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Tierhaltung

Magenfreundlich füttern

Fütterung
Michael Götz
am Montag, 23.03.2020 - 08:43

Zu feines Futter führt bei Schweinen zu Magengeschwüren und Blutungen. Der Feinanteil im Futter sollte deshalb nicht über 40 Prozent liegen.

B_5_Markus Kretz

Die Futterstruktur spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit des Magen-Darmtraktes, das machte Markus Kretz beim Forum der Tier & Technik in St. Gallen in der Schweiz deutlich. Der Experte von der Futtermühle Amrein, die sich auf Schweinefutter spezialisiert hat, stützt sich auf Aussagen von Xaver Sidler, Professor an der Abteilung für Schweinemedizin an der Universität Zürich und auf die Diplomarbeit von Konrad Jund an der Höheren Fachschule HF Agrotechnik in Zollikofen in der Schweiz.

Schweine setzen schwarzen Kot ab oder sie sterben plötzlich. Was können die Ursachen sein? „Feines Futter führt zu vermehrten Magengeschwüren, was Magenblutungen hervorrufen kann“, sagt Sidler. Die schwarze Farbe stammt von verdautem Blut. Die Blutungen entstehen, weil die Magenschleimhaut gereizt wird und sich entzündet. Das kommt daher, dass es keine Schichtung des Futterbreis mehr gibt, wie es bei grobem Futter der Fall ist. Die Schichtung sorgt dafür, dass das Säure-Basen-Milieu am Mageneingang neutral ist, während der Futterbrei mit fortschreitendem Fluss durch den Magen angesäuert wird. Diese Ansäuerung bremst das Coli-Wachstum.

Hoher Feinanteil verhindert Schichtung

B_3_Abb-2-Gute Futterstruktur-Foto-Amrein FM-AG

Wenn das Futter zu fein ist, gibt es keine Schichtung mehr und der Futterbrei verteilt sich wie eine Sauce. Am Mageneingang wird es zu sauer, was zu Entzündungen und Magengeschwüren führt. Weiter hinten ist das Milieu zu wenig sauer. Die Coli-Bakterien vermehren sich und es kommt zu Durchfallerkrankungen und Ödemen.

Die Ergebnisse der Diplomarbeit zeigen, dass der Anteil von Futterbestandteilen unter 0,5 mm Durchmesser ausschlaggebend für die Gesundheit der Magen-Darm-Schleimhaut ist. Dieser wird als Feinanteil definiert. Bei einem Futter mit einem Feinanteil von unter 40 % traten nur geringe Entzündungen der Magen-Darm-Schleimhaut auf. Deutlich ausgeprägter wurden sie bei Feinanteil-Werten von 50 bis 70 %.

Struktur mit bloßen Augen nicht erkennbar

Mit bloßem Auge ist dem Futter die Struktur allerdings nicht anzusehen. Man sollte meinen, dass Würfel oder Granulate eher eine grobe Struktur aufweisen. Doch dem ist nicht so. Je mehr ein Futter verarbeitet wird, desto höher wird der Feinanteil. „Jedes Mehlfutter ist besser als das weiterverarbeitete Produkt“, betonte Kretz.

„Mit pelletiertem Futter gibt es immer mehr Magenulcera als mit schrotförmigem Futter“, verdeutlichte Kretz. Füttert man allerdings Rohfaser in Form von Heu zu, lässt sich der hohe Feinanteil kompensieren. Das Futter zerläuft im Magen nicht, sondern schichtet sich.

Gut für die Lagerung, aber schlecht für den Magen

B_1_Abb-1-Gesunder Magen-Foto- Amrein FM-AG

Früher haben die Landwirte den Sauen geschrotetes Futter gefüttert. Da die Silos heute größer und aus Kunststoff gefertigt werden, rutscht das Futter schlechter nach als in den alten Stahlsilos. Aus diesem Grund verarbeiteten die Mühlen das Futter vermehrt zu Pellets oder zu Granulat. Dazu muss man allerdings die Getreidekörner zuvor fein mahlen.

Man kann sich das in etwa so vorstellen wie das „Kuchenbacken“ im Sandkasten: Je feiner der Sand, desto besser hält der Kuchen zusammen. Der Schweinehalter kann die Struktur des Futters von Auge nicht beurteilen. Dafür müsste er eine Siebanalyse durchführen.

Kretz empfiehlt den Schweinehaltern deshalb, sich im Schlachthof die Mägen ihrer Tiere anzusehen oder ein umgestandenes Tier zur Obduktion zu geben. Die Mühlen ihrerseits sollten Getreide wieder vermehrt mit Walzenstühlen anstatt mit Schlagmühlen mahlen.