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Jaenicke spricht von Shitstorm: So reagieren Agrar-Blogger

Hannes-Jeanicke-Facebook-Stellungnahme
Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Montag, 05.12.2022 - 11:00

Über die Aussagen von Hannes Jaenicke in „3 nach 9“ sind Agar-Blogger teils fassungslos. Das Bild über die Landwirtschaft, das der Schauspieler in der TV-Sendung zeichnete, könnte nun auch ein juristisches Nachspiel haben.

5. Dezember: Agrarblogger sehen juristische Grenzen überschritten

Hat Jaenicke mit seinen teils drastischen Behauptungen über die Landwirtschaft juristische Grenzen überschritten? "Ich war jedenfalls schon beim Amtsgericht und habe nachgefragt, wie es aussieht", sagt Thomas Essig auf seinen Facebook-Blog. Der Biobauer mit dem Facebook-Alias "der Bauer von der Mark" wollte vom Gericht wissen, ob da eine Anzeige oder eine Klage in Frage kommen. "Und demnächst passiert das auch", so seine Ankündigung. Außerdem ruft er andere Landwirt auf, es ihm gleichzutun.

Um ein juristischen Verfahren anzustoßen, braucht es häufig eine persönliche Betroffenheit - also eine Beschädigung des Rufes, der Person oder des Betriebes. Deshalb rät er, sich die Sendung anzusehen und dann gegen die Falschaussagen juristisch vorzugehen.

2. Dezember: Jaenicke legt noch drauf

Von einer Entschuldigung ist hier Fehlanzeige. So die Reaktionen von bayerischen und deutschen Agrar-Bloggern auf die Stellungnahmen des Schauspilers in den Sozialen Medien. Allen voran hat Philipp Pelzer (@philipps_farmlife) ein amüsantes, aber ernstes Reaktionsvideo auf seinen Social-Media-Profilen veröffentlicht. Allein auf Instagram wurde es über 155000 Mal (Stand: 02.12.2022, 11:30 Uhr) angesehen.

Pelzer, der einem Familienbetrieb mit Rinderhaltung in Nordrhein-Westfalen angehört, reagiert damit auf eine Video-Stellungnahme von Hannes Jaenicke. Der Schauspieler hat diese am Dienstag auf seinem Facebook-Account veröffentlicht. Er spricht darin von einem Shitstorm, den er seit seinem Auftritt in der NDR-Talkshow „3 nach 9“ bekommen hat. In der Talkshow hat er vergangenen Freitag zusammen mit Schauspieler Sky Du Mont und Moderatorin Judith Rackers Falschaussagen über die Milchviehhaltung in der Landwirtschaft verbreitet.

Hannes Jaenicke postet Stellungnahme auf Facebook

Wie Jaenicke darin erzählt, wohne er selbst „auf dem dicksten Land in Oberbayern". Dort würde er jeden Tag sehen, was „kleine Bauernbetriebe und Bio-Bauern so leisten.“ Er möchte explizit darstellen, dass er mit seiner Kritik in der Sendung „der Massentierhaltung und die Großkonzerne“ meinte und nicht die „kleinen Züchter und die Bio-Bauern“.

Er wirft den „Aktivisten“, die nun seither einen „Shitstorm“ auf ihn verüben würden, vor, dass sie unüberlegt handeln würden, weil sie sein neuestes Buch noch nicht gelesen hätten. Weiter spricht er davon, dass „unsere Ernährungsindustrie, insbesondere die industrielle Massentierhaltung, auf den Prüfstand gehört“.

Junglandwirt reagiert auf Jaenickes Stellungnahme

Genau an diesen Aussagen stört sich Landwirt Philipp Pelzer und stellt in Frage: „Meint er mich jetzt oder meint er mich nicht?“. Denn Pelzers Betrieb sei zwar ein kleiner Betrieb, aber nicht Bio. Außerdem stellt er in Frage was Jaenicke mit seinen Aussagen „Agrarindustrie und Massentierhaltung“ meine. Seien das schon Betriebe, die 500 Kühe melken. „Und was ist, wenn Bio-Betriebe 500 Kühe melken, ist das dann auch Massentierhaltung?“, fragt Pelzer in seinem Video. Der Agar-Blogger stellt fest „nach einer Entschuldigung hört sich das jetzt nicht für mich an“. Jaenicke würde sogar noch „einen draufsetzen“ und stattdessen eher sein Buch bewerben.

„Nur weil man auf dem Dorf lebt, macht einem das noch nicht zum Agrar-Experten“, sagt Pelzer weiter und zählt zahlreiche Gegenbeispiel auf. In seinem Fazit wendet er sich deutlich an seine Zuschauer: „Es geht doch gar nicht um Bio oder Konventionell, sondern einfach nur um die Art und Weise, wie Tiere gehalten werden.“ Am Ende wendet er sich noch einmal direkt an Hannes Jaenicke. Pelzer bittet ihn, dass er bei seinen nächsten Recherchen mit „wirklichen Experten“ zusammenarbeiten soll und bezieht sich darauf, dass er bei seinem beworbenen Buch überwiegend mit „Peta und Co.“ kooperiert hat.

Reaktion aus Bayern: Andreas Wolfrum ist fassungslos

„Es macht einen wirklich fassungslos, in welcher Ahnungslosigkeit, aber in welcher Entschlossenheit sich Herr Du Mont und Herr Jaenicke sich über uns Landwirte äußern“, sagt Andreas Wolfrum (@wolfrums_bauernhof) in seinem Reaktionsvideo. Der Landwirt betreibt einen Milchviehbetrieb in Franken.

