Mobiler Hühnerstall

Kompakte, robuste Technik

Thumbnail
Florian Maucher
am Donnerstag, 20.12.2018 - 13:20

Große Mobilstallanbieter für Hühner gibt es viele. Kleine Ställe sind dagegen rar. Tobias Baumgartner aus Breitenbrunn im Kreis Unterallgäu konstruiert und baut seit zwei Jahren technisch schlichte Ställe für kleine Bestände.

Die kleindimensionierte Hühnerhaltung liegt im Trend. Vielerorts sieht man neu gebaute stationäre und mobile Hühnerställe. Dem einen dient es zur Selbstversorgung, der andere nutzt es als Zubrot über die Direktvermarktung. Als Hobby fing die Hühnerhaltung auch für Tobias Baumgartner an: „Ich hab schon seit dem Jugendalter Hennen im Garten und das ist bis heute so geblieben – das ist ein toller Ausgleich zur ganztägigen Büroarbeit“, erklärt der 29-jährige Hobbylandwirt aus Breitenbrunn nahe Mindelheim.

Thumbnail

„Vor ein paar Jahren war mein erster Stall dann marode und ich musste eine Lösung für einen neuen Stall finden. Also habe ich mit ersten Entwürfen angefangen“, erklärt der Konstrukteur, der bei einem namhaften Maschinenbauer in der Region tätig ist. Auf Basis der besten Ideen der am Markt vertretenen Mobilstallanbieter entwarf er ein für sich passendes Modell, das Platz für maximal 70 Tiere nach Ökorichtlinien bietet. 2016 war die Planzeichnung in die Praxis umgesetzt. Fast gleichzeitig hatte er schon die erste Anfrage für den Bau eines weiteren Stalles auf dem Schreibtisch liegen: „Ich hatte da noch nicht einmal Bilder, sondern nur ein 3-D-Modell zum Zeigen.“

So einfach wiemöglich gestaltet

Inzwischen hat er schon einige Erfahrung gesammelt und mehrere Ställe deutschlandweit verkauft. „Meine Ställe zeichnen sich dadurch aus, dass sie so einfach wie möglich gestaltet sind – also ohne viel technischen Schnickschnack. Dadurch ist der Stall sehr wartungsarm und es kann kaum was kaputtgehen“, betont der umtriebige Stallbauer, der die Mobilheime in seiner Freizeit und im Handwerksbetrieb des Vaters fertigt.

Thumbnail

Als Grundausstattung zählt er auf: „Wassertank und Nippeltränken sowie Futterbehälter für je eine Woche Vorrat. Dazu noch eine Auslaufklappe und Licht plus Steuerung und eine Batterie, damit man beides auch ohne Kabelanschluss nutzen kann. Die Elektronik ist aber bewusst so einfach gehalten, dass das jeder Elektriker reparieren kann, falls was kaputtgehen sollte“, so der gelernte Mechatroniker.

Dieselbe Ausstattung findet sich auch im Modell für 100 Hennen nach Biorichtlinien. Größere Modelle möchte Baumgartner nicht bauen. „Davon gibt es genug am Markt“, kennt er die Nische, die er bedienen will. 2 mal 4 m bzw. 2,2 mal 5 m Stallfläche messen seine beiden Modelle, die inklusive Achse auf eine Gesamtlänge von 5,5 bzw. 6,5 m kommen und damit sechs Hühnern pro m² Platz bieten. Die Innenraumhöhe beträgt bei beiden Hängern 2,2 m. Der unter den Sitzstangen und Fütterung positionierte Kaltscharrraum reicht über die gesamte Stalllänge und misst 1 bzw. 1,1 m in der Breite. „Der wird stark genutzt und gibt ein wertvolles Plus an Stallfläche“, weiß der Konstrukteur. Bei Auslauf finden die Tiere – im Gegensatz zu manchen anderen Modellen am Markt– auch unter dem Fahrzeug Schutz vor Witterung oder auch Greifvögeln.

