Geflügelhaltung

Gute Einstreu hält gesund

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Laura Schneider
am Montag, 04.01.2021 - 11:24

Jung- und Legehennen benötigen eine geeignete Einstreu, um natürliche Verhaltensweisen wie Futtersuche, Scharren oder Staubbaden auszuüben, sonst drohen Verhaltensstörungen. Das Material muss aber trocken und locker sein.

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Auf einen Blick

  • Über die gesamte Haltungsperiode ist gute Einstreuqualität unverzichtbar.
  • Das richtige Material, bedarfsgerechte Fütterung, Tiergesundheit, gutes Stallklima und regelmäßige Entmistung tragen dazu bei, dass die Einstreu für die Tiere attraktiv bleibt und sie es für natürliches Verhalten nutzen.
  • Gute Einstreu kann nur mit gesunden Tieren gelingen und ist zugleich wichtig, um die Tiere gesund zu erhalten.

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Futtersuche, Scharren und Staubbaden gehören zum normalen Verhaltensrepertoire von Hühnern. Haben die Tiere keine Möglichkeit, diese Verhaltensweisen auszuüben, kann das Stress und Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus auslösen. Darüber hinaus nutzen die Hennen beim Scharren und Picken ihre Krallen und Schnäbel ab. Das Einstreumanagement ist damit eine wichtige Stellschraube, um Verhaltensprobleme zu reduzieren und Legehennen gesund zu halten.

Daher ist gute Einstreu einer der kritischen Kontrollpunkte in der Jung- und Legehennenhaltung, die in einem Projekt der LWK Niedersachsen und der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover im Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz erarbeitet wurden.

Erfahrungen zeigen Bedeutung der Einstreu

Das „Layer-HACCP Konzept – Beratungsteam Tierwohl im praktischen Einsatz“ ist Teil der Projektphase Wissen-Dialog-Praxis. Ziel des Projektes ist es, Erfahrungen aus Beratung und Wissenschaft auf Projektbetrieben mit Jung- und Legehennenhaltung umzusetzen und zu optimieren.

Im Anschluss ist geplant, die Erfahrungen und Ergebnisse der Betriebe an das breite Fachpublikum und die Praxis weiterzugeben. Die bisherigen Erfahrungen in den Projektbetrieben unterstreichen die hohe Bedeutung der Einstreuqualität.

Legehennenhalter nutzen in der Praxis verschiedene Einstreumaterialien mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen. Hobelspäne, gehäckseltes Stroh, Strohpellets, Maisspindelgranulat oder Lignocellulose binden gut Feuchtigkeit, sind staubarm und manipulierbar. Sand oder Langstroh gehen mit einer höheren Staubbelastung einher und eignen sich besonders für Wintergärten.

Welche Materialien die Hennen bevorzugen, unterscheidet sich von Tier zu Tier und in Abhängigkeit vom Verhalten: Zum Staubbaden nutzen sie bevorzugt Sand oder Torf. Wichtig ist, dass das Material frei von Pilzen und Schadstoffen ist.

Spätestens ab dem 35. Lebenstag

Aufzüchter sollten den Junghennen Einstreu vorlegen, sobald diese erstmals das System verlassen und den Scharrbereich betreten. Laut den „Empfehlungen zur Verhinderung von Federpicken und Kannibalismus bei Jung- und Legehennen“ sollte das spätestens ab dem 35. Lebenstag der Fall sein. Bei den neun im Projekt teilnehmenden Aufzuchtbetrieben durften die Hennen erstmals zwischen Lebenstag 11 und 28 in den Scharrbereich, der bodendeckend bis zu 3 cm hoch mit Hobelspänen und in einem Betrieb mit Strohgranulat eingestreut war.

Legehennenhalter sollten die Tiere sofort nach der Umstallung in den eingestreuten Scharrbereich lassen. In einer Projektherde wurden die Tiere anfangs einige Tage im System fixiert, was die Uniformität der Gewichte reduzierte. Zudem zeigten die Hennen Pseudostaubbaden auf Gittern der Anlage und nahmen den Einstreubereich spät an. Die Betriebe streuten meist Hobelspäne und Strohhäcksel, aber auch Sand, Strohgranulat oder Lignozellulose ein.

Tiere, die in der Einstreu ruhen, müssen in den ersten Tagen jeden Abend in das System gesetzt werden. Es empfiehlt sich, Beleuchtungszeiten und Dimmdauer anfangs an die Aufzucht anzupassen. Die Hennen lernen schnell, den Einstreubereich nur in der Hellphase zu nutzen und zur Futteraufnahme in das System zu gehen.

Fressen von Einstreu und Kot vermeiden

Sind Hennen aus der Aufzucht Raufutter und Magensteine nicht gewohnt und nehmen im Legebetrieb mit der Einstreu übermäßig viel Rohfaser auf, kann es zu Kropfverstopfungen kommen. Hier empfiehlt es sich, zu Beginn Magensteine und wenig Einstreu anzubieten und darauf zu achten, dass alle Tiere die Futterlinie finden.
Tiere, die Kot fressen, haben meist Probleme, die Tränkelinie zu erreichen. Diesen Tieren kann man helfen, indem man sie hochsetzt oder zeitweise in einem ruhigeren Krankenabteil hält. Einstreufressen, Kropfverstopfungen sowie kotfressende Tiere kamen in den teilnehmenden Betrieben nur vereinzelt in der Aufzucht vor.

