Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Wiesen

Grünlandmonitoring: Silierreife rückt näher

Grünlandmonitoring
Barbara Misthilger, Ludwig Hitzlsperger, LfL Tierernährung, Grub
am Mittwoch, 04.05.2022 - 11:44

Die endlich wärmeren Temperaturen und die Niederschläge der vergangenen Woche schaffen gute Ertragsvoraussetzungen.

Obwohl es bald Mitte Mai ist, verändern sich die Inhaltsstoffe der Gräser langsam, das ist definitiv anders, als man es sonst zu dieser Jahreszeit gewohnt ist.

Viel Energie und Eiweiß

Am deutlichsten sichtbar ist das beim Anstieg der ADFom-Gehalte. Diese liegen jetzt im Mittel bei 208 g/kg TM. In den Agrargebieten Voralpines Hügelland und Tertiärhügelland sind die Gehalte am höchsten, liegen aber noch deutlich unter den für den optimalen Schnittzeitpunkt angestrebten Orientierungswert von 260 g/kg TM. Normalerweise steigen die ADFom-Gehalte im Gras durch das einsetzende Wachstum sehr zügig und stetig.

In diesem Jahr erhöhen sich die Gehalte eher langsam. Hauptursache hierfür sind die bis Ende April kühlen Tages- und Nachttemperaturen in ganz Bayern. Durch die noch geringe Verholzung im Gras liegen auch die aus den Inhaltsstoffen abgeleiteten Energiegehalte mit 6,9 MJ NEL/kg TM immer noch auf einem sehr hohen Niveau.

Durch die langsame Verholzung der Gräser und die Niederschläge der letzten Woche konnte der Eiweißabbau im Gras verlangsamt werden. Ein Prozess, der sehr selten vorkommt. Im Mittel liegen die Eiweißgehalte bei 183 g/kg TM, wobei sie in den nördlichen Agrargebieten durch das erst beginnende Wachstum mit 196 g/kg TM noch deutlich höher liegen. Entscheidend für die spätere Qualität der Grassilage ist aber nicht nur die Menge an Eiweiß, sondern auch deren Qualität. Auf den Siliergut befindliche Clostridien wandeln den im Gras befindlichen Zucker zu unangenehm riechender Buttersäure um (muffiger Geruch). Zugleich bauen sie das im Gras enthaltene Eiweiß zu Ammoniak um. Die Kuh kann dieses als „Eiweißquelle“ nur bedingt verwerten.

Dieser Abbauprozess kann nur durch eine schnell einsetzende Milchsäurebildung in der Silierung verhindert werden. Daher müssen ausreichend Milchsäurebakterien auf dem Siliergut vorhanden sein. Die Witterung der letzten Wochen bremste auch das Wachstum der Milchsäurebakterien. Daher sollten unbedingt Siliermittel, die z. B. Milchsäurebakterien enthalten, zugesetzt werden, um Fehlgärungen sowie Eiweißabbau zu verhindern.

Ertrag wächst

Die Grasbestände haben bayernweit weiter an Masse zugelegt. Allerdings haben die lang anhaltende Trockenheit und Kälte im Frühjahr immer noch negative Nachwirkungen aufs Wachstum. Das zeigen die bisher mäßigen Zunahmen bei den TM-Erträgen pro Hektar. Das voralpine Hügelland und Tertiärhügelland sind ertragstechnisch mit 25 bzw. 22 dt TM/ha am weitesten.

Die Entwicklung bleibt vor allem durch die jetzt wüchsigen Bedingungen mit wärmeren Temperaturen und Regenfällen spannend. Die Inhaltsstoffe der beprobten Bestände zeigen, dass in allen Agrargebieten sehr gute Qualitäten vorliegen. Als erste in diesem Jahr werden die Bestände in den Agrargebieten Voralpines Hügelland und Tertiärhügelland sowie den Gunstlagen des Alpenvorlands in der kommenden Woche den Zeitraum für den optimalen Schnittzeitpunkt erreichen – die ADFom- (260 g/kg TM) und Energiegehalte (6,6 MJ NEL/kg TM) liegen dann im gewünschten Zielbereich und sind eine gute Basis für schmackhafte Silagen.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt