Schweinemast

Nach Lebendgewicht füttern

ferkelfütterung
Wolfgang Preißinger, Simone Scherb, Günther Propstmeier, LfL Tierernährung, Schwarzenau
am Dienstag, 23.03.2021 - 14:03

Gewichtsunterschiede zwischen leichten und schwereren Ferkeln vergrößern sich im Laufe der Aufzucht. Eine gewichtsorientierte Futterumstellung ist zielführender als eine terminorientierte. Dabei muss man auf die Kosten achten.

Auf einen Blick

  • Bei gleicher Fütterung schneiden die beim Absetzen leichteren Ferkel in der Aufzucht bei den Tageszunahmen deutlich schlechter ab.
  • Die Unterschiede vergrößern sich insbesondere im zweiten Fütterungsabschnitt.
  • Neben einer speziellen Fütterungsstrategie erscheint eine gewichtsorientierte Futterumstellung zielführender als eine terminorientierte.
  • Zu beachten ist die Einsatzdauer hoch verdaulicher, teurer Futtermittel, damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen.

Unterschiedliche Absetzgewichte

Aus der landwirtschaftlichen Praxis wird insbesondere bei großen Würfen von einer zunehmenden Anzahl leichter Ferkel (Geburtsgewicht < 1 kg) berichtet. Zum Zeitpunkt des Absetzens ergeben sich somit Lebendmassen (LM), die zwischen 5 bis über 11 kg schwanken. In drei Versuchen am Staatsgut in Schwarzenau wurde deshalb untersucht, welche Wachstumskurven leichte Ferkel und schwere Ferkel bei gleicher (Versuch 1) und differenzierter Fütterung (Versuche 2 und 3) erzielen.

Bei gleicher Fütterungsstrategie schnitten die zum Zeitpunkt des Absetzens leichten Ferkeln in der Auf-zucht bei den Tagezunahmen deutlich schlechter ab. Eine anfängliche LM-Differenz von 2 kg vergrößerte sich im Laufe der Aufzucht auf 5,5 kg. Die Unterschiede vergrößerten sich insbesondere im zweiten Fütterungsabschnitt.

Auch ein über zwei Wochen nach dem Absetzen eingesetztes höher verdauliches Futter (Versuch 2) führte nicht zum gewünschten Erfolg. Eine LM-Differenz von etwa 1,8 kg vergrößerte sich im Laufe der Aufzucht auf immerhin noch 4,5 kg. Dabei ergaben sich höhere Futterkosten durch das höherwertige Futter von etwa 1 € pro kg Ferkel, was die Kosten pro kg Zuwachs gegenüber den schwereren Tieren um 0,14 € verteuerte. Eine weitere Differenzierung der Fütterung im Versuch 3 vergrößerte eine anfängliche LM-Differenz von 2,5 auf 4 kg. Dabei ergaben sich bei einem gegenüber dem Versuch 2 insgesamt höheren Futterverbrauch der leichten Ferkel um 3,60 € höhere Futterkosten pro Ferkel gegenüber den schweren Tieren. Die Futterkosten pro kg Zuwachs stiegen im Vergleich zu den schwereren Tieren dabei um 0,20 € an.

Das Futter nach Gewicht der Tiere umstellen

Neben einer speziellen Fütterungsstrategie leichter Ferkel zum Zeitpunkt des Absetzens erscheint eine gewichtsorientierte Futterumstellung zielführender als eine terminorientierte. Die Futterkosten sind dabei im Auge zu behalten und können gegebenenfalls mit besseren Erlösen durch den Verkauf von mehr Qualitätsferkeln abgepuffert werden. Zu beachten ist die Einsatzdauer hoch verdaulicher und somit auch teurer Futtermittel, damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Weitere Versuche mit unterschiedlich schweren Ferkeln sind notwendig.
Im Mittel von Versuch 1 lagen die täglichen Zunahmen in der Gruppe „schwer“ um rund 90 g höher als in der Gruppe „leicht“ (474 gegenüber 387 g). Im Abschnitt 1 wurden Tageszunahmen von 324 g (schwere Tiere) und 246 g (leichte Tiere) erzielt. Die entsprechenden Werte für den 2. Auswertungsabschnitt belie-fen sich auf 632 g (Gruppe „schwer“) und 534 g (Gruppe „leicht“). Die Unterschiede waren in beiden Auswertungsabschnitten und im Versuchsmittel signifikant. In Abbildung 1 ist die LM-Entwicklung der Ferkel im Verlauf der Aufzucht dargestellt.
Die schweren Tiere verbrauchten im Durchschnitt 170 g mehr Futter als ihre leichten Artgenossen (837 g gegenüber 667 g pro Tag). Im Abschnitt 1 wurde ein Futterverbrauch von 484 g (schwere Tiere) und 387 g (leichte Tiere) festgestellt. Die entsprechenden Werte für den zweiten Auswertungsabschnitt beliefen sich auf 1208 g und 961 g. Die Unterschiede waren in beiden Auswertungsabschnitten und im Versuchsmittel signifikant. Aus der Abbildung 2 wird ersichtlich, dass sich beim Futterverbrauch die größten Differenzen in der 4. Aufzuchtwoche ergaben.

