Coronakrise

Pferdezucht: Branche steht unter Druck

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Dr. Christina Münch, Caterina Steffen, HorseFuturePanel, Schlieben, Prof. Dr. Ronald Wadsack, Gaby Wach, Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, Salzgitter
am Dienstag, 02.06.2020 - 13:57

Die Corona-Pandemie beschleunigt den strukturellen Wandel in der Pferdewirtschaft. Es gilt, die vorhandenen Chancen zu nutzen und mit neuen Angeboten Kunden zu gewinnen, um gut durch die Krise zu kommen.

Auf einen Blick

  • Vor allem im Primärsektor (z. B. Pferdebetriebe) und im Sekundärsektor (z. B. Hufbeschlag, Veterinärbereich, Reitlehrer) wird durch die Coronakrise eine Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz gesehen.
  • Bereits in Folge der Wirtschaftskrise 2008 ist zunächst die Nachfrage nach Pferden eingebrochen und in der Folge hat sich der Zuchtpferdebestand bis 2014 halbiert. Derzeit gibt nur ein Viertel der Kaufinteressenten an an der Kaufabsicht festzuhalten.
  • Fast die Hälfte der Befragten macht sich Sorgen um eine Versorgung der Pferde im Krankheitsfall.
  • Die von den Wirtschaftsexperten prognostizierte Rezession wird die Pferdewirtschaft in den nächsten Jahren prägen und den strukturellen Wandel beschleunigen.
  • Die Pferdewirtschaft sollte die Chance ergreifen, die sich verändernden Rahmenbedingungen dafür zu nutzen, ausgetretene Pfade zu verlassen – ohne Bewährtes aufzugeben – und neue Zielgruppen für das Pferd zu begeistern.

Online-Befragung unter den Akteuren

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Die Corona-Pandemie hat unmittelbare Auswirkungen auf die Pferdewirtschaft. Daher hat das HorseFuturePanel Mitte April 2020 eine Online-Befragung unter 2468 Akteuren (18 Jahre und älter) zur aktuellen Situation der Corona-Pandemie und den Auswirkungen auf die Pferdewirtschaft durchgeführt. Von den Befragten sind 519 beruflich in der Pferdewirtschaft aktiv. Interessant ist, dass es für die Ergebnisse keinen nachweisbaren Unterschied in Abhängigkeit des Bundeslandes gibt. Die Befragung soll dazu beitragen, die Bedeutung des Coronavirus auf die aktuelle und zukünftige Situation der Pferdewirtschaft in Deutschland darzustellen.

Einschätzung der wirtschaftlichen Akteure

46 % der Betriebe im Primärsektor (z. B. Pferdebetriebe) und Tertiärsektor (z. B. Handel und Dienstleistungen) sehen sich in der aktuellen Situation gut bzw. sehr gut aufgestellt. Im Sekundärsektor (z. B. Hufbeschlag, Veterinärbereich, Reitlehrer) liegt der Wert mit rund 34 % deutlich darunter; rund 18 % der Befragten betrachten ihre Aufstellung hier als schlecht bzw. sehr schlecht. Eine mögliche Erklärung ist, dass gerade in diesem Bereich viele Selbstständige bzw. Einzelunternehmer aktiv sind, deren wirtschaftliche Belastbarkeit weniger stark ist als bei Betrieben bzw. Wirtschaftsunternehmen.

Die Maßnahmen gegen die Pandemie-Ausbreitung betrafen viele Formen der Mensch-Mensch-Kontakte in der Reitanlage: von der Kontaktsperre bis hin zu der Schließung bestimmter Leistungsangebote und die Einhaltung der Schutzvorschriften.

Zuschüsse, Kredite oder Bürgschaften helfen

Es wurden von den öffentlichen Stellen auf Bundes-, Landes- und teils auch auf kommunaler Ebene kurzfristig Hilfen z. B. als Zuschuss, als Kredit oder als Bürgschaft zur Verfügung gestellt. Diese wurden bzw. werden auch von den Anbietern in der Pferdewirtschaft genutzt.

Ein Schlüsselthema ist die betriebswirtschaftliche Perspektive. Vor allem im Primär- und Sekundärsektor wird eine Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz gesehen. Gemessen an den Mittelwerten und dem Befragungszeitpunkt Mitte April reichen die Schätzungen zur wirtschaftlichen Durchhaltekraft von Anfang Juli bis Ende Juli 2020, wobei deutliche Unterschiede zwischen den Sektoren zu erkennen sind. Die kürzeste Frist liegt bei den Anbietern im Sekundärsektor, immerhin 52 % schätzen die Überbrückungsmöglichkeit auf nur ein bis zwei Monate ein.
Bereits in Folge der Wirtschaftskrise 2008 ist zunächst die Nachfrage nach Pferden eingebrochen und in der Folge hat sich der Zuchtpferdebestand in Deutschland bis 2014 etwa halbiert. Die HFP-Corona-Studie zeigt bereits jetzt bei den Planungen der Züchter eine gewisse abwartende Haltung (siehe Tabelle ).

Eingebrochenes Interesse an Verkaufspferden

Und auch auf der Absatzseite hat sich das Kaufinteresse verändert:
  • Nur ein Viertel der Kaufinteressierten hält an der Kaufabsicht fest.
  • 50 % warten ab, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf die persönliche Situation hat.
  • 20 % legen das Geld, das sie für den Pferdekauf einsetzen wollten, lieber zur Seite.
Diese Einschätzung spiegelt sich auf der Verkäuferseite: Hier geben 71 % der Verkäufer an, dass das Interesse an Verkaufspferden eingebrochen ist. Nur 7 % merken keine Veränderungen.

Die Rezession wird die Pferdewirtschaft prägen

31 % der Befragten machen sich zurzeit große Sorgen in Anbetracht der Coronakrise, bei 20 % sind die Sorgen eher gering. Dabei beschäftigt die Menschen vor allem die Angst vor der Ansteckung von Familienmitgliedern mit Risiko (58 %), vor einer Weltwirtschaftskrise (57 %) und vor möglichen Einkommenseinbußen oder Jobverlust (45 %). Außerdem machen sich fast die Hälfte Sorgen um die Versorgung der Pferde im Krankheitsfall.
Bereits heute sind die wirtschaftlichen Folgen hinsichtlich Einkommenseinbußen und abnehmendem Konsum für die Volkswirtschaften, aber auch für jeden einzelnen spürbar. Die von den Wirtschaftsexperten prognostizierte Rezession wird die Pferdewirtschaft die nächsten Jahre prägen und den strukturellen Wandel voraussichtlich beschleunigen. Dabei wird es Gewinner und Verlierer geben.
Die Pferdewirtschaft sollte die Chance ergreifen und die sich verändernden Rahmenbedingungen dafür nutzen, ausgetretene Pfade zu verlassen – ohne Bewährtes aufzugeben – und neue Zielgruppen für das Pferd zu begeistern . Dafür sollten entsprechende Angebote entwickelt werden (siehe auch Wochenblatt 21/2020).