Methanausstoß

Milch: Niedrige Methanemissionen bei Weidehaltung

Rinderrasse
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 01.04.2021 - 16:20

Wissenschaftliche Messungen belegen eine im Vergleich zur internationalen Literatur sehr niedrige Methanbildung pro Liter Milch.

Kühe emittieren Kühe als Nebenprodukt der Verdauung Methan. Dies hat zwar mit zehn Jahren eine vergleichsweise kurze Verweildauer in der Atmosphäre, bevor es wieder in CO2 zerfällt, in dieser kurzen Zeit trägt es aber erheblich zum Klimawandel bei. Der Weidehaltung wurde bisher oft angelastet, dass sie wegen niedrigerer Milchleistungen höhere Methanemissionen pro Liter Milch erzielen würde als eine Stallhaltung mit hohem Kraftfutter- oder Maisanteil in der Ration.

Dazu haben Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) auf dem Versuchsgut Lindhof im Rahmen des EU-Projektes „SusCatt“ über ein Jahr hinweg die Milchleistungen von weidenden Jersey-Kühen erfasst und es wurden in mehreren Kampagnen die Methanemissionen der weidenden Kühe von der Doktorandin Cecilia Loza (Abteilung Grünland und Futterbau/Ökologischer Landbau - Professor Friedhelm Taube) gemessen.

Leistung auf der Weide sehr hoch

Die Kühe weideten hierbei in zwei Gruppen jeweils auf einer einfachen Grünlandmischung aus Weißklee und Weidelgras, oder auf einer diversen Mischung mit acht Arten inklusive Wiesenkräutern und weiteren Leguminosen. Zudem erhielten sie täglich im Stall eine geringe ergänzende Kraftfuttergabe von zwei Kilogramm – dies entsprach ungefähr 12 bis 15 Prozent der gesamten Trockenmasseaufnahme. Gerade artenreiche Grünlandbestände haben den Vorteil, dass sie weitere Ökosystemdienstleistungen erbringen: Zum Beispiel liefern sie Nektar für blütenbesuchende Insekten.

Das überraschende Resultat der Forschungsarbeit, die unlängst in der internationalen Fachzeitschrift Agriculture publiziert wurde: Die Milchleistungen der Kühe waren nicht nur generell sehr hoch und vergleichbar mit Jersey-Kühen aus einer anderen Studie, die bei gleichem Körpergewicht 61 Prozent Kraftfutter in der Ration aufgenommen haben – die Milchleistung konnte sogar noch zusätzlich auf den artenreichen Beständen signifikant gesteigert werden und lag in der frühen Laktationskurve im Mittel bei bis zu 30 Kilogramm Standardmilch (ECM) pro Kuh und Tag.

Acht bis Zehn Gramm Methan pro Kilogramm Standardmilch

Da Jersey-Kühe mit etwa 430 Kilogramm Körpergewicht wesentlich leichter sind als solche der Rasse Holstein-Friesian, sind das extrem hohe Leistungen bezogen auf das Körpergewicht. Diese Milch ist zudem von exzellenter Qualität mit Fettgehalten von durchschnittlich fünf bis sechs Prozent.

Die Methanbildung war zwar auch mit ca. zehn Prozent leicht gesteigert, doch blieben die Methanemissionen insgesamt mit ca. acht bis zehn Gramm Methan pro Kilogramm Standardmilch auf einem im Vergleich zur internationalen Literatur sehr niedrigen Niveau.

Zusatzleistungen für die Artenvielfalt

Die Wissenschaftler führen diesen Effekt auf die exzellenten Futterqualitäten und hohen Futteraufnahmen auf der Weide zurück, die mit dem sehr jungen Weidefutter angeboten worden war. Um das zu erreichen, rotierten die Kühe auf etwa 15 Teilflächen bis zu zehnmal im Jahr. „Wir kombinieren hier den Zuchtfortschritt der Futterpflanzenzüchtung der letzten 20 Jahre mit optimiertem Weidemanagement“, so Dr. Carsten Malisch, wissenschaftlicher Koordinator der Studie. „Mit dieser Arbeit können wir zeigen, dass eine weidebasierte Milchproduktion sehr hohe Milchleistungen mit sehr niedrigen Methanemissionen verbinden und somit zum Klimaschutz beitragen kann – und gleichzeitig werden damit Zusatzleistungen für die Artenvielfalt bereitgestellt – ohne Importfuttermittel, denn das notwendige Protein im Futter liefert der Klee.“