Fütterung

Kein Soja mehr nötig

Raps
Dr. Manfred Weber, Sabine Schmidt, LLG Iden, Dr. Stephan Schneider, Johannes Kraft, Jennifer Brandl, LfL Tierernährung, Grub
am Donnerstag, 10.09.2020 - 15:04

Die bundesweit ermittelten Daten zeigen, dass mit Rapsextraktionsschrot auch heuer gesichert und bedarfsgerecht gefüttert werden kann. Dies gilt sowohl für die Rinder-, als auch für die Schweine- und Geflügelfütterung.

  • Die Nachfrage nach Rapsextraktionsschrot (RES) ist in den letzten Jahren stark gestiegen.
  • Die in Deutschland erzeugte Rapssaat kann den Bedarf der Ölmühlen nicht decken.
  • Neben der Milchviehfütterung hält RES auch in der Schweine- und Geflügelfütterung Einzug.
  • Die großen LEH-Ketten bieten mittlerweile verstärkt auch im Fleischsektor Produkte „Ohne Gentechnik“ an.

Hohe Nachfrage nach Rapsextraktionsschrot

Schwein

Die Nachfrage nach Rapsextraktionsschrot (RES) in der Fütterung ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die als Futtermittel verwendete Menge an RES hat sich von 2009 bis 2019 um über 40 % erhöht und übertrifft momentan deutlich die Menge an Sojaextraktionsschrot (SES). Im Mischfutter wurden 2018/19 rund 2,66 Mio. t RES eingesetzt, dies entspricht 11,2 % des gesamten Mischfutters. Gedeckt wird dieser Bedarf zum größten Teil aus deutschen Ölmühlen, die bei voller Auslastung mittlerweile eine Verarbeitungskapazität für Rapssaat von 9,6 Mio. t im Jahr aufweisen.

Die in Deutschland erzeugte Rapssaat kann den Bedarf der Ölmühlen daher schon lange nicht mehr decken. Zudem sind die heimischen Erntemengen aufgrund der Ertragsrückgänge und Flächeneinschränkungen durch die verringerte Verfügbarkeit von wirksamem Pflanzenschutz seit der letzten Rekordernte in Höhe von rund 6,2 Mio. t in 2014 zurück gegangen. In 2017 standen einer Eigenerzeugung von ca. 4,3 Mio. t ein Import von ca. 5,7 Mio. gegenüber. Im Jahr 2019 hat sich dieses Verhältnis noch weiter zu Gunsten des Imports verschoben, da in Deutschland in Folge des Dürrejahres 2018 nur etwa 2,8 Mio. t Rapssaat geerntet werden konnten. Allerdings haben die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland für die Ernte 2020 wieder rund 90 000 Hektar mehr ausgesät, was auf eine Normalisierung der Erträge hoffen lässt. Die Anbaufläche zur Ernte 2020 entspricht rund 8 % der Ackerfläche Deutschlands, wobei das Niveau früherer Jahre damit bei Weitem noch nicht wieder erreicht wird.

Milchkuhrationen ohne GVO sind Standard

Der hohe Einsatz von RES in der Tierfütterung ist Ausdruck dafür, dass vor allem Rinderhalter dieses Futtermittel schon seit Längerem als Alternative zum SES akzeptieren. Eine wesentliche Grundlage dafür haben umfassende Fütterungsversuche gelegt, die in den letzten Jahren in Koordination zwischen mehreren Landesversuchseinrichtungen und mit maßgeblicher Unterstützung der UFOP durchgeführt worden sind. Inzwischen sind Milchkuhrationen auch im Hochleistungsbereich ganz ohne SES zum Standard geworden und damit auch die mittlerweile geforderte Gentechnikfreiheit der Futtermittel.
Raps

Aber auch im Bereich der Schweine- und Geflügelfütterung beginnt unter den momentanen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ein Umdenken. Die Fütterung „gentechnikfrei“ wird auch bei diesen beiden Spezies vermehrt nachgefragt. Laut repräsentativer Umfrage des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) sind gentechnisch veränderte Lebensmittel das bekannteste Gesundheits- und Verbraucherthema in Deutschland – und sie beunruhigen die Menschen.

Im BfR-Verbrauchermonitor gaben 93 % der Befragten an, von gentechnisch veränderten Lebensmitteln gehört zu haben. Damit lag sogenanntes Genfood im Hinblick auf den Bekanntheitsgrad vor Antibiotikaresistenzen mit 88 % und Pestizidrückständen mit 82 %.

