Wildtierhaltung

Notstand im Wildgatter

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Helga Gebendorfer
am Donnerstag, 13.12.2018 - 15:44

Mit den Folgen der extremen Trockenheit hatten 2018 auch die bayerischen Gehegewildhalter zu kämpfen. Gewichtsverluste galt es rasch aufzufangen. Helmut Bamler gibt Tipps, wie die Tiere trotz der Dürre gut versorgt sind.

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Das  Thema Futterknappheit aufgrund von extremer Trockenheit hat heuer fast jeden getroffen. Die Folgen des Klimawandels machen auch vor den bayerischen Gehegewildhaltern und ihren Gattern nicht halt. Manche Weiden sahen wie Steppen aus. Und trotzdem trotzten die Hirsche der Situation erstaunlich gut“, betonte Helmut Bamler im Rahmen der Regionalversammlung der Oberpfälzer Wildhalter in Heinzhof. Allerdings habe die Dürre die Gehegebesitzer durch zeitige Zufütterung eine Stange Geld gekostet, auch wenn sie, wie er selbst im Staatsgut in Pfrentsch, auf einen starken Weideaufwuchs setzten. „Doch ab Juli war das eine Nullnummer und die Lage war kritisch“, fasste er die Weidesaison 2018 zusammen. Ein Erfahrungsaustausch zur Trockenheit stand deshalb im Mittelpunkt der Versammlung, bei der Bamler  als Leiter des Lehr- und Versuchsgeheges Pfrentschweiher die Moderation übernahm und wichtige Tipps für die Praktiker gab.
Zu den größten Herausforderungen und Problemen zählten aus Erfahrungen der Wildhalter Futterknappheit, Wassermangel, zu wenig Aufwuchs sowie die Qualität von Silofutter bzw. Heu und geringe Kälbergewichte. Folgende Gegenmaßnahmen schlugen sie vor:

  • Gehegeunterteilung,
  • Kälberschlupf,
  • Beifütterung mit Wintervorrat,
  • Reduzieren des Tierbestandes,
  • Füttern von Fallobst/Biertreber,
  • Ausweiten der Beschattung durch das Pflanzen von Bäumen/Hecken.

Handlungsbedarf

In einem normalen Jahr beginnt die Zufütterung nach Auskunft von Bamler im Dezember. Heuer erfolgte sie in der Regel bereits im August. „Die Gehegebesitzer mussten handeln, denn in den Gattern konnten die Tiere nichts mehr zum Fressen finden“, verdeutlichte er. Sein Richtwert für den Vorrat betrug für eine Produktionseinheit Rotwild, also ein Alttier mit anteiligem Schmaltier und Kalb, für eine Winterfütterungsperiode von rund 160 Tagen z. B. 450 kg Heu.
Zur Futterauswahl  stehen als Weideersatz  in erster Linie Heu, Silage, Mais- und Grascobs. Dabei machte Bamler klar, dass das Wild einen „jungen“, qualitativ guten Futteraufwuchs braucht, das heißt einen relativ frühen 1. Schnitt oder Grummet. Maissilage wird gerne gefressen und sei dieses Jahr nicht so knapp wie alles übrige Grundfutter und könne von Milchviehhaltern gekauft werden. Doch sei Vorsicht wegen Schimmelbildung geboten: Der Futtertisch für das Wild sollte glatt sein, am besten aus Material, das leicht abzuwischen ist, wie Hartplastik oder Edelstahl als Luxusausführung.
Ein Tipp: 1 kg Maissilage entspricht von der Energiewirkung her 250 bis 300 g Kraftfutter. „Das bedeutet, dass sich Mais gut eignet, wenn der Aufwuchs bzw. das angebotene Heu das notwendige Eiweiß bringen. Andernfalls kann ca. 100 g eiweißreicher Rapsschrot zugefüttert werden. Zusammen mit der Maissilage lässt sich auch das Mineralfutter mit 30 g pro Tier gut unterbringen. Der Einsatz von Maissilage mache aber nur in begrenzter Menge Sinn. „Denn im Winter geht es bei den Tieren nicht um Fleischansatz, sondern nur um den Erhaltungsbedarf. Deshalb führt zu viel Mais gerne zur Verfettung“, so Bamler.