Höherer Futterverbrauch pro kg Zuwachs

Mit 1,77 kg (Gruppe „schwer“) und 1,71 kg (Gruppe „leicht“) wurde im Versuchsmittel ein signifikanter Effekt auf den Futteraufwand pro kg Zuwachs festgestellt. Während sich im ersten Abschnitt mit Werten von 1,50 kg bei den schweren und 1,57 kg bei den leichten Tieren noch kein statistisch absicherbarer Einfluss zeigte, so hatten im zweiten Abschnitt die schweren Tiere mit 1,92 kg gegenüber 1,78 kg (leichte Tiere) einen signifikant höheren Futteraufwand pro kg Zuwachs.
Auch im Versuch 2 lagen die täglichen Zunahmen im Versuchsmittel in der Gruppe „schwer“ höher. Gegenüber Versuch 1 schrumpfte jedoch der Abstand zwischen den Gruppen um rund 25 g auf 64 g. Im Abschnitt 1 wurden Tageszunahmen von 322 g (schwere Tiere) und 301 g (leichte Tiere) erzielt. Die entsprechenden Werte für den 2. Auswertungsabschnitt beliefen sich auf 704 g (Gruppe „schwer“) und 594 g (Gruppe „leicht“).
Die schweren Tiere verbrauchten im Durchschnitt knapp 140 g mehr Futter als ihre leichten Artgenossen. Im Abschnitt 1 wurde ein Futterverbrauch von 515 g (schwere Tiere) und 430 g (leichte Tiere) festgestellt. Die entsprechenden Werte für den 2. Auswertungsabschnitt beliefen sich auf 1156 g und 960 g.
Mit 1,61 kg (Gruppe „schwer“) und 1,57 kg (Gruppe „leicht“) wurde im Versuchsmittel ein praxisüblicher Futteraufwand pro kg Zuwachs festgestellt. Signifikante Unterschiede zeigten sich im Versuchsmittel nicht. Während sich im Abschnitt 1 mit Werten von 1,57 kg bei den schweren und 1,44 kg bei den leichten Tieren noch ein statistisch absicherbarer Einfluss zeigte, so war der Futteraufwand pro kg Zuwachs im Abschnitt 2 mit 1,73 kg (leichte Ferkel) bzw. 1,72 kg (schwere Ferkel) nahezu gleich hoch.

Schwere Ferkel haben höhere Tageszunahmen

Wie in den Versuchen 1 und 2 lagen die täglichen Zunahmen im Mittel von Versuch 3 in der Gruppe „schwer“ höher. Gegenüber den Versuchen 1 und 2 schrumpfte der Abstand zwischen den Gruppen auf rund 40 g. Betrachtet man den 1. Auswertungsabschnitt mit der sehr differenzierten Fütterung so war der Unterschied zwischen den Gruppen mit 27 g zwar gering, aber immer noch signifikant. In diesem Abschnitt wurden Tageszunahmen von 383 g (schwere Tiere) und 356 g (leichte Tiere) erzielt.
Im 2. Abschnitt, in dem die leichten Ferkel noch eine Woche lang das FAF I erhielten, betrug der Unterschied bei den Tageszunahmen rund 50 g (659 g gegenüber 711 g). Nach 7-wöchiger Aufzucht erreichten die leichten Ferkel die Lebendmasse, welche schwere Ferkel bereits nach 6 Wochen erreicht hatten.
Die schweren Tiere verbrauchten im Durchschnitt knapp 70 g mehr Futter als ihre leichten Artgenossen. Im Auswertungsabschnitt 1 mit der sehr differenzierten Fütterung wurde ein Futterverbrauch von 570 g (schwere Tiere) und 560 g (leichte Tiere) festgestellt. Signifikante Unterschiede zeigten sich im 2. Auswertungsabschnitt mit 1095 g bei den leichten und 1224 g bei den schweren Ferkeln.
Der Futteraufwand lag im Abschnitt 1 bei 1,56 und 1,51 kg und im Abschnitt 2 bei 1,64 und 1,69 kg. Mit 1,62 kg (Gruppe „leicht“) und 1,63 kg (Gruppe „schwer“) wurde im Versuchsmittel ein nahezu identischer Futteraufwand pro kg Zuwachs festgestellt.
Auf die Kotbeschaffenheit hatten die unterschiedlichen Lebendmassen zum Zeitpunkt des Absetzens der Ferkel keinen Effekt. In den Versuchen 1 und 2 wurde der Kot der schweren Ferkel mit 2,1 und der der leichten Ferkel mit 2,0 als normal bewertet. Auch im Versuch 3 wurde in beiden Gruppen die Kotbeschaffenheit im Mittel mit der Note 2,3 als normal bewertet. In den ersten beiden Wochen des Versuchs 3 zeigte sich bei den leichteren Ferkeln ein etwas weicherer Kot.

