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Tierwohl ***aktualisiert***

„Kulap“ für Sauenhalter

Andrea Tölle
Andrea Tölle
am Freitag, 20.05.2022 - 10:00

BayProTier soll die höheren laufenden Kosten und die Mehrarbeit für mehr Tierwohl auszugleichen.

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Mit dem neuen Programm BayProTier sind wir auf einem sehr guten Weg, um Bayerns Bauern zu unterstützen“, sagte die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, als sie am 17. Mai bei einem Hintergrundgespräch das neue Bayerische Programm Tierwohl (BayProTier) vorstellte, und weiter: „Nichts wird so intensiv diskutiert wie das Thema Tierwohl. Wenn dieses in den Ställen passt, ist die Akzeptanz der Nutztierhaltung in den Ställen gegeben.“

Interessierte Sauenhalter und Ferkelerzeuger können vom 1. bis 30. Juni ihre Anträge dafür stellen. Das Programm soll dann im Juli beginnen. Bayern will damit nicht auf die Unterstützung des Bundes für Sauenhalter und Ferkelerzeuger warten.

Kosten ausgleichen

Ziel sei es, die Kosten tierwohlfördernder Maßnahmen für die Betriebe auszugleichen. „Mit unserem Programm stellen wir sicher, dass das Geld genau dort ankommt, wo die Kosten für mehr Tierwohl entstehen – nämlich in den Betrieben“, so Kaniber.

Das Programm umfasst zwei Stufen: Zum einen die Komfortstufe als Einstieg in mehr Tierwohl. Daneben gibt es eine Premiumstufe mit deutlich höheren Standards.

Vorgaben für den Bereich Zuchtsauen und Ferkelaufzucht sind unter anderem mehr Platz für die Tiere, mit Stroh eingestreute Liegeflächen und die Möglichkeit des Auslaufs ins Freie.

Der modulartige Aufbau des Programms ermöglicht es, Verbesserungen auch in einzelnen Haltungsbereichen wie Wartestall, Abferkelstall und Ferkelaufzucht zu honorieren. Damit kann man dann erst mal auch nur einen Teil seines Betriebs umstellen.

Modulartiger Aufbau wie beim Kulap

Ministerialrat Peter Rabauer erläuterte einige Punkte. So erfordere der in der Premiumstufe geforderte Außenklimareiz keinen Auslauf, man kann ihn auch im Offenfrontstall erreichen. Die Komfortliegefläche im Wartestall der Komfortstufe könne auch eine Matte sein. Nur Beschäftigungsmaterial reiche in diesem Fall jedoch nicht aus.

Der modulartige Aufbau ermöglicht es, die Förderung ähnlich wie beim Kulap zu beantragen: Für Bewirtschaftungs-Erschwernisse (Mehraufwand) bekommt man eine Entschädigung.

Das Programm muss zwar von der EU noch genehmigt werden, man ist im Ministerium aber sehr zuversichtlich, dass die Genehmigung in den nächsten Tagen erfolgt. Mit dem Programm soll der Druck auf die Bundesregierung erhöht werden, die ja die Ratschläge der Borchert-Kommission derzeit auf Eis gelegt hat.

Drängende Fragen zu BayProTier

Vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten haben wir noch ein Paar Antworten zu drängenden Fragen zum Bayerischen Tierwohlprogramm BayProTier erhalten:

  • Sie erwarten die Zustimmung der EU zu diesem Programm täglich. Was ist, wenn die Zustimmung nicht bis Anfang Juni erfolgt?

"Die Landwirtinnen und Landwirte können, unabhängig der Zustimmung der EU, ab 1. Juni Förderanträge für das neue Tierwohlprogramm BayProTier stellen. Die Bewilligung der beantragten BayProTier-Förderung kann jedoch erst erfolgen, wenn die Genehmigung der BayProTier-Richtlinie durch die Europäische Kommission erteilt wurde. Die Europäische Kommission hat bereits Rückfragen gestellt, die von unserem Haus beantwortet worden sind. Bisher sind keine Signale erkennbar, die einer Genehmigung entgegenstehen würden. Das heißt, dass sich allenfalls die Bewilligung verzögert. Unabhängig davon muss der Landwirt aber trotzdem ab 1. Juli die Förderbedingungen einhalten, wenn er eine Zuwendung des Programms BayProTier erhalten will. Sobald die Zustimmung der EU vorliegt, kann die Landwirtschaftsverwaltung den Förderantrag offiziell bewilligen. Sollten sich durch die EU wider Erwarten Änderungen in den Richtlinien ergeben (z.B. weitere Auflagen), kann der Landwirt über das weitere Vorgehen entscheiden. Er kann jederzeit vom Förderprogramm zurücktreten oder er erklärt sich mit den zusätzlichen Änderungen einverstanden, über die er entsprechend informiert wird."

  • Bei dem Programm gibt es eine Tier-Kopf-Prämie: Besteht damit nicht die Gefahr, dass die Medien/die Verbraucher wieder wettern, dass große Betriebe mehr Förderung erhalten?

"Unser Blick ist schon immer sehr stark auf die für Bayern typische kleinstrukturierte Landwirtschaft gerichtet. Das Programm richtet sich durch die Deckelung vor allem an kleine und mittlere Betriebe. Die Förderung ist zum einen durch EU-Vorgaben auf 500 Euro pro Großvieheinheit (ca. 150 Euro pro Zuchtsau) begrenzt und zum anderen auf maximal 300 Zuchtsauen und 7500 Absatzferkel pro Jahr beschränkt."

  • Für heuer können ja nur Betriebe mitmachen, die bereits Tierwohlmaßnahmen umsetzen. Wie kann ich planen, dass ich nächstes Jahr mitmache? Reicht dann ein Bauantrag für einen Umbau oder muss der Umbau dann bereits erfolgt sein?

"Das Programm BayProTier ist keine nur kurzfristig wirkende Feuerwehrmaßnahme. Es ist geplant, das Programm langfristig anzubieten. Teilnehmen können nur die Betriebe, die Tierwohlmaßnahmen zu Beginn des jeweiligen Verpflichtungszeitraumes bereits umgesetzt haben. Durch den modularen Aufbau ist es nicht notwendig, bereits in allen Bereichen umgebaut zu haben. Ein alleiniger Bauantrag ist für die Teilnahme an dem Programm nicht ausreichend, weil unser Tierwohlprogramm den Haltungsaufwand honoriert, nicht die Baukosten. Betriebe, die zu einem späteren Zeitpunkt einsteigen wollen, können sich für die freiwillige Umsetzung höherer Tierhaltungsstandards an den aktuellen Vorgaben orientieren."

Informationen zum Bayerischen Tierwohlprogramm BayProTier finden interessierte Landwirte im Förderwegweiser des StMELF.