterkosten – das kennen Schweinemäster und Sauenhalter nur allzu oft. Noch vor wenigen Wochen führten Futterpreise von weit über 40 € je dt (netto!) zu Futterkosten von über 100 € je Mastschwein und auch in der Ferkelaufzucht (8–28 kg) zu Futterkosten, die höher als die Erlöse lagen (20 €). Darin waren die Kosten für die Ferkelerzeugung noch gar nicht enthalten. Mit den steigenden Getreide-Sojapreisen machten die Futterkosten 80 % der Erlöse aus.

Leistung muss weiterhin stimmen

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Schlechte Preise und schlechte Leistungen passen nicht zusammen und sind geradezu giftig. Gerade deshalb gilt es in allen Bereichen der Schweineerzeugung zunächst, die Leistungen weiter hochzuhalten. Denn diese beeinflussen den wichtigsten Faktor Futteraufwand.

Bei Futterkosten denken Landwirte zunächst an die Futterzusammensetzung. Die möglichen Kosteneffekte des Futteraufwandes (Futterverwertung + Futterverluste) können jedoch mehrfach höher sein. Der Futteraufwand ist vor allem eine Frage des gesundheitsabhängigen Leistungsniveaus. In der Praxis geht die Schere der Leistungen und damit des Futteraufwandes vor allem aufgrund des unterschiedlichen Gesundheitsniveaus mehr oder weniger weit auseinander. Oft zeigt sich der Gesundheitsstatus des Herkunftsbetriebes erst beim Auseinanderwachsen der Mastgruppen mit gleich alten Tieren. Denn die sich am besten entwickelnden Mastschweine stammen oft aus einem oder nur wenigen Würfen.

Die spätere, auf Unterschiede in der Gesundheit zurückzuführende Masteignung der Schweine sieht man beim Absetzen der Ferkel häufig noch nicht. Kombibetriebe sollten deshalb gerade jetzt versuchen, über eine Markierung der Ferkel, schlechte Sauen zu finden und sich von diesen zu trennen.

In den Auswertungen führen 750 g Masttageszunahmen (MTZ) zu einem Futteraufwand über 1:2,8, 1000 g machen Futterverwertungen von 1:2,5 und darunter möglich. Dadurch entstehen zwischen den Betrieben mehrfach größere Unterschiede bei den Futterkosten als durch den Futtereinkauf. Das Verhältnis von Zunahme und Futteraufwand zeigt die Auswertung aller Schweine in guten und, wie sich später herausstellte, auch nur „gut gemeinten“ Versuchen des letzten Jahres im Lehr und Versuchsgut Köllitsch (siehe Tabelle).

Über beide Bereiche grob kalkuliert, verbessert eine Steigerung des Zunahmeniveaus um etwa 50 g den Futteraufwand um den Faktor 0,1, was derzeit etwa 4 € pro Mastschwein entspricht. Auffällig ist, dass bei meist gesundheitsbedingtem Zunahmeniveau, am unteren Ende der ausgewerteten Spanne, der Abfall besonders hoch sein kann. Gleichwohl können auch sehr hohe Leistungen wieder zu steigendem Futteraufwand führen, wenn der Futterdurchsatz im Tier die Verdauung überfordert oder zum Teil erst gar nicht gefressen wird und in der Gülle landet.

So ist in der Ferkelaufzucht (35 Tage) eine Grenze im Gruppenmittel bei etwa 600 g zu sehen, in der Schweinemast bei etwas weniger als dem doppelten Leistungsniveau (1100 g). In der gleichen Liga spielen sich die biologischen Vorteile der Ebermast ab, deren Futteraufwand testosteronbedingt 0,2 bis 0,4 je kg Zuwachs günstiger sein kann. Leider bleibt dieser Vorteil durch das Bezahlsystem überwiegend beim Schlachthof.

Trotzdem beschreiben Verbesserungen der Futtereffizienz in dieser Größenordnung Welten, die Futterkosten um etwas mehr als 10 € je erzeugtes Schwein senken können.

Bedarfsgerecht füttern, aber nicht übertreiben

Hohe Leistungen gesunder Tiere kommen vor allem aus dem richtigen Futter. Das funktioniert nur bei ausreichender Nährstoffdichte und bedarfsgerechter, aber nicht übertriebener Futterausstattung. Der wichtigste Faktor ist die tatsächlich ausgefüt-terte Trockenmasse. Im Trog sollte das ankommen, wovon der Fütterungsrechner ausgeht.

