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Hygiene

Großputz im Pferdestall

Stallgassen sollten gefegt werden, sobald Futterreste verschüttet wurden. Das hilft dabei, Schadnager fern zu halten.
Sven und Peggy Morrell
am Freitag, 12.08.2022 - 09:20

Staub und Dreck sind ideale Bedingungen für krankmachende Keime. Daher sollte der Pferdestall regelmäßig gründlich gesäubert und desinfiziert werden. Auch die Einsteller sind bei der Umsetzung der Hygiene gefragt.

Reiten macht Spaß, wenn das Pferd gesund und fit ist. Kranke Pferde machen nicht nur sich selbst zu schaffen, sondern auch Haltern und nicht zuletzt den Stallbesitzern mehr Arbeit. Damit Pferde gesund bleiben, empfiehlt die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) in ihrem „Hygieneleitfaden Pferd“ eine „regelmäßige Reinigung und Desinfektion von Stallungen, Putzplätzen sowie weiteren Bereichen und Gerätschaften, angefangen bei Schubkarren, Schaufeln und Besen, bis hin zu Treckern und anderen Maschinen.“

Bevor die Reinigungsaktion startet, sollten die Pferde aus dem Stall gebracht werden, etwa auf die Weide oder in einen Auslauf. Die Box oder Liegefläche sollte mindestens alle sechs Monate komplett ausgeräumt werden. Wände, Decken und Boden kann man danach gründlich fegen – ebenso Trennwände beziehungsweise eventuell vorhandene Gitterabtrennungen. Danach können Verschmutzungen mit Hilfe von Wasser und Reinigungsmittel sowie einer Draht- oder Wurzelbürste bzw. einem harten Besen weggeschrubbt werden. Stallfenster und Lamellenvorhänge zu reinigen ist ebenso sinnvoll.

Aeorosole nicht mit Hochdruck aufwirbeln

Möchte man dem Dreck mit einem Hochdruckreiniger zu Leibe rücken, sollte man sicherstellen, dass die Materialien dem Druck standhalten. Die FN warnt noch aus einem anderen Grund vor zu viel Wasserdruck: Dieser dürfe „nicht so hoch eingestellt werden, dass es zu Aerosolbildung kommt. Aufgewirbelte Keime könnten so verbreitet werden.“

Gibt es in den Boxen Stallmatten, sollten die Pferdehalter diese mindestens ein Mal im Jahr herausnehmen. Dann lassen sich der Boden darunter und auch die Matten leichter reinigen.

Vor einer Desinfektion muss gereinigt werden. Warum? Passiert das nicht, verbraucht sich das Desinfektionsmittel am Schmutz und wirkt nicht gegen Bakterien, Pilze, Viren und Parasiten. Deshalb gilt: Vorher gründlich Fegen und Schrubben – und ganz wichtig: dann vollständig abtrocknen lassen. Auf noch nassen Flächen kann das Desinfektionsmittels nicht korrekt wirken.

Bei der Dosierung, Anwendung und Einwirkzeit müssen Pferdehalter sich stets strikt an die Herstellerangaben halten, ansonsten ist die Desinfektion möglicherweise unzureichend und es können sich Resistenzen bilden. Zudem kann es zu Gesundheitsschäden bei Menschen und Tieren kommen.

Wichtig: Beim Reinigen und Desinfizieren muss geeignete Schutzkleidung – in der Regel Schutzanzug und -brille, Atemschutz sowie Handschuhe (Sicherheitshinweise auf den Mitteln beachten) – getragen werden. Nicht nur, weil die Mittel oft ätzend sind, sondern auch, weil sich laut FN „ansteckende Keime in noch anhaftendem Schmutz oder in der Einstreu befinden können“.

Die verwendeten Desinfektionsmittel sollten ein breites Wirkungsspektrum aufweisen und müssen für den Pferdebereich zugelassen sein (siehe Kasten).

Das Kalken von Ställen ist eine bewährte Methode, um den Krankheitsdruck zu reduzieren, da Kalk desinfizierend wirkt. Für Pferdeställe gibt es bereits fertige Kalkfarbe für Boden und Wände.

