Besamung

Krimi im Kuhstall: Vaterschaftstest ist nötig

Besamung-Chargendatum-Sperma-Pailette_MR
Franziska Popp, LfL Tierzucht, Grub
am Donnerstag, 08.04.2021 - 16:59

Beim Erfassen aller für eine Besamung von Nutztieren relevanten Daten ist besondere Sorgfalt geboten, wie ein aktueller Verwechslungsfall aufzeigt.

Besamun-Chargendatum-EIntragung-Herdenmanager_MR

An einer Besamungsstation war vergangenes Jahr das Sperma zweier Bullen an einem Sprungtag verwechselt worden und somit kamen vertauschte Besamungspailletten in den Umlauf. Als der Fehler den Verantwortlichen auffiel, konnte zwar leicht nachvollzogen werden, an wen die entsprechenden Chargen geliefert wurden, jedoch hatten die Verwender des Samens die entsprechenden Chargennummern der Besamungspailletten bei der Besamungsmeldung vergessen aufzuschreiben, sodass letztlich nicht mehr nachvollziehbar war, ob die Besamung mit dem vertauschten Sperma erfolgt war, oder mit dem Sperma weiterer gelieferter korrekter Chargen der betroffenen Bullen.

Abstammung aberkannt und Neuuntersuchung

Samen-Stickstoffcontainer_MR

Tieren aus Besamungen mit solchen Spermapailletten musste vorerst die Abstammung aberkannt werden. Erst nach einer bestätigten Abstammungsuntersuchung/ Genotypisierung, die in diesem Fall die für die Verwechslung verantwortliche Besamungsstation zahlte, kann diese wieder anerkannt werden. Sollte es jedoch bei einem Besamer, z. B. Eigenbestandsbesamer oder Tierarzt, zu weitaus mehreren Tieren mit fraglicher Abstammung kommen, als ihm Spermapailletten der betroffenen Charge geliefert worden waren, fiel die Erstattung der Besamungsstation verständlicherweise nur im Umfang der tatsächlichen Liefermenge aus. Bei manchen Verwendern ergaben sich jedoch weitaus mehr zu untersuchende Tiere, da sich durch das fehlende Erfassen der Chargennummer nicht mehr nachverfolgen ließ.

Das Institut für Tierzucht der LfL weist darauf hin, dass nach § 8 Absatz 1 Satz 2 der Samenverordnung und § 15 Absatz 3 Tierzuchtgesetz der „Verwender“ gesetzlich verpflichtet ist, Aufzeichnungen über die „Angaben, mit denen der Samen gekennzeichnet ist“ zu machen. Zu diesen Angaben gehört unter anderem das Gewinnungsdatum oder alternativ eine Chargennummer mithilfe derer eindeutig auf ein bestimmtes Ejakulat geschlossen werden kann. In allen gängigen Webanwendungen, Apps und Papierformaten ist es somit möglich bzw. erforderlich dieses Gewinnungsdatum bzw. diese Chargennummer einzugeben.

Nur durch Beauftragten verwendev

Des Weiteren sei darauf hingewiesen, dass Sperma, welches sich in Hofcontainern bei Landwirten befindet, nur durch den beauftragten Verwender auf dem eigenen Betrieb versamt werden darf. Dies ist im Normalfall der auf dem Betrieb arbeitende Eigenbestandsbesamer (Landwirt selbst oder entsprechend ausgebildete Mitarbeiter). Samenpailletten aus dem Hofcontainer dürfen nicht mehr an Tierärzte, Besamungstechniker oder gar Berufskollegen zum Versamen abgegeben werden. Eine Abgabe von Samen darf nach §14 Absatz 1 TierZG nur durch zugelassene Besamungsstationen/-depots erfolgen.