Höhere Futterkosten bei den leichten Ferkeln

Zum Zeitpunkt der Versuchsdurchführung errechneten sich für Versuch 1 Kosten von 24,8 €/dt für das FAF I und von 24,2 €/dt für das FAF II (siehe Tabelle 2). Aufgrund einer leicht verändertet Rezeptur beliefen sich in den Versuchen 2 bzw. 3 die Kosten für das FAF I auf 25,1 bzw. 25,2 €/dt und für das FAF II auf 24,8 bzw. 24,9 €/dt. Der hohe Preis des Ergänzungsfutters von 130 €/dt verursachte in den Versuchen 2 und 3 für die eingesetzten Absetz- und Übergangsfutter Kosten von 73,0 €/dt und 49,3 €/dt.
Im Versuch 1 verbrauchten die leichten Tiere weniger Futter als die schweren. Durch das teure Absetzfutter hatten die leichten Tiere von Versuch 2 knapp 1 € höhere Futterkosten pro Ferkel. Umgerechnet auf das kg Zuwachs waren bei den leichten Tieren die Kosten um 14 Cent höher als bei den schweren Tieren.
Noch deutlicher fiel der Unterschied im Versuch 3 auf. Aufgrund des relativ hohen Futterverbrauchs der leichten Ferkel und des verlängerten Einsatz der teuren Absetz- und Übergangsfutter ergaben sich bei den leichten Ferkeln 3,60 € höhere Futterkosten pro Tier. Allein das über den Ferkelsprinter eingesetzte Futter machte dabei hochgerechnet auf alle leichten Ferkel 0,47 € pro Tier aus. Pro kg Zuwachs verursachten somit die leichten Tiere 20 Cent höhere Futterkosten als ihre schweren Artgenossen.
Im Versuch 1 mussten vier Ferkel aus der Gruppe mit den schweren und ein Tier aus der Gruppe mit den leichten Ferkeln aus dem Versuch genommen werden. Insgesamt wurden zwölf der in die Auswertung einbezogenen Tiere (jeweils sechs aus jeder Versuchsgruppe) medikamentös behandelt. Hauptursachen waren Fundamentprobleme und Husten. Im Versuch 2 wurde jeweils ein Tier aus jeder Versuchsgruppe aus dem Versuch genommen. Insgesamt zehn der in die Auswertung einbezogenen Tiere wurden medikamentös behandelt (sieben Tiere der Gruppe „schwer“ und drei der Gruppe „leicht“). Hauptursachen waren Fundamentprobleme. Im Versuch 3 wurden jeweils drei Tiere pro Versuchsgruppe medikamentös behandelt, es fiel kein Tier aus.

Berechnete Werte weitestgehend bestätigt

Im Versuch 1 stimmten die analysierten Gehalte an Rohfaser, Lysin, Methionin und Threonin im Rahmen der Analysenspielräume mit den vorab kalkulierten Werten überein, wenn auch die Analysenwerte bei den Aminosäuren eher im unteren Bereich lagen. Niedriger als kalkuliert waren die Rohprotein-, Tryptophan- und Cystingehalte. Im FAF I wurde gegenüber der Kalkulation ein höherer Kalziumgehalt und im FAF II ein niedrigerer Phosphorgehalt gemessen.
Im Versuch 2 stimmten Deklaration und Analysen des eingesetzten Ergänzungsfutters sehr gut überein. Auch der Großteil der analysierten Inhaltsstoffe der FAF und des Absetzfutters stimmte im Rahmen der Analysenspielräume gut mit den vorab kalkulierten Gehaltswerten überein. Ausnahme war Cystin. Hier wurden durchgehend niedrigere Gehalte ermittelt. Im FAF II wurde außerdem ein höherer Kalzium- und niedrigerer Methioningehalt analysiert.
Im Versuch 3 stimmten beim Absetz- und Übergangsfutter die analysierten Gehaltswerte im Rahmen der Analysenspielräume sehr gut mit den kalkulierten Werten überein. Beim FAF I und II lagen die analysierten Gehalte an Rohprotein, Methionin, Cystin und Threonin niedriger als die kalkulierten Werte. Mit Ausnahme des Cystins im FAF II waren diese außerhalb der Analysenspielräume. Die analysierten Gehalte an Lysin waren zwar niedriger als kalkuliert, lagen aber noch innerhalb der Analysenspielräume. Ansonsten stimmten auch beim FAF I und FAF II die analysierten Gehaltswerte im Rahmen Analysenspielräume gut mit den kalkulierten Werten überein. In allen Versuchen ergaben sich bei den FAF I und FAF II höhere Gehalte an ME als vorab kalkuliert.