Den Krankheitsdruck mit Kalk reduzieren

Im Umgang mit Kalk ist Vorsicht geboten: Zum einen ist Kalk stark ätzend und Schutzkleidung ist daher Pflicht, zum anderen kommt es beim Mischen mit Wasser zu starker Hitzeentwicklung. Mehr noch, Kalk kann sich entzünden. Auf der Homepage der Freiwilligen Feuerwehr Horb a. M. etwa ist zu lesen: „Gebrannter Kalk kann sich bei Feuchtigkeitszutritt so stark erhitzen, dass brennbare Stoffe wie Papier, Torf, Heu oder Holz entzündet werden können. Zudem dürfen gebrannter Kalk und Düngemittel niemals zusammen gelagert werden. Die Lagerung muss auf einem geeigneten Untergrund erfolgen, wobei nicht auf oder an brennbaren Trennwänden gelagert werden soll.“

Es gibt auch Kalkprodukte, die regelmäßig auf die Liegefläche aufgebracht werden und so krankmachende Keime in der Einstreu reduzieren und Feuchtigkeit binden sollen. Wichtig dabei: Wirklich nur speziell für diese Anwendungsmöglichkeit und für Pferdeställe ausgelobte Produkte verwenden (z. B. „Ammonit“ der Firma Lexa Pferdefutter, dieses enthält unter anderem kohlensauren Algenkalk und ätherische Öle).

Wichtig: Kalk gilt als Biozid. Vor Gebrauch sind stets Kennzeichnung und Produktinformation sorgfältig zu lesen, beim Gebrauch Anwendungshinweise einzuhalten sowie Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Futterkammer: Paradies für Keime und Schädlinge

Auch die Futterkammer sollte regelmäßig gecheckt werden: Sind Ergänzungsfutter, Pülverchen und Co. noch haltbar und hygienisch einwandfrei? Futtermittelbehälter sollten gründlich gereinigt werden, ebenso die Futterkammer.

Die FN rät in ihrem Hygieneleitfaden zu folgendem:

  • Futtermittel wie Kraftfutter, Getreide, Leckerlis, Äpfel, Karotten, Brot usw. müssen in fest verschließbaren Behältern aufbewahrt werden um kein Ungeziefer anzulocken.
  • Wird Kraftfutter in Silos gelagert, müssen diese regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.
  • Medikamente werden in einem Extra-Schrank aufbewahrt.
  • Medikamente und Ergänzungsfuttermittel sollten nicht zusammen mit dem Kraftfutter im Futterwagen sein, um eine unbeabsichtigte Aufnahme zu verhindern.
  • Stroh und Heu müssen witterungsgeschützt gelagert und zudem von unten vor Feuchtigkeit bewahrt werden (z.B. Paletten).

Putz- und Waschplätze nicht vergessen

Andere Bereiche im Betrieb sollten ebenfalls einer regelmäßigen, gründlichen Reinigung und gegebenenfalls Desinfektion unterzogen werden. Dazu gehören beispielsweise Putz- und Schmiedeplätze, Waschboxen oder -plätze, Solarien oder die Sattelkammer.

Für Letztere gilt zusätzlich: Decken und Satteldecken sind mitunter wahre Brutstätten für Keime – vor allem im Winter, wenn sie in der unbeheizten Sattelkammer gar nicht mehr richtig abtrocknen. Regelmäßiges Waschen ist sinnvoll. Doch vor allem Winterdecken sind für haushaltsübliche Waschmaschinen in der Regel viel zu groß und voluminös, zudem können Verschlüsse Schäden an der Trommel verursachen und Haare das Flusensieb verstopfen. Außerdem möchte nicht jeder Pferdehalter die mitunter sehr dreckigen, haarigen Decken seines Schützlings in der gleichen Maschine waschen wie die eigene Kleidung. Daher: Einige Pferdesportgeschäfte sowie spezielle Reinigungen bieten einen Waschservice für Pferdedecken an.

Schubkarren, Besen, Gabeln und Maschinen werden in verschiedenen Bereichen des Betriebes eingesetzt. Eine Verbreitung von Krankheitserregern, beispielsweise über die Reifen des Treckers oder der Schubkarre, ist möglich. Deshalb sollten auch Gerätschaften regelmäßig desinfiziert werden.

Ebenfalls wichtig: Gabeln, Schubkarren und Co. sollten grundsätzlich jeweils entweder nur für Futter oder nur für Mist verwendet werden. Die FN empfiehlt eine Reinigung und Desinfektion der Utensilien nach dem Ausmisten, falls eine solche Trennung nicht möglich ist. In der Praxis wird dies aber schwer realisierbar sein, daher ist das strikte Trennen deutlich einfacher.