 

Futterhygiene wichtig

Besonders bei Grassilage sei Vorsicht vor einer Erwärmung geboten. Deshalb sollte diese zur Futtervorlage am Futtertisch breit gestreut werden. Gleiches gilt für Gärheu und Heulage. Wer Ballen zukauft, sollte darauf achten, dass diese nicht nass und schwer sind. Bei der Eigengewinnung gilt: Siloballen eher trocken ernten, da sie dann eher die Form halten und dicht sind. Vorsicht: Feuchte und erwärmte Silage mit giftigem Schimmel ist für die Tiere wegen Listerien äußerst gefährlich. Deshalb gilt immer auch: den Trog ordentlich säubern.
Die Lagerung erfolgt am besten in Hofnähe, um das Futter im Blick zu haben und es vor Beschädigung zu schützen. Zusätzlich sollte auf Beschattung und ein  Netz zum Schutz gegen Vogelschäden geachtet werden. Gegen Mäuse helfen Köderdosen oder, wie aus der Diskussion hervorging, der Versuch, die Ballen durch Umstreuen mit Branntkalk vor Schädlingen zu schützen.
Grascobs eignen sich ebenfalls gut zur  Grundfutterergänzung, sind aber nicht immer leicht zu bekommen. Maiscobs stellen ebenfalls eine gute Lösung dar. Denn sie sind energiereich und aufgrund der Rohfaser gut verträglich. Der fehlende Eiweißgehalt muss entweder durch den Weideaufwuchs oder eiweißreiche Futtermittel ergänzt werden. Auch die Fütterung von Getreide ist in diesem Zusammenhang möglich.

 

Biertreber in Fässern

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Biertreber kann auch in die Ration integriert werden. Er ist ein eiweißreiches Kraftfuttermittel, das nur kurz haltbar ist. Eine Möglichkeit für den langfristigeren Einsatz ist das Silieren in Fässern. Kombinieren lässt er sich gut mit Maissilage und Heu.
Im Herbst ist Fallobst eine willkommene Abwechslung. Auch Apfeltrester von Mostereien hilft, die Tiere satt zu machen. Sehr bekömmlich sind auch Futterrüben, die allerdings nicht leicht erhältlich und teuer sind, wobei 7 kg Rüben ca. den Nährwert von 1 kg Kraftfutter entsprechen. In geringen Mengen dienen sie auch als Lockfutter. Doch Vorsicht: Aufgrund des hohen Zuckergehalts kann man die Tiere schnell zu Tode füttern. Zuckerrübenschnitzel sind ein Kraftfutter, das eingeweicht werden muss. „Aber man darf das Wild nicht alleine mit Kraftfutter füttern. Es stellt nur eine Zugabe und einen Ausgleich der Ration dar. Außerdem verursacht es hohe Kosten“, fasste Bamler zusammen.

 

Kälbergewichte

hr leiden, empfiehlt sich ein Kälberschlupf für die gezielte Beifütterung der Jungtiere. Gerade im Herbst unterstützt die Einrichtung den Fleischzuwachs. „Getreide ist vor Dezember gut investiert“, empfahl Bamler. Bei Futternotstand müssen selbstverständlich auch die Alttiere rechtzeitig zugefüttert werden. Eine Gehegeunterteilung ist in jedem Fall zu empfehlen, damit ein Reinigungsschnitt durchgeführt werden und sich die Grasnarbe erholen kann. Tiefwurzler wie Knaulgras und Löwenzahn überstehen Trockenheit am besten und sind geeignet für Trockenstandorte, doch sie werden vom Wild zum Teil nicht gerne gefressen bzw. stellen für Wildgehege als Futtergrundlage eher eine mindere Qualität dar. Für die Zusammensetzung der Grasnarbe gilt: Glatt und glänzend bedeutet glänzender Futterwert.