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Klimaschutz

Klimaschädliche Milch: Branche wehrt sich gegen einseitigen Bericht

Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 23.08.2022 - 09:26

BBV-Generalsekretär findet Hirschhausens Bericht „respektlos und falsch“. Proteste gibt es auch von Molkereien und Initiative Milch.

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Die Sendung „Wissen vor acht“ vom 17. August 2022 sorgt weiter für Unmut in der Agrarbranche. In der Sendung Prof. Dr. von Hirschhausen der Frage nach: „Wie klimaschädlich ist unsere Milch?

In einem Schreiben an Redaktion und Moderator bezeichnete BBV-Generalsekretär Georg Wimmer als „einseitig, respektlos und falsch". Zudem übermittelte Generalssekretär Wimmer den großen Unmut vor allem der bayerischen Milchbäuerinnen und Milchbauern.

Der Bericht kam zu dem Schluss, dass mit der Erzeugung von Milch eine erhebliche Schädigung der Umwelt einhergehe und der Konsum von Milchprodukten deshalb zu vermeiden sei. 

Wimmer sieht Berufsstand pauschal als Umweltsünder dargestellt

Nach Wimmers Auffassung ist der Bericht einseitig, weil er nicht die Perspektive und die Expertise vieler tausender Betriebe in der Landwirtschaft – häufig Familienbetriebe – aufgreife. Darüber hinaus blende er die wichtige ernährungsphysiologische Bedeutung von Milch völlig aus.

Als „respektlos“ findet der BBV-Generalsekretär die Sendung, weil sie einen gesamten Berufsstand pauschal zum Umweltsünder erkläre, ohne dabei „den Einsatz unserer Landwirtinnen und Landwirte im Kampf gegen den Klimawandel zu berücksichtigen“, heißt es im Schreiben.

BBV-Vorwurf: Zusammenhänge falsch dargestellt

Auch wirft Wimmer dem ARD-Moderator vor, falsch zu berichten. weil Zusammenhänge nicht richtig dargestellt seien. So suggeriere Hirschhausen beispielsweise, der Anbau von Tierfutter könne durch den Anbau von für den menschlichen Verzehr geeigneten pflanzlichen Nahrungsmitteln ersetzt werden. „Das ist weder möglich, noch unter Nachhaltigkeitsaspekten wünschenswert. Denn nachhaltige Landwirtschaft funktioniert nur als Kreislaufwirtschaft. Wir brauchen Nutztiere, um nicht-essbare Biomasse für den Menschen nutzbar zu machen“, argumentiert Wimmer.

Er erwartet, dass Hirschhausen in Zukunft ausgewogener über landwirtschaftliche Themen berichtet. „Ein guter Anfang dafür wäre Ihr nächster „Wissen vor acht“-Bericht, der für den 24.08.2022 unter dem Titel “vom Landwirt zum Klimawirt“ angekündigt ist“, meint Wimmer.

Branche bedauert geringes Interesse

Auf Nachfrage teilt der Milchindustrieverband (MIV) ebenfalls gegen die Sendung schriftlich zu protestieren. Allerdings wolle man den Brief nicht veröffentlichen, um die Diskussion nicht weiter „anzuheizen“, so MIV-Geschäftsführer Eckhard Heuser. Zudem habe der MIV einen Film dazu drehen lassen. Dafür interessiere sich die Redaktion aber nicht, bedauert Heuser.

Zudem bittet die Initiative Milch, bei der Milchindustrie-Verband, Deutscher Bauernverband und Deutscher Raiffeisenverband Gesellschafter sind, zusammen mit der die Gemeinschaft der Milchwirtschaftlichen Landesorganisationen (GML) die Produktionsfirma des Beitrags um ein fachliches Gespräch. Nach Auffassung von Initiative Milch und GML ist eine "so verfälschte Darstellung fachlich, wissenschaftlich und inhaltlich nicht korrekt". Zudem kontaktierten beide Organisationen Hirschhausen für ein Streitgespräch.

 

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