Gibt es Probleme mit Schadnagern oder Ungeziefer, sollte laut FN professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Übrigens: Auch Vögel können direkt und indirekt Krankheiten übertragen und so – wenn es zu viele sind – zum Problem werden. Auch hier gibt es spezialisierte Firmen.

Ein Tipp für Pensionstallbetreiber: Sensibilisieren Sie ihre Einsteller bezüglich der Hygiene auf Ihrem Betrieb. Jeder kann mithelfen, etwa indem heruntergefallene Futtermittel sofort aufgekehrt, Futter mäusesicher aufbewahrt und (Sattel-)Decken regelmäßig gewaschen werden.

Zugelassene Desinfektionsmittel und Gebrauchshinweise

Auf der „Desinfektionsmittelliste für den Tierhaltungsbereich“ der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft e.V. (DVG) sind geeignete Mittel aufgeführt: www.desinfektion-dvg.de/index.php?id=2150) .

Unter www.dlg.org/fileadmin/downloads/landwirtschaft/tests/guetezeichen/Stalldesinfektionsmittel_2020.pdf finden Pferdehalter eine Übersicht über von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft e.V. (DLG) geprüften Desinfektionsmittel.

Auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts finden sich darüber hinaus „Empfehlungen des Friedrich-Loeffler-Instituts über Mittel und Verfahren für die Durchführung einer tierseuchenrechtlich vorgeschriebenen Desinfektion“ (desinfektions-rl.fli.de/de/home).

Checkliste Reinigung und Desinfektion

Hygiene ist wichtig, doch wann müssen die Stallungen sowie anderen Bereiche des Betriebes zusätzlich zum turnusmäßigen „Großreinemachen“ gesäubert und desinfiziert werden?

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) listet auf:

  • Wenn eine ansteckende Erkrankung im Pferdestall ausbricht und vor der Freigabe nach einer Quarantäne.

  • Wenn ein Pferd eine neue Box bezieht gilt: vollständig ausmisten, reinigen, desinfizieren sowie anschließend frisch einstreuen.

  • Boxen, die nur für eine gewisse Zeit bezogen werden (z. B. auf Veranstaltungen), vor Ankunft und nach Verlassen des Pferdes reinigen und desinfizieren.

  • Pferdeanhänger nach jedem Transport Futter, Mist und Einstreu entfernen und regelmäßig reinigen sowie desinfizieren.

  • Wenn ein Pferd stirbt, sollte der Untergrund, auf dem das Pferd bis zur Abholung gelagert wurde, befestigt sein, damit dieser gereinigt und desinfiziert werden kann.

Die FN empfiehlt zudem die „Aufstellung eines Reinigungs- und Desinfektionsplanes, in dem festgelegt wird, wann und in welchen Umfang Stallbereiche, Gerätschaften und Maschinen gereinigt und desinfiziert werden müssen“.

  • Auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts finden sich darüber hinaus „Empfehlungen des Friedrich-Loeffler-Instituts über Mittel und Verfahren für die Durchführung einer tierseuchenrechtlich vorgeschriebenen Desinfektion: desinfektions-rl.fli.de/de/home.

Fressbereiche gründlich reinigen

Futtertröge und Raufen sollten täglich (mindestens einmal) kontrolliert werden. Schmutz wie beispielsweise angetrocknete Futterreste, Pferdeäpfel oder Vogelkot sollte man umgehend mit warmem Wasser und einem milden Reinigungsmittel und einem (Geschirr-)Schwamm oder einer Bürste entfernen. Anschließend gründlich mit klarem Wasser spülen. Pferde reagieren empfindlich auf Putzmittelrückstände. Unter Umständen boykottieren sie die Wasser- oder Futteraufnahme wenn das nicht ausreichend erfolgt ist.

Mitunter ist es notwendig, auch Tränken und Futterstellen zu desinfizieren. Hier gilt: nur speziell dafür zugelassenen Mittel verwenden und genau an die Herstelleranweisungen halten. Und die Pferde danach beobachten, ob sie nicht Tränke und Trog verschmähen.

Übrigens: Dass Pferde, die gemeinsam im Offenstall leben oder sich Koppel beziehungsweise Paddock teilen, gemeinsame Raufen und Tröge nutzen, ist hygienisch nicht bedenklich, wenn alle Pferde gesund sind. Pferde, die ansonsten jedoch keinen Kontakt miteinander haben, sollten auch nicht Futter- oder Wasserbehälter miteinander teilen. Das gilt insbesondere auf Veranstaltungen.