Vor allem bei Jungtieren sollte die Trockenmasse so hoch sein, wie es technisch geht (25 – 27 %). Den langen Pumpwegen geschuldet, wird die TS (20 %) leicht zu niedrig gewählt (Langtrogfütterung), um stehendes Futter in den Leitungen auch wieder anschieben zu können. Dabei bedeuten 1 % weniger Futter-TS etwa 3 – 4 % weniger Zunahmen und auch leicht eine stärkere Entmischung des Futters.

Schnecken-Verdrängerpumpen lösen das Problem, sofern die Leitungen das aushalten. Nebenprodukte sind zurzeit preiswerter als Getreide und verbessern die Futterkonsistenz und Pumpfähigkeit. Die Gerste ist aufgrund ihrer besseren Faser- und Kohlenhydratfraktion also aufgrund ihre schweinespezifischen Qualität für die Fütterung gesetzt. Das gilt umso mehr, weil auch der Preisabstand je dt (Preise KW 16/22) aufgrund des quantitativen Nährstoffgehaltes nur 2,40 € gegenüber dem Weizen beträgt. Wir wundern uns in der Fütterungsberatung nicht selten darüber, wie viel Weizen man ersetzen kann, ohne dass Nachteile entstehen.

Roggen macht das Futter preiswerter als Weizen

Roggen macht nach aktuellen Preisen das Futter gegenüber einer Ausstattung mit Weizen nicht nur preiswerter (3,20 €/dt oder 1,50 €/Mastschwein), sondern auch besser. 20 % bis 35 % Einsatzmenge sind möglich und können Probleme lösen helfen. Das gilt auch bei etwas geringerer Aminosäuren-Verdaulichkeit gegenüber dem Weizen. Effekte über die Futterkosten hinaus, kommen aber offensichtlich nicht in allen Fütterungsversuchen zum Tragen. Die Nicht-Stärke-Polysaccharide (NSP) ernähren die gesunde Darmflora und reduzieren Ebergeruch.

Die Proteinversorgung verursacht die größten Kosten. Es gilt deshalb, bedarfsgerecht, aber nicht darüber hinaus zu optimieren. Betriebseigene Futtererbsen oder Ackerbohnen waren im eigenen Futter schon immer mehr wert als im Landhandel, der sie wie Weizen bezahlte. Dabei enthalten diese 50 % des Lysins vom Soja und mindestens so viel Energie wie Weizen. Bei Sojapreisen von knapp 60 €/ dt steigt somit diese Vorzüglichkeit. In gut optimierten Rationen werden die Leistungen sogar besser, was eine Folge der Kohlenhydratfraktion und nicht nur besserer allgemeiner Versorgung mit Aminosäuren sein dürfte. Trotzdem gilt es bedarfsgerecht zu füttern.

Aus den Fütterungsversuchen mit Mastebern kann man ableiten, was eine zu hohe Proteinversorgung macht. Hier wurde anfangs gegenüber den weiblichen Tieren ein höherer Bedarf unterstellt, was sich im Fütterungsversuch oft in schlechterer Futterverwertung widerspiegelte. Die Stickstoffentsorgung aus dem Körper ist ein energieabhängiger Prozess, die Futterenergie verbraucht. 1,15 % Bruttolysin in der Anfangsmast runter auf 0,85 % in der Endmast sind vollkommen ausreichend.

Kastraten kommen am Ende sogar mit weniger aus (0,75 %). Eine bedarfsgerechte Proteinversorgung ist gerade bei Jungtieren gesetzt. Entscheidend ist aber der Gehalt an erstlimitierenden Aminosäuren. Lysin treibt die Zunahmen, ist aber ein „teures Benzin“.

Bei Sauen steigt der Proteinbedarf mit der Leistung langsamer als der Energiebedarf. Das Ziel ist eine gute Futtermengenaufnahme im Abferkelstall (<=90 MJ). Auf diese Energiemenge ist die Proteinversorgung einzustellen und kann häufig ohne Leistungsverlust abgesenkt werden. 0,9 % Lysin sind meist ausreichend. Auch die guten Erfolge mit stark N-/P-reduziertem Futter zeigen, Sicherheitszuschläge sind nicht erforderlich, solange man den genauen Nährstoffbeitrag aller Futterkomponenten kennt. Rohproteingehalte von 13 % oder 0,4 % Phosphor in der Ration sollten aber in einem durchschnittlichen Schweinemastbetrieb nicht ohne Not unterschritten werden – auch wenn in Versuchsstationen niedrigere Werte ohne Leistungsabfall möglich sind.

