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Zoonose

Wenn die Kälberflechte überspringt

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Redaktion Wochenblatt
am Freitag, 27.05.2022 - 08:00

Kälber- oder Rinderflechte: Die Pilzinfektion schwächt die Tiere und der Erreger überträgt sich auch auf Menschen.

Flechte

Wer die Kälber- oder Rinderflechte im Bestand hat, hat ein Problem. Denn die Pilzinfektion schwächt die Tiere, macht sie anfälliger für andere Krankheiten und führt zu Einbußen in der Milchleistung und Mast. Und der Erreger überträgt sich auch auf Menschen.

Der Pilz Trichophyton verrucosum, der die Flechte auslöst, ist sehr widerstandsfähig und hoch ansteckend. Kleine Hautverletzungen dienen als Eintrittspforte für den Pilz. Die Übertragung erfolgt vor allem über den direkten Kontakt mit infizierten Tieren.

Menschen können sich über Tiere, aber auch durch Anfassen von Geräten und den Kontakt zu Stalleinrichtungen oder Weidetechnik anstecken. Ektoparasiten, wie Läuse spielen bei der Übertragung von Tier zu Tier eine Rolle und könnten aber auch als Überträger auf den Menschen in Frage kommen. Nicht nur Rinder, sondern auch Schafe, Pferde, Hunde und Katzen können erkranken und den Pilz auf den Menschen übertragen. Die Infektion wird aber auch von Mensch zu Mensch weitergegeben.

Wer ist betroffen?

Betroffen sind vor allem Landwirte, aber auch andere Personen, die mit den erkrankten Tieren in direkten Kontakt kommen, wie zum Beispiel Tierärzte oder auch Gäste bei Ferien auf dem Bauernhof. Besonders gefährdet sind Personen mit geschwächtem Immunsystem, ältere Menschen und diejenigen mit Vorerkrankungen. Auch Kinder können sich leichter anstecken, da ihre Kopfhaut noch nicht so widerstandsfähig ist.

Wie wirkt sich die Krankheit aus?

Die Kälberflechte ist in der Regel lokal begrenzt und bildet Vesikeln, Papeln und Pusteln auf der Haut. Die Haut ist innen hell und außen von einem roten Ring umgeben. Die ersten betroffenen Stellen sind meist linsengroß. Man sieht eine Rötung, die schuppt und juckt. Im weiteren Verlauf breitet sich die Entzündung aus. Betroffen sein, können die Kopfhaut, das Gesicht, Nägel, der Bart und freie Hautregionen wie die Arme.

Tut man nichts gegen den Pilz, breitet er sich aus und es kann zu Fieber und Lymphknotenschwellungen kommen. Werden die juckenden Hautstellen aufgekratzt können Bakterien zusätzliche Erkrankungen auslösen. Teilweise kommt es zu Haarausfall, wenn der Haarboden befallen wird.

Wie wird Rinderflechte behandelt?

Die Erkrankung ist beim Menschen normalerweise gut zu behandeln. Wenn man vermutet, dass man die Erkrankung von seinen Tieren hat, sollte man einen Arzt aufsuchen und ihm den Verdacht auch mitteilen. Denn häufig wird eine falsche Diagnose gestellt, weil es sich um eine seltene Erkrankung handelt, die nur bestimmte Berufsgruppen betrifft.

Zu den Fehldiagnosen gehören andere Hauterkrankungen wie zum Beispiel Ekzeme oder Schuppenflechte. Und wenn die entzündeten Stellen zunächst als bakterielle Erkrankung gedeutet und mit Antibiotika behandelt werden, kann die Pilzinfektion weiter fortschreiten. Behandelt wird die Rinderflechte mit sogenannten Antimykotika, die speziell gegen Pilzerkrankungen wirken. Sie werden entweder als Salben aufgetragen und/oder in Tablettenform geschluckt. Zu den eingesetzten Wirkstoffen gehören sogenannte Azole oder Ciclopiroxolamin (äußerlich).

Wie beugt man vor?

Bei der Arbeit mit betroffenen Tieren sollte man möglichst Handschuhe tragen. Außerdem sollten Kleider mit langen Ärmeln und langen Hosenbeinen zum Einsatz kommen.

Auch beim Umgang mit Gegenständen oder Stalleinrichtungen sein, die die infizierten Tiere berührt haben könnten, ist Vorsicht angebracht. Am besten ist es auf jeden Fall, die Infektion schon bei den Tieren zu beenden. Hierfür steht zum Beispiel eine Impfung zur Verfügung.

Mit Material von Markus Pahlke (agrarheute)