Mit seinem Video reagiert auch Wolfrum auf die Stellungnahme Jeanickes. Während Wolfrum filmt, steht er „in so einer Kiste, in der wir die Kälber reinschmeißen und sterben lassen“, wie er ironisch sagt. In Wirklichkeit steht er bei seinen Kälbern im Stall, die keinesfalls dicht gedrängt in einem Container stehen, wie es eine Aussage von Sky Du Mont in der Sendung behauptet, sondern viel Platz haben und Wolfrum während dem Filmen immer mal wieder neckisch anstupsen. Der Landwirt bezeichnet die Inhalte deutlich als Lügen, die laut ihm so nicht auf einem öffentlich-rechtlichen Sender verbreitet werden dürfen. 

Auch Andreas Wolfrum findet die Entschuldigung in Jaenickes Stellungnahme nicht. Er schreibt unter seinem Video auf Instagram: „Und dann dieser Versuch einer Entschuldigung von Herrn Jaenicke. Dafür fehlen mir die Worte! Letztlich geht es ihm nur darum sein Buch zu verkaufen. Mit IHREN Aussagen diffamieren Sie (Anm. der Red. Hannes Jeanicke) einen ganzen Berufsstand, meine Familie und mich. Aber Hauptsache ihre Kasse klingelt!“

Agrar-Blogger reagieren auf die Falschaussagen in der Sendung „3 nach 9“

Weitere Agrar-Blogger und Landwirte machen in den sozialen Netzwerken auf die Falschaussagen aufmerksam. Sie wollen auf ihren Profilen zeigen, wie es in der Landwirtschaft wirklich zugeht. Unter anderem zeigt Agrar-Bloggerin Verena (@allgaeu_fotografie) wie es auf ihrem Milchviehbetrieb im Allgäu den Kühen wirklich ergeht. Man sieht auf ihrem Instagram-Kanal Bilder von Kühen und Kälbern, die zufrieden im Stall und auf der Weide leben oder Kühe, die ihre Kälber liebevoll nach der Geburt umsorgen.

Darauf bezieht sie sich auf die Aussage von Judith Rakers in der Sendung, die eine Zeile aus Hannes Jaenickes Buch zitiert: „Milchkühe seien das gequälteste Produkt unseres Hungers“. Über die Bilder des realistischen Einblicks auf Verenas familiären Milchviehbetrieb im Allgäu legt sie die Falschaussagen aus der Talkshow als Tonspur über die Bilder. Unter ihr Video schreibt Verena: „Traurig, dass Menschen, die derart in der Öffentlichkeit stehen, so wenig Ahnung haben und ihr nicht vorhandenes Wissen mit Menschen teilen, die das dann auch alles glauben‼️ Wenn man keine Ahnung hat sollte man sich nicht zu solchen Themen äußern!!“

Junglandwirtin sagt: Ein Landwirt hätte mitreden sollen

Auch die 21-jährige Junglandwirtin Elisa Bauer will über ihr Instagram-Profil @exeisa aufklären. Sie hat als erstes auch über die Plattform Ausschnitte der Sendung "3 nach 9" gesehen und sich daraufhin die Talkshow angeschaut. Dem Wochenblatt entgegnete sie:

"Ich als junge Landwirtin bin sehr enttäuscht das ein öffentlich rechtlicher Sender sich das Recht nimmt solche Falschaussagen an die Gesellschaft weiter zu geben. Ich finde es gut das über das Thema diskutiert wird und sich auch Kritiker wie Hannes Jaenicke und Sky de Mont dazu äußern können. Allerdings muss man, um eine vernünftige Aussage treffen zu können, mit allen Seiten der Landwirtschaft in Kontakt treten, nicht nur mit den Tierschutzorganisationen sondern auch mit den praktizierenden Landwirten. Wen man über so ein schwieriges Thema in einer öffentlichen Sendung berichtet, wäre es nur gerecht gewesen einen Landwirt mit einzuladen, damit unser Branche auch ihre Meinung dazu äußern kann.

Ich finde diese Ereignis zeigt umso mehr das die Öffentlichkeitsarbeit für uns Landwirte ein sehr wichtiges Thema ist um solche Falschaussagen in der Gesellschaft zu widerlegen und verunsicherte Verbraucher die wirkliche Landwirtschaft in Deutschland näher zu bringen. Dass dies momentan schon gut funktioniert kann man in den letzten Tagen in den sozialen Medien verfolgen, in denen sich die Landwirte gemeinsam den getroffenen Aussagen stellen.
Ich hoffe das die Landwirte, vor allem die Junglandwirte, in Zukunft den Mut nicht verlieren und wir gemeinsam als starker Berufsstand in der Gesellschaft auftreten."

Reaktionen aus Österreich über NDR-Sendung

Auch Bauer Christian Bachler (@bergerhof_krakauebene) äußert sich zur Sendung, die im NDR ausgestrahlt wurde. Der Landwirt ist ehemaliger Milchviehhalter und bekannt aus dem Kinofilm „Der Bauer und der Bobo“. Er schreibt in seinem Instagrampost: „Wer für Milch (weil die Kohle stimmt) Werbung macht, dann aber im Fernsehen gegen die Milchbauern hetzt, mit Aussagen, die sogar die Chefideologen der veganen Kirche vor Neid erblassen lassen - ist nicht gscheit, oder woke oder sonst irgendwas. Der ist, um aus einem Ihrer Filme zu zitieren, ein Zipfelkla........“

Zu diesen Worten zeigt Bachler ein Bild, worauf Schauspieler Sky Du Mont mit einem Glas Milch in der Hand posiert. Eine Werbekampagne für Milch aus 2005, von CMA (Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft) und der Europäischen Union mit dem Slogan „Milch ist meine Stärke“.

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