Durch die starke Nachfrage sind die Aminosäuren aus dem Sojaschrot zurzeit deutlich preiswerter als die freien Aminosäuren aus dem Mineralfutter. Das Ziel, N-/P-reduzierte Rationen mit synthetischen Aminosäuren auf den Punkt genau auszustatten, verursacht dadurch besonders hohe zusätzliche Kosten. Es ist zu prüfen, ob 8 % Lysin (anstatt 12 %) im Mastmineralfutter ausreichend sind.

Sofern die N-Ausscheidungen es zulassen, macht es aus Sicht der entstehenden Futterkosten aktuell Sinn, 2 % bis 3 % Soja zusätzlich auszustatten, um die entstehende Differenz auszugleichen. Das alles ist aber nur möglich auf der Basis der Kenntnis des Nährstoffbeitrages aller Rationskomponenten.

Korrespondierende Proben (von physisch identischem Futter) aus dem Trog (Anfang und Ende des Abteils), der Futterleitung und dem Anmischbehälter geben Hinweise auf die Misch- und Zuteilgenauigkeit sowie die mikrobiologischen Veränderungen auf dem Weg durch die Anlage.

Keine Futterverluste durch wenig Fressplätze

Futtervergeudung erhöht den Futteraufwand und ist eine Frage der Fütterungstechnik. Flache und freistehende Tröge, meist ohne Fressplatzteiler verbessern die Futterhygiene. Sie provozieren aber heute mehr Futterverluste als früher und machen das Futter so zu einem teuren Beschäftigungsmaterial, in dem es dann am Ende unter dem Spaltenboden landet. Die vergeudeten Mengen können je nach den praktischen Verhältnissen im Stall 5 % des Ferkelaufzuchtfutters und über 3 % vom Mastfutter (2,5 €/Mastschwein) werden.

Daneben spielt die Konkurrenz am Trog eine entscheidende Rolle. Die vorgeschriebenen Fressplatzverhältnisse sind oft reine Theorie, weil die Schweine selten gerade am Trog stehen. So haben bestimmte Automatentypen nicht vier Fressplätze, sondern nur einen. Die Rohrbreiautomaten sind aber heute meist Trockenfütterungen mit zu wenig Fressplätzen und kurzen Wegen zum Wasser. In der Folge fressen die Schweine häufiger und verschleppen bei jeder Mahlzeit Futter.

Überbelegung verschlechtert die Leistung im Gruppenmittel. 0,9 m²/Mastschwein auf Vollspaltenboden sind aus wirtschaftlicher Sicht optimal. Die richtigen Automaten oder Sensortröge (Tröge nicht zu flach (20 bis 25 cm) und nach innen umgekantet, Fressplatzteiler) und deren Einstellung (immer etwas, aber wenig Futter am Trogboden) sowie Kunststoffplatten auf den Spaltenboden bringen Verbesserungen. Letztere ermöglichen die Aufnahme von auf den Boden gefallenem Futter und schonen auch den Beton vor Futtersäuren.

Eber selektieren nach Proteinverwertung

Für die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast wichtig sind nicht einzelne Leistungen, sondern deren Zusammenspiel (MTZ, Futterverwertung, MFA %). Stärker gewichtet werden muss aber perspektivisch der Futter-, besser noch der Proteinaufwand für die gewünschten Leistungen. Hier gibt es offensichtlich eine erbliche Variation zwischen Vatertieren einer Rasse, die häufig höher ist, als die zwischen Rassen. Diese gilt es in der Zuchtwertschätzung höher zu bewerten und Eber mit hohem Teilzuchtwert in der Energie- und Proteinverwertung zu bevorzugen. Auch bei den Mutterlinien muss die Futterverwertung stärkere Beachtung finden. Um auf die geänderten Rahmenbedingungen grundlegend zu reagieren, müssen Ferkelerzeuger und Züchter wieder in Vorleistung gehen. Das muss von den Mästern auch honoriert werden.