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Tierschutz

Neue Leitlinien für Bayerns Rindermäster

Bullenmast-Fleckvieh-Futtertisch
Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 20.10.2022 - 07:00

Umweltministerium veröffentlicht neue gut 100 Seiten starke Tierschutzleitlinie.

München Für Bayerns Rindermäster gibt es eine neue Bayerische Tierschutzleitlinie. In Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium, verschiedenen Behörden, Wissenschaft und dem Bauernverband hat das Umweltministerium die Leitlinie nun veröffentlicht.

Laut Umweltministerium schließt sie für Rinderbetriebe eine Lücke in der nationalen Tierschutzgesetzgebung, denn für Rinder von über sechs Monaten fehlte es bisher an speziellen Tierschutzregelungen. Bislang galten hier allein die allgemeinen Tierschutzvorgaben, nach dem jeder Tierhalter seine Tiere nach deren Art und Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen muss.

Die Leitlinie unterstützt Tierhalter, Berater und Behörden gleichermaßen bei der tierschutzfachlichen Beurteilung von bestehenden Mastrinder- und Mutterkuhhaltungen und bei der Planung von Neu- und Umbauten. Sie schafft Klarheit und Rechtssicherheit für Mäster, Mutterkuhhalter, Betriebsberater und Kontrollbehörden. Mit der neuen Tierschutzleitlinie will Umweltminister Thorsten Glauber vor allem die überwiegend kleinen bayerischen Betriebsstrukturen der Rindermast bei der Auslegung der tierschutzrechtlichen Vorschriften besser berücksichtigen.

Wie muss der Spaltenboden ausgestalten sein?

So empfiehlt die Leitlinie bei Neu- und Umbauten Spaltenböden für Masttiere, die Balkenauftrittsbreiten von mindestens 8 cm aufweisen. Die Spaltenweiten dürfen maximal 3,5 cm betragen. In Altbauten können Behörden bauliche Abweichungen tolerieren, sofern an den Tieren keine haltungsbedingten Schäden auftreten.

Bei Mutterkühen sind in Bereichen, die von Kälbern (bis 6 Monaten) nicht nur ausnahmsweise betreten werden, die Vorgaben für die Kälberhaltung zu beachten. Diese gibt eine Spaltenweite von max. 2,5 cm vor, und 3,0 cm bei Gummiauflage. Die Auftrittsbreite muss mindestens 8 cm betragen.

Wie groß müssen Krankenbuchten sein?

Auch sieht die Leitlinie Vorgaben für Krankenbuchten vor. Bei Neu- und Umbauten ist für jeweils 100 Tiere eine ausreichend große Krankenbucht notwendig. Sie soll 9 m2 für einen einzelnen Endmastbullen oder 12 m2 für eine Mutterkuh der Rasse Fleckvieh mit Kalb groß sein. Bei Gruppenbuchten müssen jedem weiteren Tier mindestens 4 m2 Fläche zur Verfügung stehen.

Auch in Altbauten sind Tierhalter verpflichtet, ein krankes oder verletztes Tier separieren zu können. Die Krankenbucht muss ausreichend groß sein, so dass das Tier ungehindert aufstehen und sich umdrehen kann und Platz für Behandlungen bleibt.

Wie müssen Futtertische gebaut sein?

Die Oberfläche des Futtertisches sollte laut Leitlinie etwa 20 cm höher liegen als die Standfläche der Tiere. Die Krippenkante sollte nicht höher als 30 cm über der Futtertischoberfläche liegen. Fressgitter sollten nach vorne geneigt, begrenzende Nackenrohre vorgelagert angebracht werden, um Technopathien zu vermeiden.

Bei rationierter Fütterung ist ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1:1 erforderlich. Bei einer ad libitum Fütterung kann unter besonders günstigen das Tier-Fressplatz-Verhältnis auf bis zu 2:1 (Altbauten bis 2,5:1) erweitert werden. Dies gilt insbesondere für Buchten ab einer Tiefe von 5 m.

Für Neu- und Umbauten ist in der Endmast eine Fressplatzbreite von mindestens 75 cm erforderlich. Im Altbau ist dagegen eine Fressplatzbreite von mindestens 70 cm zulässig, sofern die Tiere beim Fressen ein ungestörtes Verhalten zeigen.

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