Seltene Rassen

Grauvieh - das eigene Ding

Max Riesberg Portrait
Max Riesberg
am Freitag, 10.05.2019 - 12:12

Tiroler Grauvieh hat sich längst zu einer starken Marke gemausert, die Regionalität, Qualität und Bodenständigkeit vereint,

Am Sonntagmorgen bei tiefwinterlichen Straßenverhältnissen und starkem Schneegestöber, und das Anfang Mai, da habe ich mich zugegebenermaßen mehrmals gefragt: Warum tue ich mir das eigentlich an? Der Weg von Bayern nach Tirol zur österreichischen Bundesgrauviehschau war bei ergiebigem Neuschnee eine Herausforderung. Doch schon bei der Ankunft am Agrarzentrum in Imst war klar, dass mich etwas ganz Besonderes erwarten würde, denn Menschenmengen strömten zum Mekka der Grauviehzucht.

Mit dem Motto: „Ein Art Viehausstellung“ hatten die Veranstalter der kuisa 2019 ein ganz besonderes Konzept erarbeitet, das vollends aufging und die Erwartungen bei Weitem übertraf: die Atmosphäre stimmungsvoll und einmalig, die präsentierten Tiere beeindruckend und vielversprechend, die Kombination von Kunst und Kuh extravagant und sehr ästhetisch, die aufgetischten Schmankerl regional und ausgezeichnet, die Präsentation in der Gesellschaft sympathisch und werbewirksam und die Vernetzung mit den ausländischen Kollegen kooperativ und nachhaltig.

Tiroler Grauvieh hat sich längst zu einer starken Marke gemausert, die Regionalität, Qualität und Bodenständigkeit vereint, weit über österreichische Grenzen hinaus bekannt ist und die auf politischer Ebene wahrgenommen wird. Das wurde in Imst deutlich. Im Rahmen der Ländlichen Entwicklung wird es als gefährdete Rasse gezielt gefördert.

Dass das Grauvieh vor diesem Hintergrund in zwei Blöcke, nämlich das Tiroler Grauvieh in Nordtirol und die „Grigio Alpino“ in Südtirol aufgeteilt wurde, scheint nicht jedem Züchter dies- und jenseits des Brenners zu gefallen. Aber gerade kleine Populationen können nur überleben, wenn sie ihr eigenes Ding machen, es schaffen, ein Alleinstellungsmerkmal zu kreieren und die maximale Wertschöpfung herauszuholen. Dann können geografische Hürden gar nicht groß genug sein, um sie zu überwinden.