Rinderrassen

Großer Ansturm auf kleine Rasse

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Josef Berchtold
am Donnerstag, 25.07.2019 - 13:39

250 Gäste feierten bei Festabend in Greifenberg das Murnau-Werdenfelser-Vieh

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Was für ein Ansturm: Über 250 Besucher kamen an die Besamungsstation Greifenberg zum „Abend der Murnau Werdenfelser“. Die Zahl der Gäste entspricht ungefähr der Zahl an MLP-Kühen dieser langlebigen und sehr genügsamen Zweinutzungsrasse, die in den letzten Jahren viele neue Anhänger fand. Und das Klientel ist vielschichtig: „Vom Hotelbesitzer bis zum Mittenwalder Bergbauern ist alles dabei“, fasst es die Stationsmitarbeiterin Susanne Böhm zusammen.

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Insgesamt 299 Stiere aus 13 Rassen stehen in Greifenberg. Die Stars an diesem Abend aber waren die fünf Murnau-Werdenfelser, die sich im Forum durch eine Glaswand bewundert ließen. Xylon (Züchter: Andreas Wittig, Mittenwald), Nebel (Zü. Josef Jais, Eschenlohe), Bergwind (Zü. Maria Mangold, Uffing) sowie Alpspitz und Adler (Zü. Georg Wörmann, Murnau) heißen die Prachtexemplare, die Stationsleiter Helmut Gossner vorstellte.

Kulinarische Köstlichkeiten aus Murnau-Werdenfelser-Fleisch servierte das Team von Jürgen Lochbihler, dem Münchner Gastronom und großen Unterstützer der Rasse. Der Garmischer Landrat Anton Speer, zugleich der Vorsitzende des Fördervereines zum Erhalt der Rasse, bezeichnete die Murnau-Werdenfelser als „ein wunderbares Tier, ein Stück Heimat und Tradition“. Von einem „lebendigen Kulturgut“ sprach der leitende Ministerialrat Maximilian Putz, der die Förderung für die bedrohten Rinderrassen vorstellte. An 108 Betriebe mit Murnau-Werdenfelservieh wurden vergangenes Jahr 127 000 € ausbezahlt. Moderator Bernd Luntz vom LfL-Institut für Tierzucht sprach angesichts der vielen und zum Teil weit angereisten Gäste vom „Weltkongress des Murnau-Werdenfelser-Rindes“.

Einige Anekdoten über das Gebirgsvieh wusste der frühere Zuchtleiter Dr. Hans-Dieter Link. Er erinnerte daran, wie schwer es war, die Betriebe zur MLP zu bringen und wie ihm ein Murnauer Stier den Kotflügel demolierte, sprach vom „eigenwilligen Stier Maxl“ und Erlebnissen mit den sehr traditionellen Bauernfamilien.
Mit Dr. Hans Zahn/Peiting und Roman Martin von der Zwick GbR/Ingenried ehrte Fachberater Manfred Kinzelmann zwei Züchter. Sie engagierten sich am ET-Projekt ebenso wie Georg Wörmann/Murnau, Maria Mangold/Uffing und Georg Schlickenrieder/Otterfing, die bereits vorher ausgezeichnet wurden. Franz Greinwald vom LKV Bayern wurde für sein Engagement bei der Aufarbeitung des Herdbuches geehrt.
Wie sehr neue Technologien die Linienvielfalt fördern, zeigte Dr. Regina Thum in ihrer Doktorarbeit zur „genomunterstützten Inzuchtvermeidung und Selektion neuer Bullenlinien“. Im Rahmen des Projektes kamen bisher fünf Bullen in den KB-Einsatz.
Nathalie Ritter betreute ihm Rahmen ihrer Masterarbeit ein Projekt, in dem sie 180 Kühe auf 40 Betrieben im Exterieur bewertete und die Bauern zur Rasse befragte. Die Antworten zu einer Frage sagen alles über die Murnau-Werdenfelser aus: „100 Prozent der Befragten sind mit der Gesundheit ihrer Rasse zufrieden“, sagte Ritter. So ein Ergebnis gibt es wohl bei keiner anderen Rinderrasse.