Empfehlung

Leitlinie zum Langstreckentransport von Kälbern

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Max Riesberg
Max Riesberg
am Donnerstag, 16.04.2020 - 12:33

Das Friedrich-Löffler-Institut hat Empfehlungen zum Langstreckentransport nicht abgesetzter Kälber erarbeitet.

Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) hat Empfehlungen speziell für die technischen Voraussetzungen zum Langstreckentransport nicht abgesetzter Kälber erarbeitet. Die tierschutzfachliche Bewertung der Experten um Michael Marahrens und Lars Schrader können nun im Internet unter https://www.fli.de/de/publikationen/informationen-zu-tierschutz-und-tierhaltung/ abgerufen werden. Sie dienen vor allem den Genehmigungsbehörden der Bundesländer als Hilfestellung bei der Transportmittelzulassung. Folgende Kernaussagen können zusammengefasst werden:

  • Die Verabreichung der Fütterungstränke (MAT, Milch) erfolgt über eine verformbare Gummizitze für den zweiphasigen Saugakt (kein Überdruck im System).
  • Bereits beim ersten Saugakt muss Tränke ins Maul der Tiere gelangen (kein „Leersaugen“).
  • Milch- oder Milchaustauscher-Tränke sollten bei der Verabreichung temperiert sein (> 30 °C).
  • Zur Vermeidung von Akzeptanz- und Verdauungsproblemen sollte die Tränke nicht angesäuert sein.
  • Alle Kälber einer Gruppe im Fahrzeug müssen gleichzeitig Tränke aufnehmen können.
  • Jedem Kalb muss zur Vermeidung der Unterversorgung der für eine Mahlzeit erforderliche Energie- und Proteingehalt sowie das entsprechende Tränkevolumen (> 3 Liter, im Winter > 4 Liter) bereits bei Beginn zur Verfügung stehen (kein „Nachfüllen“).
  • Jedes Kalb muss durch einen Betreuer so an das Fütterungssystem herangeführt werden können, dass ihm ausreichend Zeit für eine bedarfsgerechte Versorgung bleibt.
  • Die mitzuführenden Futtervorräte müssen der Gesamtzahl der transportierten Kälber entsprechen. Hinzuzurechnen ist das Füllungsvolumen des Fütterungssystems.

Veredelungspräsident Gerhard Stadler vom Bayerischen Bauernverband fordert eine schnelle und pragmatische Lösung: „Die Leitlinien des FLI sind Empfehlungen. Inwieweit diese anzuwenden sind, muss in Bayern gegebenenfalls auch gerichtlich geklärt werden. Die bayerischen Milchviehhalter dürfen nicht länger benachteiligt werden. So ist in Baden-Württemberg in Folge des Urteils von Sigmaringen weiterhin die Abfertigung möglich, sofern die Fahrzeuge eine EU-Zulassung haben. Wir brauchen undbedingt eine faire Lösung für alle.“