Milchkontrolle

Hemmstofftest künftig sensibler

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Hans-Jürgen SeufferleinVMB
am Freitag, 15.05.2020 - 13:53

Ab 1. Juli 2020 wird in Bayern für Hemmstoffnachweise in der Anlieferungsmilch der BRT hi-sense verwendet. Bereits seit 1. April läuft die Einführungsphase.

Der Milchbauer ist ein Lebensmittelunternehmer. Als solcher ist er bereits seit 2006 auf der Grundlage des EU-Lebensmittelhygienerechts verpflichtet, die festgelegten Rückstandshöchstmengen (Maximum Residue Limits - MRLs) einzuhalten. In Deutschland wird diese Vorgabe seit 2008 über die 2010 letztmals novellierte Milch-Güteverordnung (MilchGüV) verpflichtend umgesetzt. Mit der kommenden Änderung, die nach intensiver und vor allem langer Diskussion mehr oder weniger zeitnah in Kraft treten wird, wird auch der neue Test BRT hi-sense bundesweit verpflichtend eingeführt.

Sensiblere Erfassung bestimmter Hemmstoffe

Der derzeit noch eingesetzte Hemmstoffnachweis hat Schwächen bei der Nachweisempfindlichkeit gegenüber verschiedener Substanzgruppen. Im Vergleich zum aktuellen BRT-Hemmstofftest erfasst dieser hi-sense-Test bestimmte Hemmstoffgruppen wie Sulfonamide, Makrolide, Aminoglycoside oder Tetracycline sensitiver.
Da bestimmte Hemmstoffe besser erfasst werden, kann es beim hi-sense-Test zu einer höheren Anzahl von Befunden kommen. Die Betonung liegt dabei auf dem Wort „kann“. Die verschiedentlich über soziale Medien verbreiteten vermeintlichen vielfachen Mehrbefunde entbehren dabei jeglicher Grundlage. Nach Angaben des Milchprüfring Bayern e.V. wurden im vergangenen Jahr 2019 insgesamt nur 223 Hemmstofffälle im Rahmen der Milchgüteverordnung festgestellt. Das entspricht einem Anteil von 0,015 % positiver Proben von allen getesteten Milchproben und spricht für die hohe Sensibilität der Milcherzeuger bei der Milchgewinnung.
Der BRT hi-sense erfüllt die Anforderungen der aktuell gültigen MilchGüV sowie des EU-Rechts. Der neue Test soll nun ab dem 1. Juli 2020 zum Nachweis von Hemmstoffen und Tierarzneimittel-Rückständen in der Milch in Bayern eingesetzt werden. Bereits seit 1. April läuft die innerhalb der milchwirtschaftlichen Verbände vereinbarte Einführungsphase von drei Monaten, in der die Rohmilch parallel zum aktuellen Test auch mit dem neuen Testverfahren untersucht wird. Falls positive Befunde festgestellt werden, erhält der betroffene Milcherzeuger eine Rückmeldung. Die Molkerei wird darüber nicht in Kenntnis gesetzt.

Kein Milchgeldabzug bei positivem Nachweis

Kommt es während der Einführungsphase auf einem Betrieb zu einem positiven Hemmstoffnachweis durch das neue Testverfahren, führt dies nicht zum Milchgeldabzug. Warum nun wird mit der Einführung nicht bis zum In-Kraft-Treten der neuen MilchGüV gewartet? Gerade das abgelaufene Jahr hat auch der bayerischen Milchwirtschaft deutlichst vor Augen geführt, dass auch sie immer mehr im Fokus des öffentlichen Interesses steht.
Die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz waren Einzelfälle. Für das Image der Branche aber waren sie extrem schädlich. Sie haben zu einer Sensibilisierung geführt und zu proaktivem Handeln aufgerufen. Die Einhaltung von Tierschutz, Lebensmittel- und Rechtssicherheit, unabhängig von der Preissituation, sind unabdingbar. Anders wird sich auch das lange Zeit außerhalb jeglicher Diskussion stehende Lebensmittel Milch in Zukunft nicht mehr vermarkten lassen. Der Verbraucher ist hochsensibel, sein Vertrauen in Lebensmittel ist bestmöglich zu erhalten.

Informationen für Milcherzeuger

Neuerungen führen naturgemäß zu Verunsicherung. Um dem gerecht zu werden, haben die Erzeugerverbände Bayerischer Bauernverband (BBV) und der Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB) zusammen mit dem Milchprüfring Bayern und in Abstimmung mit den Molkereiverbänden eine Liste mit wichtigen Fragen und Antworten zusammengestellt.

Diese häufig gestellten Fragen sind auf den Website von VMB unter www.milcherzeugerverband-bayern.de/themen/rubrik-fuer-milcherzeuger/aktuelles/ und von BBV unter www.bayerischerbauernverband.de/faq-brt-hi-sense abrufbar.

Dabei werden Antworten gegeben auf die bisher meistgestellten Fragen: Nach den häufigsten Ursachen für positive Hemmstofffälle, nach den Konsequenzen grundsätzlich für die Milcherzeuger, die Frage nach den Kosten oder die zukünftig korrekte Vorgehensweise für einen Test auf dem eigenen Betrieb. Die genannten Akteure werden in den kommenden Wochen weiter für Fragen zur Verfügung stehen.