Rinderhaltung

Sind Mutterkühe die Lösung?

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Fritz Arnold
am Donnerstag, 24.06.2021 - 15:40

Die angespannte Arbeitssituation und der Ausstieg aus der ganzjährigen Anbindehaltung bewirken, dass immer mehr Betriebe in die Mutterkuhhaltung einsteigen, so auch Familie Mayer. Doch ein Selbstläufer ist auch diese nicht.

Was tun, wenn einen Nebenerwerbslandwirt sein Hauptberuf fordert, er aber doch gerne Tiere hält, ohne dass die Arbeit dann letztlich doch irgendwann zu viel wird? Zusammen mit Konrad Wagner vom Fachzentrum für Mutterkuhhaltung in Schwandorf, fand der 41-jährige Biolandwirt Johannes Meyer aus Trachenhöfstatt im Lks. Ansbach eine Lösung, die sich derzeit gut anlässt. Von den vorhandenen 25 Milchkühen suchte man jene neun Kühe aus, die sich besonders gut für die Mutterkuhhaltung eignen und beschritt neue Wege.

Lässt sich Fleisch zum nötigen Preis vermarkten?

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Am Anfang war nur der 66-jährige Senior Gerhard Meyer etwas skeptisch, ob sich das Biorindfleisch zum nötigen Preis vermarkten lässt. Doch es hat funktioniert. Die gedruckten Flyer mussten nur im Umkreis von drei Kilometern verteilt werden, schon waren die ersten 24 Mischpakete vom eigenen Rindfleisch verkauft.

Weil der Hof mit 26 ha Ackerland und 10 ha Wiesen für den Vollerwerb zu klein war, stellte bereits Gerhard Meyer auf Bio um. Inzwischen leiten längst Junior Johannes mit seiner Frau Simone den Betrieb nahe Heilsbronn.

Zwar hat die Biomolkerei gute Preise für die Milch bezahlt, doch auf Dauer wäre die Melkarbeit zu viel gewesen. So suchte Johannes Meyer nach einem Ausweg. Wie Berater Wagner erläutert, stehen nicht wenige Rinderhalter derzeit vor der gleichen Frage und stellen immer öfter ihre Betriebe um. Zwar bringt die Rinderhaltung jetzt ein Drittel weniger Ertrag, doch ist die Arbeitsbelastung auch auf ein Drittel gesunken und der Nebenerwerbslandwirt hat mehr Freizeit.

Bila-Lehrgänge vermitteln wichtiges Praxiswissen

Meyer arbeitet von Montag bis Donnerstag 30 Stunden in einer Schreinerei und kann auch mal Änderungen vereinbaren, wenn er zuhause dringend gebraucht wird. Allerdings ist es ihm wichtig, in seinem außerlandwirtschaftlichen Beruf seinen Mann zu stehen und insgesamt darauf zu achten, dass ihm und der Familie die Arbeit nicht über den Kopf wächst. Zur Vorbereitung darauf besuchte der Landwirt einen Bila-Lehrgang in Schwarzenau, wo spezielle Kenntnisse für Mutterkuhhalter vermittelt wurden.
Mit der jetzigen Lösung sind Simone und Johannes Meyer sowie die „Altsitzer“ Gretel und Gerhard voll zufrieden und haben den Schritt nicht bereut. Und allem Anschein nach haben auch schon die Töchter Elisabeth (7) und Pauline (8) Biobauern-Blut in den Adern.
Für den Städter, der im kleinen Trachenhöfstatt vorbei kommt, sind die friedlich vor dem Dorf grasenden Kühe mit Kälbern eine Werbung wie aus dem Bilderbuch. Der frühere Anbindestall wurde schon 1994 wegen der Biovorschriften zum Laufstall umgebaut, sodass nun kaum Investitionen nötig wurden.
Die Kühe wurden auf saisonale Abkalbung im Frühjahr umgestellt und von Mai bis Juni läuft ein Fleckviehbulle der Fleischnutzungs-Zucht aus einem anderen Biobetrieb in der Herde mit. Während im ersten Jahr die Kälber mit ihren Müttern auf der Weide sind, verbringen sie das zweite Jahr als Gruppe auf der Jungrinderweide.

Direktvermarktung als größte Herausforderung

Nicht ganz einfach war es, einen Metzger als Partner zu finden, denn eine eigene Schlachtung auf dem Hof zur Direktvermarktung ist bei dieser Größenordnung aufgrund der Vorschriften nicht umsetzbar. Schließlich wurde mit der Metzgerei Hezner in Dombühl ein Partner gefunden. Dorthin wird jeweils dann ein schlachtreifes Rind gefahren, wenn die 24 Portionen mit je 10 kg fest verstellt sind.
In einem für einen Tag gemieteten Kühlanhänger werden die 10-kg-Mischpakete mit Hackfleisch, Gulasch, Braten, Suppenfleisch, Steak, Rouladen oder auch Rindsbratwurst in Dombühl abgeholt und am Hof an die Kunden für je 15 € verkauft.
Johannes Meyer scheut sich nicht, die Rechnung offen zu legen. Ein Schlachtrind bringt 24 Fleischportionen mit je 10 kg auf die Waage, die zusammen 3600 € bringen. Für den Metzgerlohn sind davon 600 € abzuziehen. Bei neun geschlachteten Jungrindern sind das 27 000 € brutto im Jahr.
Noch nicht ganz entschieden ist, ob die männlichen Kälber als Bullen getrennt auf die Weide kommen oder teilweise Ochsenmast betrieben wird. In diesem Jahr stellte sich diese Frage nicht, weil nur weibliche Kälber geboren wurden.

Kreislauf rund ums Vieh und Ackerbau

Die Tierhaltung hat für den Biobetrieb auch den Vorteil einer intakten Kreislaufwirtschaft, denn auf sechs der 26 ha Ackerland steht Kleegras für eine günstige Fruchtfolge. Auf dem Acker werden zudem Roggen, Weizen und Dinkel als Brotgetreide angebaut und an eine Mühle geliefert, während Sommergerste und Sommerhafer für die Tiere als Kraftfutter verfüttert und an einen Bioschäfer verkauft werden.
Die guten Argumente für die Umstellung sind also schnell zusammengefasst und die Werbung der Meyers lautet: „Regionale Schlachtung, direkt vom Erzeuger, artgerechte Mutterkuhhaltung – zertifiziert nach Bioland-Richtlinien, Naturschutz durch Weidehaltung, Futter aus eigenem Anbau.“ Wenn dann noch Geld hängen bleibt und einem die Arbeit nicht über den Kopf wächst, lohnt es sich für den ein oder anderen Betrieb, sich die Sache mit der Mutterkuhhaltung durch den Kopf gehen zu lassen.