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Biobetrieb

Pensionpferde halten: Die Kunden wissen Bio zu schätzen

Glücklich mit der Öko-Pensionspferdehaltung: (v.r.) Ferdinand und Ingrid Kistler mit Sohn und Betriebsnachfolger Valentin.
Helga Gebendorfer
am Dienstag, 08.11.2022 - 07:20

Familie Kistler hat ihren Pensionspferdebetrieb über Jahre für mehr Tierwohl umgebaut.

Zur Wassertränke haben die Pferde freien Zugang.

Die Umstellung auf Bio in der Pensionspferdehaltung kann gelingen. Ferdinand und Ingrid Kistler aus Berg bei Kranzberg im Landkreis Freising machten diesen Schritt bereits vor 13 Jahren. Zusammen mit ihrem Sohn und Hofnachfolger Valentin bewirtschaften sie einen Pferdepensionsbetrieb mit rund 50 Pferden, Ackerbau und Grünland.

„Wir hatten schon immer eine Handvoll Pferde auf dem Hof. Der Schwerpunkt bei meinen Eltern lag früher allerdings auf der Milchviehhaltung. Später kamen Mastschweine hinzu“, erzählt der Landwirtschaftsmeister. 1993 entschloss sich die Familie zum Einstieg in die Pferdehaltung. „Die Nähe zu den Ballungsgebieten München und Freising war eine gute Voraussetzung und die Verwertung des Grünlands kam noch dazu“, begründete Ferdinand Kistler die Entscheidung.

Die Nachfrage nach Plätzen war groß

In der Kraftfutterstation holen sich die Pferde ihre zugewiesene Kraftfutter- und Mineralfutter-Ration ab.

Den alten Rinderstall bauten Kistlers für 13 Pferde zu einem der ersten Bewegungsställe im deutschsprachigen Raum um. „Ich wollte neue Wege gehen in Sachen Haltung und Tierwohl“, erzählt der 60-Jährige. Das Konzept stimmte und die Nachfrage war so groß, dass bald um zwölf auf 25 Pferdeplätze erweitert wurde. Parallel standen zu dieser Zeit noch 600 Mastschweine im Stall.

2009 verabschiedete sich die Familie von der konventionellen Bewirtschaftung, stellte ihren gesamten Betrieb auf Ökolandbau um und trat Naturland bei. Mehrere Gründe gaben den Ausschlag: „Als erstes aus Überzeugung, denn ich wollte schon immer eine nachhaltige Wirtschaftsweise machen“, verrät Kistler, und weiter: „Außerdem ist mein persönliches Interesse am System der biologischen Bewirtschaftung schon immer groß.“ Die artgerechte Gruppenhaltung der Pferde ist zwar grundsätzlich keine Voraussetzung für die Umstellung. Nach Meinung der Familie passt diese aber perfekt zum Biolandbau, da sie die natürlichen Lebensumstände der Tiere sehr gut imitiert.

Pferdehaltung professionalisiert

Im Jahr 2010 wurden die Mastschweine aufgegeben und die Pferdehaltung weiter professionalisiert. Im Jahr 2013 hat die Familie einen komplett neuen Stall konzipiert und gebaut. Hier können die Tiere ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen. Über zeitgesteuerte Raufen können die Pferde in mehreren Intervallen am Tag Heu fressen. Die vielen kleinen Portionen in Kombination mit der Bewegung sind optimal für die Tiere. Das Heu stammt größtenteils aus eigener Produktion, dennoch muss auch aus anderen Biobetrieben zugekauft werden.

Kraftfutter – ganzer Hafer und gequetschte Gerste – sowie Mineralfutter werden an Futterstationen individuell für jedes Tier mithilfe eines Chips verabreicht. Bei Bedarf wird die Rationszusammensetzung verändert. Stroh steht in Raufen zur freien Verfügung.

Pferde können separat zugefüttert werden

Zum weitläufigen Stallbereich gehören auch Separationsbereiche, die alten und schwerfuttrigen Pferden zusätzlichen Zugang zum Heu ermöglichen. Die Liegehallen sind größtenteils mit Stroh eingestreut., welches hauptsächlich vom eigenen Betrieb stammt. Als Versuch hat Familie Kistler bei einer Testfläche das Stroh durch Waldboden-Einstreu ersetzt. Die Matratze wächst langsamer und ist geruchsneutral. Ein weiterer Vorteil ist die geringere Lagerfläche im Vergleich zum Stroh. Die Einstreu ist aber teuer in der Anschaffung und pflegeaufwendig. „Wir probieren gern Neues aus, um Erfahrungen zu sammeln. Für einen Teilbereich ist der Waldboden in Ordnung, aber für alle Liegeflächen kommt er bei uns nicht in Frage“, sagt Ingrid Kistler.

„Bio heißt nicht, dass wir gar nichts machen“, stellt Ferdinand Kistler klar. Gedüngt wird mit dem anfallenden Pferdemist. Anstelle des chemischen Pflanzenschutzes kommen Hacke und Striegel zur Beilkrautregulierung zum Einsatz. Außerdem steht mehr Handarbeit an, wie Ampfer stechen oder Kontrolle auf Giftpflanzen, z. B. Kreuzkraut. „Die Einsteller finden Bio gut, zahlen aber nicht zwangsläufig mehr dafür“, erzählt Hofnachfolger Valentin Kistler.

Beim Blick in die Zukunft verrät Kistler, dass der Umfang der Pferdehaltung vorerst nicht verändert werden soll. Dafür steht die stete Optimierung auf dem Plan, was die Kunden sehr zu schätzen wissen. Die Kistler’s sind sich einig: „Alles in allem war und ist die Umstellung auf Bio für uns der beste Weg. Unser Ziel ist es, neben der landwirtschaftlichen Produktion auch der Flora und Fauna Lebensraum zurückzugeben, der ihr über viele Jahrzehnte genommen wurde.“