Insektenhotels mit Vollpension

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Johannes Urban
am Freitag, 13.09.2019 - 13:16

Mit durchdachten Blühmischungen die Artenvielfalt erhalten

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Feuer und Flamme ist Rupert Schlauderer, natürlich nur im übertragenen Sinn, wenn er einen durch seine vier Baumversuchsgärten führt. Feuer wäre das letzte, was hier gebraucht wird, denn es ist trocken, viel zu trocken. Der Klimawandel setzt dem Wald zu. „Für die Fichte wird es immer schwerer“, konstatiert Schlauderer mit sorgenvollem Blick in die Wipfel. Das ist auch der Grund, warum er 2007 das erste Arboretum angelegt hat, um zu testen, welche Baumarten mit dem wärmeren Klima zurechtkommen.

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120 – in Worten: hundertzwanzig Baumarten hat er auf teilweise abenteuerlichen Wegen gesammelt, darunter allein 16 verschiedene Tannen, 10 Kiefernarten oder auch 14 Ahornarten oder sechs verschiedene Eichen. Für besonders trockene Standorte testet er zum Beispiel Elsbeere, Speierling, Baumhasel oder die Esskastanie. Wie gesagt, ein Test: „ Alles, was nichts wird, bringt auch eine Erkenntnis.“
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Dabei belässt es Schlauderer nicht beim Bäume pflanzen. Zwischen den Jungpflanzen grünt und blüht eine unglaubliche Blumenvielfalt, die natürlich, wenn die Bestände sich schließen, allmählich vergeht. Aber in der Zwischenzeit gedeiht hier eine Insektenweide vom Feinsten. Um die Sache rund zu machen, hat Schlauderer aus den verschiedensten Materialien über drei Dutzend Insektenhotels aufgebaut und nicht die kleinsten. „Generell wichtig für ein Insektenhotel ist der Standort“, so Schlauderer. „Die Ausrichtung sollte nach Südosten sein, Blütenangebot drum herum und Wasser braucht es.“ Hartholz, und da besonders das der Robinie, so hat er herausgefunden, ist als Holz für die Bohrloch-Wohnungen am besten geeignet, denn da gibt es beim Bohren glatte Löcher und es fließt kein Harz.
Intensiv leuchtende Farbtupfer und Insektenhotels sind auch überall auf den Feldflächen des Betriebes zu finden, wie auch an geeigneten Plätzen im Gemeindebereich. Mit seiner Idee, rund um die Fundamente von Starkstrommasten Blühflächen anzulegen, hat Schlauderer, Landwirt in Unterwendling bei Kehlheim, 2018 beim Wettbewerb des Bauernverbandes „ Bauern schenken Blumen“ den zweiten Preis geholt.
Genauso intensiv wie mit seinen Bäumen beschäftigt sich Schlauderer auch mit den Blühflächen. Und so ist er mit der zwar teuren dafür aber mit 40 Blumenarten ausgestatteten Veitshöchheimer Bienenweide gestartet. Inzwischen arbeitet er zu 95 Prozent mit selbst gezogenen Mischungen. Eine Heidenarbeit: ständig prüft er, wann die Samen der jeweiligen Blumen erntereif sind, und wenn es soweit ist, wird gepflückt, geribbelt, ausgeschlagen, je nach Art. Getrocknet wird am Hof in der Sonne und dann geht es fein sortiert bis ins Frühjahr in einen großen Schrank – ohne Fleiß kein Preis.
Schlauderers Blühflächen sind nicht nur fürs menschliche Auge eine wahre Pracht, das, was da blüht, kann von unseren heimischen Insekten genutzt werden. Da sind dabei die Wegwarte, Färberkamille, Margerite, fünf verschiedenfarbige Kornblumen, der lang blühende Natternkopf, Roter Fuchsschwanz, Wilde Möhre, Cosmea, Ringelblume, Borretsch, Leinkraut, Zinnie oder auch Löwenmaul. Dazu kommen trockenresistente Arten wie Esparsette, Inkarnatklee oder Zaunwicke. Darüber thronen die weithin leuchtenden Sonnenblumen. Mit seinen Mischungen ist für Honigbienen, Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge der Tisch vom Frühjahr bis in den Herbst gedeckt. Und wie schon gesagt, für Wohnraum hat er ja auch gesorgt. So intensiv wie er selbst das macht, das kann nicht jeder, das weiß Schlauderer, aber: „Ein bisserl was kann jeder machen. Man muss nur wollen.“