Almwirtschaft

Rinder: Die Almen sind soweit

Almauftrieb-Haaralm_MR
Siegfried SteinbergerLfL Tierernährung, Grub
am Donnerstag, 14.05.2020 - 16:11

Mit dem Auftrieb der Tiere sollte vielerorts nicht mehr gewartet werden. Nach dem milden Winter lässt sich die inzwischen gute Futtergrundlage optimal nutzen.

Der Klimawandel zeigt im Berggebiet immer stärkerer seine Auswirkungen. Der Winter 2019/20 war im Gegensatz zum Vorjahr sehr schneearm. Der Vollfrühling (Zeit der Apfelblüte) setzte heuer um zehn Tage früher ein, als im langjährigen Mittel. Der Monat April war gegenüber dem langjährigen Mittel in diesem Jahr um 2° C wärmer.
Auf den Almen bewirkte der extrem warme und sonnige April eine rasche Schneeschmelze und erwärmte den Boden frühzeitig. Im Gegensatz zu den Tallagen erreichten zudem einige Gewitterschauer die Bergregionen. Diese Kombination lies die Vegetation auf den Almen deutlich früher starten. Auf vielen Almen waren bereits Anfang Mai tiefere Lagen sowie Gunstlagen ergrünt. Dabei sollte der Weideauftrieb immer zu Vegetationsbeginn mit ausreichend Vieh erfolgen. Nur so lässt sich der Wachstumsschub im Mai/Juni optimal nutzen. Es wird nur wenig Futter überständig und den Tieren steht während der gesamten Almzeit überwiegend junges, hochverdauliches Futter zur Verfügung.

LfL-Projektalmen schon mit Vieh bestoßen

Almweideprofis haben sich diese Grundsätze bereits angeeignet und so wurde auf einigen Projektalmen der LfL bereits mit dem Auftrieb begonnen. Am 6. 5. begann beispielsweise der Auftrieb auf die Haaralm in der Gemeinde Ruhpolding (1300 bis 1600 m ü. NN). Es wurden zunächst ein Drittel der Tiere aufgetrieben, damit die „Lägerflächen“ und die Gunstflächen abgegrast werden. In der laufenden Woche werden die übrigen Tiere angeliefert. Ebenso wurde ab den 9. 5. die Hemmersuppenalm in Reit im Winkl (1200 bis 1300 m ü. NN) bestoßen. Da die Alm keine wesentlichen Höhenstufen aufweist, wurde annähernd der gesamte Tierbestand auf einmal aufgetrieben. Aufgrund der warmen Witterung erfolgte der Auftrieb auf diese beiden Almen um vier bis fünf Wochen früher, als historisch belegt.
Zu guter Letzt konnte auch auf der Stubenalm bei Ramsau (1050 bis 1280 m ü. NN), am vergangenen Wochenende der Auftrieb vollständig erfolgen, auch hier etwa vier Wochen früher als sonst. Für einen positiven Verlauf des Almsommers 2020 ist den Almbauern nun dringend anzuraten, den Auftrieb in diesem Jahr deutlich vorzuverlegen, damit der Grünlandaufwuchs und somit die Futtergrundlage optimal genutzt werden kann.