Versuchsdurchführung

Die Versuche wurden am Staatsgut in Schwarzenau durchgeführt. Dabei wurden jeweils 192 Tiere nach Lebendmasse (LM) auf zwei Gruppen mit schweren und leichten Ferkeln aufgeteilt. Die Ferkel waren dabei im Mittel 28 Tage alt. Es ergaben sich folgende Versuchsgruppen:

Versuch 1:

  • Gruppe „schwer“: mittlere LM beim Absetzen: 9,6 ± 0,9 kg.
  • Gruppe „leicht“: mittlere LM beim Absetzen: 7,6 ± 0,9 kg.
  • Versuch 2:

  • Gruppe „schwer“: mittlere LM beim Absetzen: 9,0 ± 0,9 kg.
  • Gruppe „leicht“: mittlere LM beim Absetzen: 7,2 ± 1,0 kg.
  • Versuch 3:

  • Gruppe „schwer“: mittlere LM beim Absetzen: 9,0 ± 0,8 kg.
  • Gruppe „leicht“: mittlere LM beim Absetzen: 6,6 ± 0,8 kg.
  • In Gruppe „leicht“ des dritten Versuchs wurde in der Bucht mit den leichtesten Ferkeln (mittlere LM 5,6 kg) 14 Tage zusätzlich noch Futter über einen sogenannten Ferkelsprinter verabreicht.

    Die Versuche gliederten sich in zwei Auswertungsabschnitte von jeweils drei Wochen. Im Versuch 1 wurden den leichten und den schweren Ferkeln in beiden Abschnitten das gleiche Ferkelaufzuchtfutter (FAF) vorgelegt. Im Auswertungsabschnitt 1 erhielten sie ein FAF I, im Abschnitt 2 wurde auf ein FAF II umgestellt. Im Versuch 2 wurde den leichten Ferkeln in den ersten beiden Wochen nach dem Absetzten ein höher verdauliches Absetzfutter vorgelegt. Ab der 3. Versuchswoche erhielten die leichten Tiere das FAF I und ab der 4. Woche das FAF II. Die schweren Tiere erhielten jeweils über drei Wochen ein FAF I und FAF II.

    Im Versuch 3 wurde ein Absetzfutter die ersten zwei Wochen nach dem Absetzen eingesetzt, das in der 3. Aufzuchtwoche mit dem FAF I im Verhältnis 1 zu 1 verschnitten wurde. In der 4. Woche kam das FAF II zum Einsatz, die Umstellung auf das FAF II erfolgte bei ca. 18 kg LM erst nach der 4. Versuchswoche. Die schweren Ferkel wurden wie in den Versuchen 1 und 2 gefüttert.

    Die Ermittlung des Futterverbrauchs erfolgte täglich für jede Bucht über eine Spotmix Waage- und Transporteinheit. In Versuch 3 wurden in der Bucht mit den leichtesten Ferkeln die über den Ferkelsprinter verabreichten Futtermengen notiert. Nicht verbrauchtes Futter aus der Spotmixanlage in dieser Bucht wurde zurückgewogen.

    Die LM der Ferkel wurden wöchentlich erfasst. Während der Versuche wurde der Kot einmal in der Woche bonitiert. Die Futtermischungen wurden in Schwarzenau hergestellt und im Futtermittellabor Grub analysiert. Die Schätzung der ME erfolgte anhand der Mischfutterformel.

    Falls Sie noch nicht in den Kupierverzicht eingestiegen sind, woran liegt das?

    Ich habe noch Bedenken, unkupierte Tiere zu halten aus Angst vor Schwanzbeißen
    7% (1 Stimme)
    Ich habe hinsichtlich Schwanzbeißens schlechte Erfahrungen mit unkupierten Tieren gemacht
    64% (9 Stimmen)
    Die Kosten inklusive dem zeitlichen Aufwand für das Halten unkupierter Tiere sind mir zu hoch
    29% (4 Stimmen)
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