Sauenhalter

Nutztierhaltungsverordnung: Sauenhaltung bricht ein

Muttersau
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Montag, 18.11.2019 - 14:45

Die ISN rechnet mit Umstellungskosten für die Sauenhalter in Höhe von 3,5 Mrd. €. Das dürfte für viele das Aus bedeuten.

Der Entwurf zur Novelle der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung liegt nun zur Beratung beim Bundesrat. Zunächst wird sich dort der Agrarausschuss damit beschäftigen. Auf die Sauenhalter in Deutschland werden durch die Novelle erhebliche Umstellungskosten zukommen. Für viele Sauenhalter könnte das das Aus bedeuten. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V. (ISN) stellt deshalb die Frage: Wo ist das Maßnahmenpaket für die deutsche Ferkelerzeugung?

Selbst Bundeslandwirtschaftsministerium rechnet mit starken Einbrüchen

Das eigentlich erschreckende wird aber laut ISN anhand einer Zahl deutlich, mit der das Bundeslandwirtschaftsministerium scheinbar achselzuckend kalkuliert – der Rückgang der Sauenzahl um ein Drittel bis 2032 und die damit vermutlich verbundene Halbierung der Zahl der Ferkelerzeuger. Und das obwohl das Ministerium mit deutlich geringere Kosten kalkuliert. Es geht von 1,116 Mrd. Euro Umstellungskosten aus.

Damit ist der Wert noch meilenweit entfernt von den von der ISN kalkulierten Kosten. Sie hat  anhand verschiedener Betriebe Umstellungskosten in Höhe von 2.000 € je Sau ermittelt, was bezogen auf den Gesamtbestand an Sauen in Deutschland Kosten in Höhe von 3,5 Mrd. Euro ergibt.

Minderkosten durch Abstockung

Die Minderkosten kommen laut ISN dadurch zustande, dass das Ministerium den entgangenen Nutzen durch Abstockung im Betrieb nicht berücksichtigt. Fachlich sei das in keiner Weise nachvollziehbar. Denn entweder müssten die verbleibenden Sauen die Mindereinnahmen durch die wegfallenden Sauen abfangen oder es muss Ersatzraum geschaffen werden, der natürlich auch viel Geld kostet – wenn er denn überhaupt genehmigt werde. Einfach davon auszugehen, dass die Einnahmen der Betriebe – die Familieneinkommen – dann eben schrumpfen, sei überheblich.

Der zweite Grund für die geringen Umstellungskosten, die das BMEL kalkuliert hat, sei die Annahme, dass die Sauenzahl von heute ca. 1,7 Mio. auf 1,17 Mio. im Jahr 2032 zurückgehe, also ca. um ein Drittel. Das werde dann vermutlich mit dem Ausstieg von mehr als der Hälfte der Ferkelerzeuger verbunden sein. "Wo bleibt ein Maßnahmenpaket? Ist es dem Ministerium wirklich egal, dass die Ferkel zukünftig immer stärker importiert werden und Ferkel aus Deutschland zur Mangelware werden?", ärgert sich der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes. Vor diesem Hintergrund sei es wenig erstaunlich, dass immer mehr Bauern aus Frust und Enttäuschung auf die Straße gehen würden.