LEH will Produkte aus GVO-freier Fütterung

Aus diesem Grund setzen mittlerweile auch immer mehr Einzelhändler auf tierische Produkte aus GVO-freier Fütterung mit der Bezeichnung „Ohne Gentechnik“. Vorreiter war sicherlich die Milchverarbeitung, aber immer stärker betrifft es auch den Fleischmarkt.
Besonders bei ihren Eigenmarken bieten die großen LEH-Ketten mittlerweile verstärkt auch „Ohne Gentechnik“ erzeugte Schweinefleischprodukte an. Kaufland verkauft z. B. in 600 Märkten 18 verschiedene Schweinefleischprodukte unter diesem Label. Netto listet ebenfalls in all seinen 4170 Filialen Schweinefleischprodukte „Ohne Gentechnik“. Rewe ist sogar mit dem Ziel angetreten, das komplette SB-Schweinefleisch-Sortiment der Eigenmarke sukzessiv und bundesweit auf „Ohne Gentechnik“ umzustellen.
Fütterungsversuche in den deutschen Versuchseinrichtungen zur Verwendung von GVO-freien Futtermitteln haben in den letzten Jahren gezeigt, dass der Einsatz von RES beim Schwein möglich ist. Welche Einsatzempfehlungen zu beachten sind, zeigt die Tabelle, welche auf Empfehlungen der LfL-Information „Futterberechnung für Schweine“, 23. Auflage von 2020, beruhen. In Verbindung mit Leguminosen könnte sogar weitestgehend auf den Einsatz von SES verzichtet werden.
Durch die neue Düngeverordnung, die nur noch eine reduzierte P-Düngung zulässt, ist es auch in der Fütterung notwendig geworden, N- und P-reduzierte Fütterungsstrategien anzuwenden. Im von der UFOP geförderten Monitoring 2019 lag beim RES deshalb der Untersuchungsschwerpunkt wie im Jahr 2018 im Bereich der Mineralstoffe. Besonders der P-Gehalt ist interessant, da dieser gegenüber SES deutlich höher ist. Weiteres Ziel der Untersuchung war die deutschlandweite Ermittlung der entsprechenden Schwankungsbreiten. Unter dieser Maßgabe konnten durch die Landesfütterungsreferenten 69 RES-Proben gezogen und bei der LKS Lichtenwalde auf Inhaltsstoffe untersucht werden.

RES zeigt durchgehend eine hohe Qualität

Raps

Ähnlich den Ergebnissen der Jahre 2005 bis 2014 und 2018 zeigte RES auch in 2019 eine durchgehend gleichmäßig hohe Qualität. Mit einer mittleren Trockenmasse von 88,9 % waren optimale Voraussetzungen für die Lagerung vorhanden. Der Rohfasergehalt bewegt sich etwas oberhalb des Vorjahres bei 126 g/kg Trockenfutter (TF, 88 % TM). Der Fettgehalt liegt mit 38 g/kg TF gegenüber dem letzten Jahr leicht höher und der Eiweißgehalt lag bei durchschnittlich gut 34 %.

Alles dies hat keine Auswirkungen auf den Energiegehalt, der im Jahr 2019 mit 6,3 MJ NEL für die Milchkuh und 9,9 MJ ME für das Schwein lag. Der Energiewert für das Geflügel liegt mit durchschnittlich 8,1 MJ ME etwas über dem Vorjahr.
Sowohl die nXP-Werte (223 g/kg TF) als auch die RNB-Werte (19 g/kg TF) trafen die Werte des letzten Jahres ziemlich genau.
Der Lysingehalt lag im Jahr 2019 mit 18,5 g/kg TF in etwa auf gleicher Höhe wie 2018. Der besonders interessante P-Gehalt lag mit 10,4 g/kg TF ähnlich dem Mittelwert des vorhergegangenen Jahres. Es ist eine Streuung der Werte zu erkennen: die Abweichungen weisen rund 20 % nach oben und unten aus. Da diese Abweichungen aber noch im Bereich des Analysenfehlers liegen, kann von einer recht niedrigen Streuung ausgegangen werden.
Berechnet man aus den Werten für Kalium, Natrium, Chlor und Schwefel die Kationen-Anionen-Bilanz für Rinder (DCAB), welche für die Beurteilung einer eventuell bestehenden Milchfiebergefahr in der Vorbereitungsfütterung bei Milchkühen von Bedeutung ist, erhält man hier Werte von durchschnittlich -93 meq/kg TF. Dieser Wert entspricht dem des letzten Jahres, der gegenüber den Vorjahren deutlich tiefer gelegen hat.

Deklarationen wurden eingehalten

Im Zuge des Monitorings wurden weiterhin die Angaben der Hersteller/Verkäufer von RES in Bezug auf die Rohproteinwerte der verkauften Ware überprüft. Dazu galt es, die Abweichungen der Analysenwerte von den deklarierten Werten festzustellen. Im Säulendiagramm sind diese Abweichungen für jede einzelne Partie dargestellt. Abweichungen nach oben sagen aus, dass bei den Analysen mehr Rohprotein gefunden wurde als deklariert war. Bei nach unten abweichenden Werten lagen die deklarierten Werte höher als die Analysenwerte. Bezieht man die Toleranzen mit ein, haben in diesem Jahr alle Hersteller/Verkäufer die deklarierten Rohproteinwerte mindestens erreicht. Die häufigen Überschreitungen nach oben resultieren aus zu gering deklarierten Werten, die häufig zwischen 30 und 32 % Rohprotein lagen. Dr. Manfred Weber, Sabine Schmidt