Rinderställe

Milchvieh: Ein Viertel im Anbindestall

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Guido Hofmann, LfL Agrarökonomie, München
am Donnerstag, 08.04.2021 - 09:39

Die Anbindehaltung von Milchkühen steht unter Druck. Ein höherer Bauzuschuss soll den Umbau auf Laufstallhaltung erleichtern. Da stellt sich die Frage: Wie viele Anbindeställe gibt es eigentlich noch und wie viele Tiere stehen dort?

Die Umstellung vom Anbindestall auf Laufstallhaltung ist ein Kraftakt für jeden Milchbauern. Damit Landwirte diese Maßnahme stemmen können, hat der Freistaat Bayern die Bauzuschüsse aus dem Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP) für die Antragstellung 2021 deutlich verbessert. Bevor wir uns mit der Wirtschaftlichkeit der Umstellung beschäftigen, wollen wir jedoch der Frage nachgehen, um wie viele Betriebe es dabei eigentlich geht.

Das Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern (LKV) bildet rund zwei Drittel der bayerischen Milchviehbetriebe und 84 % der Kühe in seiner aktuellen und schon langjährig durchgeführten Haltungssystem-Auswertung ab. Die Auswertung ist bis auf Landkreisebene aufgeschlüsselt und auf der LKV-Internetseite abrufbar.

Was die LKV-Daten sagen

Wir haben diese Daten der letzten zehn Jahre zusammengeführt und ausgewertet. Überraschend ist für den einen oder anderen der Wandel, der in diesem Zeitraum im bayerischen Milchland stattgefunden hat:

  • Über die letzten zehn Jahre ist die Anzahl der LKV-Betriebe um 31 % zurückgegangen (die Gesamtzahl der bayerischen Milchviehbetriebe ist um rund 34 % gesunken).
  • In dieser Zeit ging der Anteil der Anbindestallbetriebe von 60 auf 40 % zurück und der Anteil der Anbindekühe von 40 auf 20 % (gerundet).
  • Seit dem Jahr 2015 beteiligen sich mehr Laufstall- als Anbindestallbetriebe an der Leistungsprüfung.
  • Obwohl die LKV-Betriebe um 31 % abnahmen, sank die Anzahl der Kühe nur um 5 % (Bayern: –9 %).
  • Offensichtlich gehen die frei werdenden Kuhplätze in die Aufstockung bei den vorhandenen Milchviehbetrieben: Denn die Anzahl der Laufstallbetriebe hat jährlich nur um 50 zugenommen, die Herdengröße um 12 Kühe/Betrieb.

Fazit: Bayernweit sind gut 80 % der LKV-Kühe im Laufstall.

Große regionale Unterschiede

Auf regionaler Ebene gehen die Zahlen jedoch deutlich auseinander. In Unterfranken haben noch 42,4 % der LKV-Betriebe einen Anbindestall, in Mittelfranken sind 71,3 % bereits Laufstallbetriebe. Die anteilsmäßig meisten Laufstallkühe gibt es mit 88,5 % in Mittelfranken, die meisten Anbindekühe in Niederbayern (27,8 %). In Schwaben haben 34,2 % der LKV-Anbindekühe täglichen Auslauf, in der Oberpfalz sind 95,9 % der Anbindekühe ganzjährig in Anbindehaltung.

Über den betrachteten Zeitraum ging bayernweit der Anteil der LKV-Anbindestallbetriebe um 21,3 % zurück. Den stärksten Rückgang gab es in Oberbayern mit –61 670 Kühen, das sind 21,8 % weniger. Der prozentuale Rückgang war mit 24,6 % nur in Schwaben höher. Ob es sich dabei um die Aufgabe der Milchhaltung, dem Wechsel in das Laufstallsystem oder nur um einen Ausstieg aus der Milchkontrolle handelt, ist nicht bekannt.
Von allen Bundesländern hat die Anbindehaltung in Bayern noch die größte Bedeutung. Der genaue Anteil kann jedoch nur durch Schätzung ermittelt werden.
Laut der Viehzählung vom November 2020 hatten wir 2020 in Bayern in 26 345 Milchviehbetrieben 1 104 468 Milchkühe stehen. Beim LKV sind 66,5 % der bayerischen Milchviehbetriebe und 83,8 % der bayerischen Milchkühe gemeldet. Von den LKV-Betrieben haben 62,9 % ihre Milchkühe im Laufstall und halten über 80 % der Kühe. Im Umkehrschluss haben beim LKV noch 37 % einen Anbindestall und halten knapp 20 % der LKV-Kühe.

Der Anteil der LKV-Anbindekühe an allen bayerischen Milchkühen beträgt 16,4 %. 16,2 % der bayerischen Milchkühe sind nicht beim LKV. Damit können maximal 32,6 % der bayerischen Kühe im Anbindestall stehen (siehe Tabelle unten).

Hohe Verbreitung in Nicht-LKV-Betrieben

Doch ein Teil der Nicht-LKV-Betriebe hat bereits einen Laufstall, darunter auch einige größere Betriebe mit eigener Milchmengenmessung. Nach einer ersten Schätzung des LKV Bayern haben 15 % der Nicht-LKV-Betriebe einen Laufstall und im Mittel knapp 70 Kühe. Im Umkehrschluss sind 85 % Anbindehalter und 48 % Anbindekühe – mit knapp 12 Kühen/Betrieb.

48 % Nicht-LKV-Anbindekühe zuzüglich LKV-Anbindekühe ergibt die aktuelle Prognose: 24 % der bayerischen Kühe sind noch in Anbindehaltung (siehe unten).

Jeder zweite Betrieb noch mit Anbindehaltung

Fazit: Gut die Hälfte der bayerischen Milchviehbetriebe betreibt noch Anbindehaltung. Für jede Betriebsleiterfamilie stellt sich spätestens bei einer größeren Ersatzinvestition die Frage, ob über einen Wechsel zum Laufstallsystem – eventuell auch verbunden mit einem Wachstumsschritt – der eigene Arbeitsplatz über das komfortablere Melken im Melkstand verbessert, die Arbeitszeit pro Kuh gesenkt und den Tieren mehr Bewegungsfreiheit und Komfort geboten werden kann. Ein Beitrag in der nächsten Ausgabe des Wochenblatts geht der Frage nach, unter welchen Voraussetzungen diese Zukunftsinvestition gelingen kann.