Einstreumenge gering und trocken halten

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Bereiche mit zu wenig Einstreu eignen sich nicht zum Scharren und Staubbaden. Hier halten sich die Hennen seltener auf, sodass auch der Koteintrag das Kot-Einstreu-Gemisch nicht vermehrt. Feuchter Kot tritt sich am Boden fest und bildet Auslagen, die schlecht abtrocknen. Zu viel Einstreu kann die Staub- und Schadgasbelastung erhöhen und dazu führen, dass die Hennen in der Einstreu Nester anlegen. Eine mehrere Zentimeter dicke Einstreu können die Tiere nicht vollständig durcharbeiten, sodass sich die unteren Schichten möglicherweise verfestigen und ein Reservoir für Krankheitserreger bilden.

Um die Einstreumenge gering zu halten, ist es wichtig, regelmäßig auszumisten. Sechs der elf teilnehmenden Legehennenbetriebe hatten Kotschieber unter dem Volierensystem installiert, während die anderen Betriebe alle zwei Wochen oder nach Bedarf manuell entmisteten. Nachgestreut wurde nach Bedarf, beispielsweise, wenn größere Einstreuplatten entfernt wurden oder die Einstreu verklumpte.

Ein Kotschieber unter dem Volierenblock kann nur geringe bis mittlere Mengen des Kot-Einstreu-Gemischs entfernen. Um solide Platten zu beseitigen, ist eine regelmäßige Entmistung etwa alle 14 Tage sinnvoll. In einem teilnehmenden Betrieb war dies fest in die Arbeitsroutine integriert. Das Ergebnis war eine lockere, trockene Einstreu über die gesamte Legeperiode. Betriebe, die nach Bedarf entmisteten, hatten hingegen immer wieder Probleme mit Plattenbildung und zu hohen Einstreumengen.
Um die Hennen zu motivieren, die Einstreu durch Scharren locker zu halten, bestehen folgende Möglichkeiten:
  • Einstreu regelmäßig auflockern,
  • interessante Materialien vorlegen,
  • Körner in der Einstreu verteilen,
  • oder beim Stalldurchgang mit schlurfenden Schritten Furchen in die Einstreu ziehen. Diese erkunden die Tiere gerne und die Einstreu wird durchgearbeitet und bleibt locker.

Feuchtigkeit fördert Fußballenschäden

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Ist die Einstreu zu feucht, kann es zur Verklumpung und letztlich Plattenbildung kommen, die Fußballenschäden fördert und eine mögliche Brutstätte für Keime darstellt. Ist die Stallluft wärmer als die Oberflächen im Stall, führt die Feuchtigkeit aus dem abtrocknenden Kot zu feuchten Wänden oder nasser Einstreu. Um die Luftfeuchtigkeit im empfohlenen Bereich von 60 bis 70 % zu halten, ist vermehrtes Lüften nötig. Dadurch sinkt im Winter die Stalltemperatur, doch durch die hohe relative Feuchte der Außenluft trocknet die Stallluft nicht ab.

Um die Lüftungsrate zu steigern, ohne die Stalltemperatur stark zu senken, nutzten die teilnehmenden Aufzuchtbetriebe Heizungen (meist Heizkanonen).

Die Befestigung des Bereichs vor den Auslaufklappen verhindert, dass Tiere mit nassen Füßen in den Stall kommen und zusätzliche Feuchtigkeit eintragen. Um den stallnahen Auslauf trocken zu halten, nutzten einige teilnehmende Betriebe Steine oder Rasengitter- und Pflastersteine vor den Luken.

Bei Rundtränken ist darauf zu achten, sie ausreichend hoch aufzuhängen, den Wasserstand niedrig zu halten und sie beispielsweise mit Sand zu beschweren. So lässt sich vermeiden, dass die Tränke schwingt oder die Hennen mit dem Wasser spielen, sodass die Einstreu im Umkreis nass wird und verklebt.

Ausreichend Sitzstangen für die Tiere anbieten

Um Beschäftigungsmaterialien herum arbeiten die Tiere das Material meist gut durch, aber an anderen Stellen, wie unter Rampen und Anflugstangen, verklebt die Einstreu schnell. Hier muss regelmäßig geharkt oder entmistet werden. Zudem sollten ausreichend Sitzstangen vorhanden sein, damit keine Hennen auf Anflugstangen und in der Einstreu übernachten und koten.
Auch die Tiergesundheit beeinflusst die Einstreuqualität. Infektionserreger wie Rotaviren, Clostridien oder Darmparasiten sowie Fütterungsfehler und auch verkeimtes oder verschimmeltes Futter können feuchten Kot verursachen. Fallen vermehrt schlecht geformte, feuchte Kothaufen auf, kann der Tierarzt eine Sammelkotprobe zur Untersuchung nehmen.

Ist in der Einstreu kein Kleingefieder zu finden, deutet das auf Federfressen hin. Es wird durch Rohfaser- oder Nährstoffmangel verursacht und steigert sich möglicherweise bis zu Federpicken und Kannibalismus. Es gilt daher, schon in der Aufzucht auf Kleingefieder zu achten und mit Futteroptimierung (Schmackhaftigkeit, Milchpulver, B-Vitamin und Methionin) sowie Beschäftigungsmaterial gegenzusteuern.

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