Den Kaltscharrraum hat Baumgartner mit Siebdruckplatten ausgestattet. Andere Anbieter nutzen hier OSB-Platten, die seiner Ansicht nach aber zu schnell aufweichen und -quellen. Ebenso mit Siebdruckplatten ist die 30 cm tiefe Kotgrube ausgestattet, die von der Fahrzeuglängsseite aus geöffnet und ausgeräumt werden kann. Die übrigen Stallelemente bestehen aus 60 mm starken Sandwichplatten: „So ist der Stall bei maximaler Besatzdichte bis 20 Grad frostsicher und gut zu reinigen – bei Holz dagegen besteht häufig die Gefahr eines zu hohen Milbendrucks.“

Baumgartner kennt jeden versteckten Winkel seines Stalles: „Wir fertigen vom Fahrgestell bis zum Anschluss der letzten Lampe alles selber.“ Auch die außenliegenden Familieneinstreunester entstehen am Betrieb. Wer die Nester lieber innenliegend haben möchte, bekommt Abrollnester, die er aber zukauft, ebenso wie die übrige Stalleinrichtung rund um Fütterung, weiße Kunststoffspalten über der Kotgrube und die Wasserversorgung. Optional erhältlich ist eine PV-Anlage für den autarken Betrieb sowie ein externer Anschluss für ein Weidezaungerät.

Auf weitere elektrische Einrichtungen wie automatische Lüftung und Fütterung verzichtet der Stallbauer: „Sobald eine Steuerung drin ist, kommt der Tag, wo die Technik Macken hat – dann hast du keine Luft mehr, kein Futter mehr oder die Legenester gehen nicht mehr auf.“ Die Lüftung hat er manuell über Firstlüftungsklappen geregelt: „Über die Öffnung zum Kaltscharraum hab ich eine gute Zirkulation und wenn es im Sommer doch mal wärmer werden sollte, kann man zusätzlich noch die Entmistungsklappe auf voller Fahrzeuglänge aufmachen, dann hat man Durchzug.“ Damit ist auch die Feuchtigkeit im Stall kein Problem. „Im Winter empfiehlt es sich dafür aber, etwas öfter abzumisten.“

Thumbnail

Das Abmisten im Stall sollte im Sommer erfahrungsgemäß alle vier Wochen, im Winter alle zwei Wochen erledigt werden. „Im Winter je nach Witterung eben auch mal öfter.“ Wöchentlich aufgefüllt werden die Wasser- und Futtervorräte: „Wir haben einen 100- beziehungsweise 200-Liter-Wassertank im Fahrzeug, der über einen Schlauch gefüllt werden kann. Wenn der Stall nicht mit einer Wasserleitung erreichbar ist, kann er mithilfe einer Batteriepumpe oder über einen IBC-Container und Frontlader befüllt werden.“

Den 35-kg-Rundfutterautomat füllt Baumgartner händisch mit dem Kübel: „Eine automatische Fütterung rechnet sich erst ab 250 Hennen“, weiß er und setzt deswegen auf verzinkte Behälter mit hohem und nach innen gewölbtem Rand: „Damit liegt die Futterverschwendung nur bei etwa einem Prozent.“

Den Arbeitszeitaufwand empfindet der Hühnerhalter als überschaubar: „Pro Tag brauche ich zehn Minuten zum Eiereinsammeln und für die Kontrolle der Hühner und Technik.“ Futter und Wasser auffüllen kosten ihn pro Woche rund eine Dreiviertelstunde, das Misten dauert jeweils nicht mehr als 20 Minuten. Für das Umsetzen des Stalles kommt alle paar Wochen eine weitere halbe Stunde dazu. Die Zeit investiert er aber gerne: „Durch das Versetzen bietet der Mobilstall den großen Vorteil, dass ich immer wieder eine frische Fläche ohne Keimdruck, kahle Stellen und Pfützenbildung habe.“

Als Kosten für seine Mobilställe kalkuliert Baumgartner rund 140 €/Stallplatz. „Die Anschaffungskosten sind natürlich etwas höher als für einen Feststall, dafür hat der Mobilstall aber später auch noch einen Wiederverkaufswert.“

Weiße oder braune Hennen?

Als Legehennenrasse für seinen Mobilstall hat Tobias Baumgartner mit den Lohmann Braun-Legehybriden beste Erfahrungen gemacht. „Die weißen Legehybriden gehen gerne mal über den Zaun, die braunen dagegen sind sehr zutraulich. Mit 20 Wochen kommen die Junghennen an den Betrieb und werden nach einem Jahr als Suppenhuhn ausgemustert. In Sachen Legeleistung muss man bei den Braunen aber geringe Abstriche gegenüber den Weißen machen.“ Für seine braunen Hybriden gibt er eine Legeleistung von rund 90 % an: Seinen Kunden rät er, ihre Eier nicht unter 30 ct je Ei zu vermarkten. Als Futtergrundlage neben dem Grünfutter hat sich in seinem Stall Legemehlgemisch mit Zusatzweizen bewährt.